Deutsche Entwickler: Erfahrener, akademischer, skeptischer als internationale Kollegen

Illustration: Absmeier, Pexels

  • Entwickler sind männlich, jünger als 35 Jahre alt, leben in Süddeutschland und nutzen meistens HTML, lieben aber Rust.
  • Zukunftstechnologie: Deutsche Entwickler sehen Staat als Regulierungsorgan für Auswirkung von künstlicher Intelligenz.

 

Die Entwickler-Community Stack Overflow veröffentlichte mit dem Deutschland-Report 2018, einen detaillierten Einblick in die nationale Entwicklerszene [1]. Hierbei wurden die deutschen Antworten der weltweiten Umfrage noch einmal genauer unter die Lupe genommen.

Neben demografischen und arbeitsrelevanten Fakten wurde ein besonderer Schwerpunkt auf Zukunftstechnologien gelegt. Das Ergebnis: Deutsche Entwickler schauen leicht kritischer als internationale Kollegen auf die künstliche Intelligenz und ihre Folgen und sehen für die Regulierungen ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen den Staat mehr in der Pflicht.

 

Entwickler-DIN in Deutschland: Jung, männlich und im süddeutschen Mittelstand

Eines vorweg: Der durchschnittliche Entwickler in Deutschland hat sich den Vorjahren gegenüber kaum verändert. Noch immer ist der typische Entwickler in Deutschland männlich, jünger als 35 Jahre und hat einen Hochschulabschluss in Informatik oder Software-Engineering (Höchster Bildungsabschluss Master: Deutschland 31 Prozent vs. international 23,2 Prozent). Er wohnt in Bayern (19,1 Prozent), Nordrhein-Westfalen (17,1 Prozent) oder Baden-Württemberg (15,2 Prozent), wobei sich mehr als die Hälfte der Befragten als Backend-Entwickler und mehr als 20 Prozent als Entwickler für Desktop- oder Unternehmenssoftware bezeichnen.

Im Vergleich zu den globalen Daten sind in Deutschland aber mehr IT-Experten in Lehre oder akademischer Forschung oder häufiger in den »traditionellen« IT-Berufen wie Systemadministrator tätig. Der Rest der Welt hingegen hat proportional mehr Full-Stack-Entwickler, Mobilentwickler oder Business-Analytiker, welche alle relativ junge Berufsfelder sind.

Weiterhin interessant im Vergleich zu den weltweiten Ergebnissen: Hierzulande arbeiten die meisten Developer im Mittelstand. Rund zwei Drittel der Befragten (67,3 Prozent) arbeiten in einem Unternehmen bis zu 499 Mitarbeitern und dies auch ungewöhnlich häufig in Teilzeit (12,3 Prozent). Bei dem Gehalt liegen Entwicklungsleiter oder DevOps ganz vorne: Sie verdienen rund 80.000 Euro beziehungsweise rund 73.000 Euro im Jahr. Am wenigsten verdienen Designer (51.000 Euro p.a.) und Spiele- beziehungsweise Grafikentwickler (44.000 Euro p.a.)

 

Vorsicht mit Zukunftstechnologien: KI und Machine Learning beunruhigen die Deutschen eher

Der Erfolg und die Goldgräberstimmung von neuen Technologien wie künstliche Intelligenz und Machine Learning machen auch vor Deutschland nicht halt: Entwickler hierzulande sind ebenso an den neuen Möglichkeiten und der Technologie interessiert wie überall auf der Welt. Dennoch gibt es einige große Unterschiede im Vergleich zum Rest der Welt: Die Deutschen sind vorsichtiger. So lag die Zahl der Entwickler, die zu KI sagten »Ich bin mehr beunruhigt von den Gefahren als begeistert von den Möglichkeiten« mit 22 Prozent leicht über den internationalen 19 Prozent. Am meisten beunruhigt deutsche IT-Experten dabei, dass »Algorithmen wichtige Entscheidungen treffen« 37,6 Prozent. Hingegen finden 46 Prozent die Automatisierung von Berufen durch KI deutlich spannender als im internationalen Vergleich (40,8 Prozent).

Eine weitere wichtige Aussage der Befragten ist, dass als erstes natürlich die Experten hinter KI und Machine Learning für das Ergebnis verantwortlich sind. Dennoch sehen viele Entwickler hierzulande auch staatliche oder andere Regierungsbehörden in der Pflicht: Sie sollen die Zukunftstechnologien regulieren, was im starken Gegensatz zum Rest der Welt steht.

 

Deutsche Entwicklerherzen schlagen schneller bei diesen Technologien

Zu den am meisten genutzten Sprachen in Deutschland gehören HTML (66,2 Prozent), dicht gefolgt von JavaScript (66,1 Prozent) und CSS (62,8 Prozent). Zwar verdienen Entwickler mit diesen Technologien ihr tägliches Brot – allerdings sind die beliebtesten Sprachen wieder einmal andere: Rust ist mit Abstand die beliebteste Sprache und wurde von 82,3 Prozent der Befragten genannt. Kotlin folgt auf Platz zwei (77,9 Prozent) und die für Apple-Produkte viel verwendete Programmiersprache Swift mit 69,3 Prozent auf Platz drei. Am schnellsten wächst die Nutzerschaft von Python. Das zweite Jahr in Folge ist diese Sprache auch die, die Entwickler am häufigsten lernen wollen. Die Krone der unbeliebtesten Sprachen hat eindeutig Hack auf: 100 Prozent der Entwickler gaben an, diese Sprache nicht zu mögen.

Bei den Betriebssystemen sagen rund die Hälfte der Befragten, dass sie Windows nutzen (48,2 Prozent), gefolgt von MacOS (26,7 Prozent) und Linux-basierten Systemen (25 Prozent).

Bei all diesen Parametern zeigt sich übrigens, dass die angehenden Entwickler hierzulande ungefähr dieselben Präferenzen haben wie professionelle IT-Experten.

Ansonsten verwenden deutsche Entwickler zur Versionskontrolle fast immer Git (89,9 Prozent) und kommunizieren über Jira (51 Prozent) oder Confluence (42,5 Prozent). Zweiteres ist erstaunlich, da weltweit mehr Entwickler auf Slack (37,3 Prozent vs. 52 Prozent weltweit) zurückgreifen. Vielleicht offenbart sich auch hier einmal mehr die skeptische Grundhaltung der deutschen »Slow Adopter”.

 

[1] Erfahren Sie jetzt mehr über die Ergebnisse der weltweiten Entwicklerumfrage: insights.stackoverflow.com/survey/2018

 

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