Innovation: Die Zukunft auf der Überholspur

Nur 19 Tage nachdem am 6. Juli 2016 Pokémon Go veröffentlicht wurde, liefen weltweit 50 Millionen Menschen vertieft in ihr Handy über rote Ampeln, rannten verwirrt in Straßenschilder und belagerten auf der Suche nach den stärksten Monstern öffentliche Plätze.

Als Ferdinand Graf von Zeppelin im Jahr 1909 die erste kommerzielle Fluglinie gründete und damit einen Grundstein für die Vernetzung unserer Welt legte, dauerte es 64 Jahre, bis der 50 millionste Passagier in ein Flugzeug stieg. Unsere Grafik zeigt: egal wie relevant eine Erfindung für die Menschheit sein mag, für die Verbreitung von Innovationen sind andere Faktoren entscheidender. Ausschlaggebend ist vor allem die Größe des Netzwerks, in dem eine Erfindung verbreitet wird. Patrick Wagner

https://de.statista.com/infografik/14385/wie-schnell-sich-erfindungen-verbreitet-haben/

 


 

Erfolgsfaktoren auf dem Weg zur Digitalisierung – Wie Unternehmen digitale Innovationen auf den Weg bringen

Das Thema Digitalisierung ist in der Umsetzungsphase angekommen. Nicht nur die technologischen Aspekte stellen Unternehmen hierbei vor große Herausforderungen. Wie sich diese überwinden lassen und welche fünf Erfolgsfaktoren es zu beachten gilt, schildert dieser Beitrag.

Für den modernen Menschen werden digitale Technologien immer wichtiger und rücken verstärkt in den Mittelpunkt einer jeden Organisation. Sie schaffen Wettbewerbsvorteile, indem sie helfen, Kosten zu reduzieren, die Produktivität zu steigern, Mehrwerte für Kunden zu generieren und völlig neuartige Geschäftsmodelle aufzudecken. Meist entstehen neue datenbasierte Geschäftsmodelle durch die Kombination von Daten aus unterschiedlichen Quellen und deren Aufbereitung und Ergänzung mit zusätzlichen Mehrwerten. Traditionelle IT-Infrastrukturen sind hierbei aufgrund ihrer trägen Prozesse und vorhandenen Daten-Silos überfordert. Dafür braucht es eine neue Art des agilen Zusammenspiels von unterschiedlichen IT-Systemen und deren Datenquellen. Die Kenntnis über die digitalen Technologien, deren Trends, Prozesse und Gesetze wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Open Source als Türöffner. Open-Source-Anwendungen bieten hierbei eine große Chance. Ihre Akzeptanz steigt auch im Enterprise-Umfeld permanent. Open Source ist ein offenes Ökosystem, bei dem Programmcode und Dokumentation öffentlich zugänglich sind. Die Software ist sofort verfügbar und auf die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Das notwendige Wissen lässt sich durch Communities und meist gute Dokumentationen aus dem Internet ermitteln. Neue Erkenntnisse und Verbesserungen am Code selbst fließen dadurch schnell wieder zurück und schaffen zusätzliche Mehrwerte. Das eröffnet Spielraum für innovative Anwendungen, erhöht die Investitionssicherheit und reduziert den gefürchteten Vendor-Lock-in. 

Darüber hinaus zeichnet sich Open-Source-Software dadurch aus, offene Schnittstellen und Integrationen in andere Systeme ohne Limitierungen bereitzustellen, wodurch die notwendige Vernetzung schnell voranschreiten kann. Zu den Nachteilen gehören die teilweise komplexen Lizenzbedingungen, die oftmals zahlreichen Abhängigkeiten und die aufwändige Bewertung der längerfristigen Stabilität und Existenz eines solchen Open-Source-Projekts. Bei der Auswahl geeigneter Open-Source-Anwendungen ist daher viel Know-how gefragt.

Organisatorische Herausforderungen. Die technologischen Herausforderungen sind für viele Unternehmen ein nicht zu unterschätzender Hemmschuh der Digitalisierung. Darüber hinaus fühlen sich viele Unternehmen auch durch ihre Unternehmenskultur ausgebremst. Eine global durchgeführte Studie der Unternehmensberatung Deloitte zeigte, dass 62 Prozent der Teilnehmer die etablierte Unternehmenskultur als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur digitalen Organisation sehen. In Deutschland betrug der Wert sogar 72 Prozent. Lediglich 7 Prozent der Befragten sehen ihre Organisation in der Lage, neue Ideen zu testen und schnell umzusetzen. Nur 37 Prozent der Mitarbeiter sagen, ihre Organisation habe eine Innovationskultur und sei sowohl experimentier- als auch risikofreudig. Das Top-Management hingegen sah sich mit 75 Prozent in einem ganz anderen Licht. 

»Kultur ist entweder das größte Hindernis oder aber der stärkste Beschleuniger digitaler Transformation wie auch Innovation«, so Brian Solis, der Co-Autor der Studie: »Viele Manager glauben, dass ihre Unternehmenskultur bereits digital sei. Aber wenn man ihre Mitarbeiter fragt, dann sehen die das völlig anders. Diese Lücke zeigt ein Fehlen von digitaler Vision, Strategie und taktischer Umsetzung von oben.« Digitalisierung lässt sich nicht auf die Einführung neuer Technologien reduzieren, sondern es hat weitgreifende Veränderungen im gesamten Unternehmen zufolge. Diese Veränderungen managen zu können, ist eine entscheidende Kompetenz auf dem Weg zur Digitalisierung. 

Ziel der Digitalisierung sollte nicht die technologische Perfektion, sondern der maximale Business Value sein.

Erfolgsfaktoren für Unternehmen. Auf dem Weg zur erfolgreichen Digitalisierung sollten Unternehmen fünf entscheidende Aspekte beachten.

1. Der IT eine neue Bedeutung geben
Anstelle nur Dienstleister für funktionierende IT-Systeme zu sein, sollte die IT eine strategische Bedeutung erhalten und in den Mittelpunkt strategischer, langfristig ausgerichteter Initiativen rücken – als Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung. Die Mitarbeiter sind in der neuen Rolle als Business-Enabler gefordert, Prozesse zu verstehen und proaktiv zu werden.

2. Unterstützung von oben
Digitalisierung sollte aber nicht nur durch die IT-Abteilung vorangetrieben werden. Sie ist per se ein Managementthema, denn viele der grundlegenden Kompetenzen liegen im Managementbereich. Beispielsweise Veränderungsbereitschaft, die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren und auch zu scheitern, und die Bereitschaft, bisherige Geschäftsmodelle zu verändern und zu skalieren. Es reicht nicht aus, das IT-Budget zu erhöhen. Stattdessen muss ein kultureller Wandel angeschoben werden, der von der obersten Stelle in den Unternehmen vorgelebt und unterstützt wird. Entscheidend ist, dass das Management Fähigkeiten und Kompetenzen besitzt, um das Thema Digitalisierung vorantreiben zu können. Führungskräfte müssen verstehen, wieviel Digitalisierung an welcher Stelle im eigenen Unternehmen notwendig ist. 

3. Aufbrechen von Silos
Die IT spielt eine wichtige Rolle für Digitalisierungsprojekte. Sie sollte jedoch nicht als Silo-Funktion in den Mittelpunkt gerückt werden. Stattdessen ist eine Vernetzung mit den Fach- und Funktionsbereichen erfolgskritisch. Ziel sollte nicht die technologische Perfektion, sondern der maximale Business Value sein.

4. Expertisen zusammenbringen
In den seltensten Fällen lässt sich ein Mehrwert aus vorhandenen Daten identifizieren und generieren, wenn einzelne Fachabteilungen und monodisziplinäre Experten versuchen, diese zu deuten und mit ihnen kreativ zu werden. Stattdessen müssen gezielt unterschiedliche Disziplinen und Fachabteilungen zusammengebracht werden.

5. Agilität und Schnelligkeit fördern
All diese Schritte sind nicht erfolgversprechend, wenn daraus langwierige Projekte entstehen. Digitalisierung heißt auch Geschwindigkeit steigern. Freiräume und eine Kultur des »schnellen Scheiterns« sollten geschaffen werden. Dafür braucht es neue Methoden und Herangehensweisen, wie beispielsweise das »Design Thinking« und die agile Softwareentwicklung. Viele dieser Methoden greifen nahezu perfekt ineinander und lassen sich durch digitale Technologien oftmals in hohem Maße automatisieren oder zumindest erheblich beschleunigen. 

Letztendlich gibt es kein Patentrezept, das auf jedes Unternehmen übertragbar wäre. An erster Stelle sollte immer zunächst die Überprüfung des Ist-Zustands stehen hinsichtlich der IT-Landschaft, dem Nutzungsgrad der wichtigsten Anwendungen und Daten, dem Know-how und der Kultur im Unternehmen. Geklärt werden sollte auch, wie die digitale Landschaft optimiert werden kann, auf welchem Stand die digitalen Skills im Unternehmen sind, welche Anwendungen fit für die Digitalisierung machen und welche Investitionen notwendig sind.

Fließband für Ideen schaffen. Perspektivisch sollte das Ziel sein, die entsprechenden Prozesse, Methoden und Technologien der Digitalisierung so zu verknüpfen, dass eine Art »Fließband für Ideen« entstehen kann, auf dem Produktideen und Verbesserungen extrem schnell umgesetzt und deren Business Value schrittweise überprüft und konkretisiert wird. Die Konzentration sollte auf der Verbesserung der Produkte und deren Business Value liegen und nicht auf der Standardisierung von Prozessen und Technologien. Denn was heute Standard ist, ist morgen womöglich schon wieder überholt.

Solche Umgebungen müssen geschaffen und implementiert werden. Das erfordert vor allem zu Beginn ein tiefes Verständnis der Methoden und Technologien der Digitalisierung. Empfehlenswert ist es, sich von Anfang an Experten ins Boot zu holen, die mit den Technologien vertraut sind, bei der Auswahl geeigneter Open-Source-Anwendungen unterstützen und auch bei der Pilotierung der Anwendungsfälle Hilfestellung leisten können. 


Stephan Niedermeier,
CTO Co-Innovation Labs, Datavard
www.datavard.com/de

 

 

 

Illustration: © zffoto /shutterstock.com

 

 

 

 

 

 

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