Interview – Wearable-​Technologien sind auch für ERP sehr interessant

Interview – »Wearable-Technologien sind auch für ERP sehr interessant«

Vor kurzem wurde der ERP-Spezialist IFS als »Great Place to Work« sowohl im branchenübergreifenden Wettbewerb »Deutschlands beste Arbeitgeber 2015« als auch bei »Deutschlands beste Arbeitgeber in der ITK 2015« ausgezeichnet – und demnächst hält das Unternehmen in den USA seine World Conference 2015 ab. Zwischen Berlin und Boston hatte »manage it « Gelegenheit, sich mit Wilfried Gschneidinger, CEO IFS Europe Central, über aktuelle und künftige ERP-Trends zu unterhalten. 


Warum ist IFS ein »Great Place to Work«?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Bei der Befragung unserer Mitarbeiter durch das Forschungsinstitut Great Place to Work hoben diese die außerordentlich positive Arbeitsatmosphäre in unserem Haus hervor. Sie sind auch der Meinung, dass IFS in der Betreuung besonders engagiert ist und dass das Unternehmen nicht nur bei beruflichen, sondern auch bei privaten Themen nach Kräften hilft. Kollegen und Vorgesetzte haben generell ein offenes Ohr für alle Anliegen. Das ist bestimmt ein Grund, warum wir eine so hohe Kontinuität bei unseren Mitarbeitern haben. Eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von neuneinhalb Jahren ist in der schnellebigen IT-Branche ein hoher Wert und eine Flukuation von nur einem Prozent im Jahr 2014 ist bestimmt einmalig.

Welche besonderen Initiativen bieten sie Ihren Mitarbeitern?

Für unsere Einsteiger zählt dazu sicher unser Mentorenprogramm. Jeder neue Mitarbeiter wird in den ersten sechs bis 15 Monaten von einem persönlichen Mentor begleitet. Er hilft bei der Integration ins Unternehmen oder bei persönlichen, fachlichen und organisatorischen Themen. Eine weitere Initiative sind unsere Site-Meetings in den Geschäftsstellen. Auf besonderen Wunsch unserer Mitarbeiter machen wir zwei Mal im Jahr Veranstaltungen mit der gesamten Belegschaft in den Geschäftsstellen Erlangen, Neuss und Zürich. So ist es einfacher, in Dialog zu treten und sich ein direktes Feedback einzuholen. Darüber hinaus setzen wir momentan diverse Aktivitäten im Rahmen des Gesundheits-Managements auf, um die Kollegen dabei zu unterstützen, in den Bereichen Bewusstsein, Bewegung und Ernährung mehr in ihre Gesundheit zu investieren. Aktuell verteilen wir zum Beispiel Schrittzähler und führen Wettbewerbe durch.

Sie haben eine »Fabrik der Zukunft« beschrieben. Was folgt daraus für die Unternehmenssoftware?

Fertigungsunternehmen werden künftig noch differenzierter und verteilter sein als heute. Mit kleineren, aber dafür mehreren Standorten haben sie einen besseren Zugang zu lokalen Ressourcen und können auf neue Marktanforderungen direkt vor Ort reagieren. Diese starke Lokalisierung der Supply Chain verlangt eine Unternehmenssoftware, die Standort- und unternehmensübergreifende Prozesse integriert abbilden kann und dabei auch die jeweils lokalen Gegebenheiten wie Sprachen und Gesetzgebung berücksichtigt. Außerdem ist Agilität bei der Anbindung neuer Niederlassungen gefragt. Im Idealfall lässt sich die Software mit ein- und demselben Template in einer größeren produzierenden Einheit ebenso einführen wie an einem kleineren Vertriebsstandort.

Mobility beschäftigt uns schon seit längerem und hat längst Einzug in die Unternehmen gehalten. Welche mobilen Fähigkeiten muss ein ERP-System deshalb heute mitbringen?

Ganz einfach: Mobility muss heute bereits im Kern eines ERP-Systems integriert sein. Sie muss mobile Anwendungen, die kosteneffektiv implementiert und gepflegt sowie intuitiv bedient werden können, bereits vom Kern der Lösung aus zur Verfügung stellen. Globale Roll-outs und ein weiterer Ausbau mobiler Prozesse im Unternehmen sind so wesentlich einfacher umzusetzen. Ist Mobility kein natürlicher Bestandteil des ERP-Systems, müssen Unternehmen meist die Mobil-Applikationen eines Drittanbieters anbinden. Das bedeutet aber erhöhte Aufwände und Risiken, die eigentlich nicht tragbar sind.

Ein nachhaltiger Trend ist das Cloud Computing. Wie relevant ist diese Technologie im ERP-Umfeld wirklich?

Cloud Computing hat unbestreitbare Vorteile. Eine aktuelle IFS-Studie, die die weltweite Cloud-Adaption bei mittelständischen Unternehmen untersucht, kommt zu dem Ergebnis, dass der Mittelstand vor allem aus drei Gründen auf Cloud-Lösungen setzt: geringere Kosten für Implementierung und Pflege, Mangel an eigenen IT-Ressourcen und eine flexible Skalierbarkeit. Diese Vorteile sind auch im ERP-Umfeld relevant, deshalb bieten wir IFS Applications aus der Microsoft Azure Cloud an. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sehen wir bisher, dass Unternehmen vor allem unkritische Daten in die Cloud auslagern. Geht es um geschäftskritische Informationen – und dazu zählen ERP-Daten – ist der Mittelstand dort eher zurückhaltend. Die Diskussionen über die NSA-Aktivitäten und ähnliche Themen sind natürlich dem Vertrauen in diese neuen Welten sehr abträglich.

Für den Dauerbrenner Usability haben Sie uns vor einem Jahr etwas Innovatives in Aussicht gestellt.

Ja, aber ich fürchte, ich darf Ihnen im Moment nicht mehr dazu sagen. Wir stellen Anfang Mai auf der IFS World Conference 2015 in Boston IFS Applications 9 erstmals der Weltöffentlichkeit vor und werden damit neue Standards in Sachen Anwenderfreundlichkeit und Agilität setzen. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich hier jetzt nicht ins Detail gehen kann und wir unseren Kunden und Partnern die Neuerungen erst einmal auf unserer Veranstaltung präsentieren möchten. Sie können aber bereits jetzt davon ausgehen, dass wir dort mit tollen Innovationen großes Aufsehen erregen werden.

Enterprise Resource Planning ist ein sehr dynamischer Markt geworden. Welche strategischen und technischen Trends sehen Sie mittel- bis längerfristig im ERP-Umfeld?

Ein Megatrend ist ganz sicher das Internet der Dinge und das Thema Big Data. Immer mehr Assets werden mit Sensoren ausgestattet und mit Anwendungen in der Cloud verbunden – seien es Kopierer, Fernsehgeräte, Autos, Maschinen oder Anlagen. Die ERP-Systeme erhalten so auch Daten, mit denen sich Probleme in Echtzeit erkennen lassen. Ein Service-Techniker kann sich anbahnende Schwierigkeiten bereits beseitigen, bevor diese überhaupt akut werden. Sehr interessant sind auch Wearable-Technologien. Bei ihnen hat man zunächst natürlich Konsumenten-Anwendungen wie Fitness-Tracker im Sinn. Aber sie eröffnen auch im beruflichen Kontext zahlreiche Möglichkeiten. Smartwatches haben das Potenzial, PDAs und Smartphones am Arbeitsplatz zu ersetzen, weil sie einfacher zugänglich und leichter sind. Oder denken Sie an Datenbrillen wie Google Glass. Sie könnten Arbeiter ausgezeichnet bei Tätigkeiten unterstützen, bei denen sie die Hände frei haben müssen.

Herr Gschneidinger, vielen Dank für das Gespräch.

 

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