DACH-Region: Mehr als doppelt so viel E-Invoicing im Public Sector

Die neuesten Marktzahlen zur Umsetzung der elektronischen Rechnung in Europa.

Von 37 Milliarden Rechnungen in Europa werden nur acht Milliarden, also rund 22 Prozent, elektronisch abgewickelt. 2015 lag diese Zahl noch bei sieben Milliarden, eine Steigerung von knapp 15 Prozent. Besonders der öffentliche Sektor entwickelte sich in der DACH-Region sehr positiv: In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird E-Invoicing mittlerweile doppelt so häufig genutzt wie noch vor einem Jahr.

Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Billentis Report [1]. Der jährliche Report des Marktexperten Bruno Koch untersucht den globalen Stand der Umsetzung von E-Invoicing.

Unteres Mittelfeld

Im weltweiten Vergleich bleibt die DACH-Region jedoch weiterhin im unteren Mittelfeld. Während in Lateinamerika und Skandinavien die Nutzungsraten weit über 80 Prozent liegen, bewegt sich dieser Wert in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen 15 und maximal 40 Prozent. Speziell in Deutschland sind die Gründe für die niedrige Durchdringungsrate vielfältig und reichen von der Angst vor den Umstellungskosten bis hin zur puren Ignoranz. Eine Befragung zum Nutzungsverhalten und den Rechnungsformaten in Deutschland ergab, dass 93 Prozent der großen Unternehmen in 2015 noch immer Rechnungen per Post in Papierform erhielten, 45 Prozent sogar noch als Fax. Allerdings sind in allen befragten Unternehmen Papierrechnung und Fax nur zwei von mehreren möglichen Methoden der Rechnungsverarbeitung. Anbieter von E-Invoicing konnten einen Aufwärtstrend verzeichnen: Bei der notwendigen Umstellung auf E-Invoicing, setzen auch 2016 mehr Unternehmen auf Service Provider, als auf den direkten Austausch untereinander.

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Öffentlicher Sektor muss bis 2018 auf E-Invoicing umstellen

Gerade im öffentlichen Bereich ist das Einsparpotenzial durch die elektronische Rechnungsverarbeitung hoch, bleibt aber weitestgehend noch ungenutzt. Lediglich 20 Prozent der Vertreter aus der öffentlichen Verwaltung gaben in einer Umfrage der Materna GmbH und der Hochschule Harz im März 2016 an, E-Invoicing bereits zu nutzen.

Stolze 60 Prozent planen mittlerweile immerhin eine Umstellung auf elektronische Rechnungen – mehr als drei Mal so viele wie vor zwölf Monaten. Denn noch vor einem Jahr gaben die Ergebnisse von crossinx Kommunalumfrage regelrecht Anlass zur Sorge: Nur neun Prozent der befragten Kommunen nutzten in 2015 bereits E-Invoicing, magere 19 Prozent planten eine Umstellung auf elektronische Rechnungen.

Dabei ist der öffentliche Sektor durch eine EU-Richtlinie verpflichtet, bis 2018 komplett auf elektronische Rechnungsprozesse umzustellen. Mehr als 100.000 Kommunen sind von den EU-Richtlinien 2014/24/EU und 2014/55/EU betroffen. Dem Public Sector kommt als Haupt-Rechnungssteller und -empfänger somit weiterhin eine tragende Rolle in der Umstellung auf elektronische Rechnungsprozesse zu.

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Europa stärker bei E-Procurement als bei E-Invoicing

Eine positive Entwicklung ist auch im Bereich des E-Procurement zu verzeichnen. Während Europa im E-Invoicing im weltweiten Vergleich eher durchschnittlich abschneidet, liegen die Zahlen bei E-Procurement deutlich über dem Schnitt. Laut der Eurostat von 2016 erhielten immerhin 17 Prozent aller in der EU ansässigen Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern mindestens ein Prozent ihrer Bestellungen in elektronischer Form. Spitzenreiter ist hier Schweden: Von 100 Bestellungen gingen in schwedischen Unternehmen rund elf Prozent elektronisch ein. Ein erfreulicher Trend, wenngleich auch in diesem Bereich enormes Ausbaupotenzial herrscht.

»Auch 2016 weisen die Ergebnisse des Billentis Reports nicht auf eine deutliche Entspannung der Lage hin. Besonders in Deutschland lassen vor allem Kommunen weiterhin einen Großteil des Einsparpotenzials ungenutzt, den eine Umstellung auf E-Invoicing mit sich bringt«, so Marcus Laube, Gründer und Geschäftsführer von crossinx. »Die Entwicklung beurteile ich grundsätzlich positiv, wenngleich der Treiber nicht die Kommunen selbst sind, sondern die EU-Richtlinien, die 2018 greifen werden. Es wird für die öffentliche Verwaltung allerhöchste Zeit, sich mit einer Umsetzung von E-Invoicing auseinanderzusetzen und nicht in Gedankenexperimenten zu verharren. Dem Public Sector kommt eine tragende Rolle bei der gesamtwirtschaftlichen Umstellung auf elektronische Rechnungsprozesse zu, der sich die Länder und Kommunen nicht länger entziehen dürfen.«

[1] Der jährliche Report des Marktexperten Bruno Koch untersucht den globalen Stand der Umsetzung von E-Invoicing. Die Marktstudie basiert auf langjähriger Marktbeobachtung, Umfragen durch Dritte mit einer Reichweite von 15.000 Unternehmen und 10.000 Verbrauchern sowie persönlichen Interviews mit Marktteilnehmern. crossinx ist Co-Sponsor des Billentis Reports.
Der vollständige englische Report ist im Juni 2016 erschienen und kann über crossinx@oseon.com angefordert werden. Die Kommunalumfrage von crossinx und weitere Informationen zu E-Invoicig im öffentlichen Sektor gibt es nach Registrierung zum Download unter www.crossinx.de/aktuelles/whitepaper/

infografik crossinx meilensteine e-invoicing


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