Dürre und Hitze: Trockenheit verursacht größte Ernteschäden

Teurere Pommes, fehlendes Futter für Tiere, vertrocknete Felder – die andauernde Trockenheit führt in der Landwirtschaft zu Ernteausfällen und anderweitigen Engpässen. Der Deutsche Bauernverband befürchtet schlechte Ernten und fordert Dürrehilfe. Wie eine Studie der GDV zeigt, belief sich der durchschnittliche Schadenaufwand durch Wetterextreme im vieljährigen Mittel von 1990 bis 2013 auf 510 Millionen Euro pro Jahr [1]. Trockenheit ist dabei mit 54 Prozent die teuerste Ursache. Im Jahr 2003 verursachte etwa eine Dürreperiode Ernteschäden von 1,6 Milliarden Euro. Ob der Staat in diesem Jahr Hilfe für die Landwirte leistet, will Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) Ende August entscheiden. Hedda Nier

[1] https://www.gdv.de/de/themen/news/klimawandel-verursacht-hohe-ernteschaeden-21622

 

https://de.statista.com/infografik/14926/schadenaufwand-durch-wetterextreme/

 


 

Klimawandel verursacht hohe Ernteschäden

 

Wetterextreme wie Hagel, Trockenheit oder Überschwemmungen verursachen in Deutschland im Schnitt Ernteschäden von rund 511 Millionen Euro im Jahr. Hierzulande gibt es etwa 285.000 landwirtschaftliche Betriebe, die von solchen Wetterextremen betroffen sein können. Das geht aus der Publikation zur »Landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung« hervor, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heute in Berlin vorgestellt hat [1].

Ziel der Veröffentlichung ist es, auf Wettbewerbsnachteile deutscher Landwirte gegenüber ihren Kollegen in anderen europäischen Ländern aufmerksam zu machen. Denn für einen umfassenden und bezahlbaren Versicherungsschutz gegen Trockenheit und Hochwasser benötigen die Landwirte finanzielle Förderung durch den Staat. Diese Förderung ist in zahlreichen anderen Ländern üblich, in Deutschland bislang aber nicht.

Dabei verändern die Folgen des Klimawandels auch die Risikolage für die Landwirte. Dürren, Spätfröste oder Überschwemmungen können zu existenzbedrohenden Schäden führen. Allein 2003 verursachte eine Dürreperiode Ernteschäden in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Gegen solche Risiken haben sich bislang zu wenige Landwirte versichert. Der Grund: Für Pflanzen- und Tierversicherungen müssen Landwirte in Deutschland außergewöhnlich hohe Steuern zahlen – zum Teil 19 Prozent. In Frankreich, Spanien oder Italien werden dagegen auf diese Policen keine Steuern erhoben.

 

 

Der Klimawandel führt zu steigenden Temperaturen und verfrühten Vegetationsphasen.

  • Dadurch erhöht sich das Risiko, dass Spätfröste in den Beginn der Vegetation fallen.
  • Höhere Temperaturen verhindern schützende Schneedecken. Damit steigt das Risiko für Kahlfröste.
  • Die Zahl der Hitzetage nimmt zu. Die durchschnittliche Bodenfeuchte sinkt.

 

Wetterrisiken für Ernten sind sehr volatil.

  • Zwischen 1990 und 2013 verursachten Wetterrisiken in Deutschland im Durchschnitt jährliche Ernteschäden in Höhe von 510 Millionen Euro.
  • Die Schadenssummen reichen von 90 Millionen Euro bis zu 2,3 Milliarden Euro. Tendenziell steigen die Schadenssummen an. Unterschieden wird in Risiken, die häufig auftreten, und solche, die sehr hohe Schäden verursachen.

 

Extremwetterereignisse nehmen zu und verändern die Risikolage des Landwirts.

  • In der Vergangenheit war Hagel das Hauptrisiko der Landwirte. Daher versichern sich Landwirte hauptsächlich gegen dieses Risiko.
  • Der Klimawandel hat die Risikolage verändert. Er verursacht vermehrt Dürren und Spätfröste mit erheblichen Schäden. Zugleich verlangt das betriebliche Wachstum (Zunahme von Spezialisierung, Pachtflächenanteil, Fremdkapital und Lohnkosten) eine höhere Absicherung.

 

Deutsche Landwirte haben im europäischen Vergleich Wettbewerbsnachteile, wenn sie ihren Risikoschutz an diese veränderte Situation anpassen wollen.

  • Sie erhalten keine finanzielle Unterstützung bei der Risikovorsorge.
  • Entsprechender Versicherungsschutz wird außergewöhnlich hoch besteuert.

 

Schlussfolgerung: Deutsche Landwirte benötigen für einen umfassenden und bezahlbaren Versicherungsschutz gegen die Kumulrisiken »Trockenheit« und »Hochwasser« eine finanzielle Förderung durch den Staat – analog der Praxis in anderen EU-Mitgliedsstaaten.

 

Bedrohung durch Tierseuchen

Aktuell sind für tierhaltende Betriebe die Europäische und die Afrikanische Schweinepest sowie die Maul- und Klauenseuche die größten Risiken. Derzeit müssen die Landwirte mit den Folgen der Vogelgrippe kämpfen, deren Ausbreitung mit allen Mitteln verhindert werden soll. Werden Landwirte zur Keulung ihrer Tiere verpflichtet, erhalten sie zwar eine finanzielle Entschädigung durch die Tierseuchenkassen. Diese erstatten die Tötungskosten und den gemeinen Wert der getöteten Tiere. Zusätzliche entstehende Betriebskosten und Ertragsausfälle werden jedoch nicht ersetzt.

Die Kosten für die Entsorgung von Futter, Mist, Gülle und Silage oder Viehzukäufe müssen die Landwirte daher selbst tragen. Dies kann unter Umständen schon das finanzielle Aus bedeuten. Solche Betriebskosten und Ertragsausfälle könnten mit einer Ertragsschadenversicherung abgesichert werden. Aber diesen Versicherungsschutz können sich viele Landwirte angesichts ihrer schlechten Ertragslage ohne Unterstützung nicht leisten. Hier setzt sich die Versicherungswirtschaft dafür ein, die Landwirte bereits zu unterstützen, bevor ihnen ein Ertragsschaden entsteht, und sie nicht im Nachhinein mit teuren Hilfsprogrammen vor dem Ruin zu bewahren.

 

[1] https://www.gdv.de/resource/blob/8942/fa2dc37ecb8fafbb8b6fe7c2ae1a10d1/publikation—landwirtschaftliche-mehrgefahrenversicherung-fuer-deutschland-data.pdf

 


 

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