
Illustration Absmeier foto ki designer
Trading-Tipps im Kurzvideoformat erreichen ein Millionenpublikum, doch Transparenz, Risikohinweise und belastbare Informationen bleiben häufig auf der Strecke. Die vorliegende Analyse zeigt, wie stark Verkaufsinteressen und Inszenierung den Content prägen. Für Anleger wird deshalb entscheidend, Quellen, Anbieter und Interessenkonflikte systematisch zu prüfen, bevor aus einem Swipe eine finanzielle Entscheidung wird.
Management Summary
- Hohe Irreführungsgefahr: Nach der vorliegenden BrokerChooser-Analyse gelten 93 Prozent der untersuchten Trading-Videos auf TikTok als potenziell irreführend oder schädlich [1].
- Risikohinweise bleiben die Ausnahme: Nur zwei Prozent der analysierten Videos enthielten einen angemessenen Risiko- oder Haftungshinweis [1].
- Verkauf dominiert Information: 58 Prozent der Beiträge bewarben Produkte, Dienstleistungen, Kurse oder Systeme; lediglich 15 Prozent vermittelten substanzielle Trading-Informationen [1].
- Social Media prägt Anlageentscheidungen: Laut BaFin informieren sich viele 18- bis 45-Jährige über Finanzthemen in sozialen Medien; 60 Prozent sehen darin eine Alternative zur professionellen Beratung [2].
- Prüfen vor dem Investieren: Anleger sollten Anbieterzulassung, Qualifikation, Vergütung, Interessenkonflikte, Risiken und Originalquellen kontrollieren und Entscheidungen nie allein auf kurze Social-Media-Beiträge stützen [4][5][6].
Eine neue Analyse von BrokerChooser zeigt: Mehr als neun von zehn (93 %) Trading-Videos auf TikTok sind potenziell irreführend oder schädlich [1]. Mehr als die Hälfte (58 %) bewirbt aktiv ein Finanzprodukt oder eine Finanzdienstleistung oder versucht, diese zu verkaufen.
Die Ergebnisse erscheinen zu einer Zeit, in der sogenannte »Finfluencer« auch in Deutschland zunehmend zum finanziellen Risiko werden. Laut einer repräsentativen Erhebung der BaFin¹ hat mehr als die Hälfte der 18- bis 45-jährigen Anleger bereits Finanzinformationen von Finfluencern erhalten, und rund die Hälfte davon hat das empfohlene Produkt anschließend auch gekauft. 60 % der Befragten halten soziale Medien sogar für eine gute Alternative zur professionellen Beratung.
Auch die Finanzaufsicht hat das Thema inzwischen auf dem Schirm: In ihrem Bericht »Risiken im Fokus 2026« zählt die BaFin den Einfluss sozialer Medien auf das Anlageverhalten zu den zentralen Verbraucherrisiken [2]. Allein 2025 veröffentlichte die Behörde rund 100 Warnungen vor unseriösen oder betrügerischen Chat-Gruppen, meist auf WhatsApp. Finfluencer selbst werden von der BaFin jedoch nicht unmittelbar beaufsichtigt. Die Aufsicht muss der Flut an irreführenden Finanzinhalten im Netz also regelrecht hinterherlaufen.
Um das Ausmaß solcher Inhalte auf TikTok besser zu verstehen, haben die Forex-Broker-Experten von BrokerChooser 100 der beliebtesten Trading-Videos von Finfluencern auf TikTok analysiert. Dabei stießen sie auf erhebliche Transparenzmängel und bekamen einen Einblick, welchen Finanzinhalten Nutzer tagtäglich ausgesetzt sind.
Die Ergebnisse:
Nur 2 % der Trading-Tipps auf TikTok enthalten angemessene Risikohinweise
Insgesamt waren erschreckende 93 % der Trading-Inhalte auf TikTok potenziell irreführend. Nur 2 %, also gerade einmal jedes 50. Video, enthielten überhaupt einen Risiko- oder Haftungshinweis. Die überwältigende Mehrheit der Trading-Inhalte, die Nutzern angezeigt werden, verzichtet also auf grundlegende Hinweise wie »Ihr Kapital ist gefährdet« oder »Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse«.
Adam Nasli, Chefanalyst bei BrokerChooser, erklärt: »Ohne solche Warnhinweise lässt sich selbst gehebeltes Trading als risikoarmer und unkomplizierter Weg zum Gewinn darstellen, ohne dass Volatilität oder die Möglichkeit von Verlusten überhaupt zur Sprache kommen. Das wirft ernsthafte Fragen dazu auf, wie gut Social-Media-Nutzer eigentlich geschützt sind, gerade angesichts der Geschwindigkeit und der Masse, in der Finanzinhalte online konsumiert werden.«
Die Analyse zeigt außerdem, dass fast drei von fünf Videos (58 %) aktiv ein Finanzprodukt oder eine Finanzdienstleistung bewerben oder verkaufen wollen, etwa einen Trading-Kurs oder ein angebliches »System«. Das wirft ethische Fragen zu Offenlegungsstandards und zu den Motiven hinter den geteilten Inhalten auf. Besonders brisant: Laut BaFin ist mehr als einem Drittel (37 %) der jungen Anleger gar nicht bewusst, dass Finfluencer für ihre Empfehlungen regelmäßig bezahlt werden [3].
Nur jedes zehnte Video erklärt, wie Vermögen oder Lebensstil durch Trading erzielt wurden
Besonders bedenklich: Laut der Analyse von BrokerChooser zeigen zwei von fünf Trading-Videos auf TikTok (40 %) Finfluencer, die mit ihren Gewinnen prahlen oder einen luxuriösen Lebensstil zur Schau stellen, ohne dies über vage Verweise auf »Trading« hinaus zu erklären. Nur 10 % der Videos lieferten überhaupt eine Erklärung dafür, wie diese Ergebnisse zustande kamen.
Dadurch kann ein stark verzerrtes Bild vom Trading entstehen, in dem Gewinne leicht und für jeden erreichbar erscheinen, während die tatsächlichen Risiken und die Komplexität der Märkte ausgeblendet werden.
Weniger als jedes fünfte Trading-Video auf TikTok enthält echte Trading-Informationen
Weniger als ein Fünftel (15 %) der Trading-Videos auf TikTok enthielt tatsächlich fundierte Trading-Informationen. Die große Mehrheit (85 %) setzte stattdessen auf Lifestyle-Bilder, vage Motivationssprüche oder Versprechen vom schnellen Reichtum. Ein Großteil dieser Inhalte wird ohne jeglichen Risikohinweis oder von Creatorn ohne nachprüfbare Qualifikationen verbreitet, was ernsthafte Zweifel an der Verlässlichkeit der konsumierten Finanzinformationen weckt.
Adam Nasli, Chefanalyst bei BrokerChooser, warnt:
»Mehr als die Hälfte der jungen Anleger in Deutschland hat bereits Finanztipps von Finfluencern erhalten, und drei von fünf halten soziale Medien für eine gute Alternative zur professionellen Beratung. Unter #FinTok finden sich auf TikTok rund 155.000 Beiträge, #MoneyTok kommt auf über 3,2 Millionen Aufrufe. Doch in der Realität reichen 15- bis 30-sekündige Videos kaum aus, um Menschen das nötige Wissen für fundierte finanzielle Entscheidungen zu vermitteln.
Unsere Untersuchung zeigt, dass ein erschreckend großer Teil der Trading-Inhalte auf TikTok nicht einmal grundlegende Risikohinweise enthält und gleichzeitig häufig Reichtum präsentiert, der angeblich durch Trading erzielt wurde, ohne nachvollziehbar zu erklären, wie. So entsteht ein verzerrtes Bild: Trading wird als schneller und einfacher Weg zur finanziellen Freiheit dargestellt statt als das komplexe, hochriskante Geschäft, das es in Wirklichkeit ist.
In dieser Masse können solche Inhalte unerfahrene Anleger in die Irre führen und unrealistische Erwartungen zur Normalität machen. Am Ende verleiten sie Menschen dazu, finanzielle Risiken einzugehen, die sie nicht vollständig verstehen.
Wer ernsthaft traden lernen möchte, sollte nicht auf TikTok anfangen. Holen Sie sich verlässliche Informationen aus seriösen Quellen, statt sich von unseriösen Influencern das schnelle Geld versprechen zu lassen. Prüfen Sie immer genau: Hinterfragen Sie die Quelle, überprüfen Sie Qualifikationen und nehmen Sie Finanztipps niemals ungeprüft für bare Münze.«
Worauf Anleger bei Finfluencer-Tipps achten sollten
- Quelle und Qualifikation prüfen: Ist nachvollziehbar, wer den Inhalt erstellt hat und welche fachliche Erfahrung tatsächlich vorliegt?
- Werbung und Eigeninteressen erkennen: Kooperationen, Provisionen, Geschenke, Affiliate-Links und eigene Positionen müssen transparent sein [4][5].
- Risiken gegen Chancen abgleichen: Seriöse Beiträge nennen Verlustrisiken, Kosten, Anlagehorizont und Annahmen – nicht nur mögliche Gewinne [4][5][7].
- Anbieterzulassung kontrollieren: Vor einer Einzahlung sollten Impressum, Aufsichtsstatus, Warnlisten und die Identität des Vertragspartners geprüft werden [6].
- Zeitdruck zurückweisen: Aussagen wie »nur heute«, »garantierter Gewinn« oder »schnell reich« sind deutliche Warnsignale [6].
- Originalquellen lesen: Zahlen, Performance-Charts und angebliche Studien sollten sich auf unabhängige, auffindbare Quellen zurückführen lassen.
- Keine Entscheidung aus einem einzelnen Video ableiten: Produkt, Kosten, Steuern, Liquidität und Totalverlustrisiko aus mehreren verlässlichen Quellen prüfen.
FAQ: Finfluencer und Trading-Tipps auf Social Media
- Was ist ein Finfluencer?
Finfluencer sind Personen, die über soziale Medien Finanzthemen erklären, Produkte vorstellen oder Anlageideen verbreiten. Ihre Inhalte können Information, Meinung, Werbung und Vertrieb miteinander verbinden. Deshalb sollten Nutzer stets prüfen, ob wirtschaftliche Interessen offengelegt werden [2][4].
- Warum sind kurze Trading-Videos problematisch?
Komplexe Produkte, Kosten, Volatilität und mögliche Verluste lassen sich in wenigen Sekunden kaum ausgewogen darstellen. Die vorliegende Analyse berichtet zudem, dass nur zwei Prozent der untersuchten Videos angemessene Risikohinweise enthielten [1].
- Ist jeder Finfluencer unseriös?
Nein. Reichweite oder Plattform sagen allein nichts über die Qualität eines Angebots aus. Entscheidend sind nachprüfbare Kompetenz, transparente Vergütung, offengelegte Interessenkonflikte, belastbare Quellen und eine faire Darstellung von Chancen und Risiken [4][5].
- Wann kann ein Social-Media-Post eine Anlageempfehlung sein?
Nach ESMA kann bereits ein öffentliches Video oder Posting, das direkt oder indirekt Ideen zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments oder zur Zusammenstellung eines Portfolios vermittelt, als Anlageempfehlung gelten. Auch nichttechnische Sprache ändert daran nicht zwingend etwas; maßgeblich ist der Einzelfall [5].
- Welche Angaben erhöhen die Glaubwürdigkeit?
Hilfreich sind die Identität des Urhebers, Datum und Zeitpunkt, eine Trennung von Fakten und Meinungen, nachvollziehbare Quellen, Bewertungsmethode, Anlagehorizont, Risikohinweise sowie die Offenlegung von Vergütung und Positionen [5].
- Welche Warnsignale sprechen für ein problematisches Angebot?
Typische Warnsignale sind garantierte oder ungewöhnlich schnelle Gewinne, Luxusinszenierungen ohne nachvollziehbare Belege, Zeitdruck, Kontaktverlagerung in Messenger, Aufforderungen zu ersten Einzahlungen und Plattformen ohne überprüfbare Zulassung [6].
- Wie prüft man, ob ein Anbieter reguliert ist?
Nutzer sollten den vollständigen Firmennamen, das Impressum und die angegebene Zulassung in den Registern der zuständigen Finanzaufsicht überprüfen. Warnlisten können zusätzliche Hinweise liefern. Ein professionell wirkender Internetauftritt oder eine bekannte Person im Video ist kein Zulassungsnachweis [6].
- Sind Risiko- oder Haftungshinweise ein Qualitätssiegel?
Nein. Ein Hinweis wie »keine Anlageberatung« ersetzt weder sachliche Richtigkeit noch Transparenz oder erforderliche Erlaubnisse. Entscheidend ist, ob der gesamte Beitrag fair, klar und nicht irreführend ist und Risiken angemessen darstellt [4][5][7].
- Was tun, wenn bereits Geld überwiesen wurde?
Bei Betrugsverdacht sollten Betroffene keine weiteren Zahlungen leisten, Belege und Kommunikation sichern, unverzüglich Bank oder Zahlungsdienstleister kontaktieren und Anzeige bei der Polizei erstatten. Die Verbraucherzentrale empfiehlt zudem, verdächtige Angebote prüfen zu lassen [6].
- Welche Rolle sollten Unternehmen und Plattformen übernehmen?
Finanzunternehmen sollten Kooperationen mit Creatorn freigeben, Inhalte vor Veröffentlichung prüfen, klare Offenlegungs- und Risikostandards setzen und laufend überwachen. Plattformen können Meldemechanismen, Werbetransparenz und Maßnahmen gegen nicht autorisierte Anbieter stärken. Die FCA verlangt von beaufsichtigten Unternehmen eine proaktive Kontrolle ihrer Affiliate-Partner [7].
[1] Diese Analyse wurde im Namen von BrokerChooser durchgeführt. https://brokerchooser.com/de/best-brokers/best-forex-brokers
[2] https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2024/fa_bj_2409_Finfluencer.html
[3] https://www.bafin.de/DE/die-bafin/publikationen-daten/risiken-im-fokus/Fokusrisiken_2026/RIF_Verbraucher_2/RIF_verbraucher_sozialemedien_node.html
Zusätzliche Quellen
[4] BaFin – Fünf Punkte, auf die Finfluencer achten sollten:
https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2026/fa_bj_260819_fuenf_punkte_auf_die_finfluencer_achten_sollten.html
[5] ESMA – Requirements when posting investment recommendations on social media:
https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/requirements-when-posting-investments-recommendations-social-media
[6] Verbraucherzentrale – Investment-Angebote auf Social Media: schnelles Geld oder große Pleite?
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/investmentangebote-auf-social-media-schnelles-geld-oder-grosse-pleite-63629
[7] FCA – Finalised guidance on financial promotions on social media:
https://www.fca.org.uk/publications/finalised-guidance/fg24-1-finalised-guidance-financial-promotions-social-media
Methodik:
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BrokerChooser wollte ermitteln, welcher Anteil der Trading-Tipps auf TikTok als potenziell irreführend oder schädlich gelten kann.
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Dazu analysierten die Experten 100 der erfolgreichsten Videos unter einer Reihe relevanter Trading-Hashtags auf TikTok, darunter #forex, #trading, #daytrader, #forextrader und #daytrading.
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Die Videos wurden sorgfältig als die meistgesehenen innerhalb ihrer Hashtag-Kategorien ausgewählt. Damit sind sie diejenigen, die Nutzern, die aktiv nach Forex-Trading-Tipps suchen, am wahrscheinlichsten angezeigt werden.
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Jedes Video wurde anhand folgender Kriterien eingehend geprüft:
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Angemessene Risiko- und Haftungshinweise
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Ob der Creator die Zuschauer dazu anregte, selbst zu recherchieren
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Ob der Creator neben seinen Tipps etwas verkaufte oder bewarb oder die Zuschauer aufforderte, sich für »Hilfe« persönlich bei ihm zu melden
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Ob der Creator ohne jeglichen Kontext mit seinem Geld und/oder Lebensstil prahlte
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Ob das Video überhaupt Trading-Informationen enthielt
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Die allgemeine Seriosität der gegebenen Forex-Tipps
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Creator, die in drei oder mehr Kategorien negativ abschnitten, wurden als Anbieter »potenziell irreführender« Ratschläge eingestuft.
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Den vollständigen Datensatz finden Sie hier. Creator, die in drei oder mehr Kategorien negativ abschnitten, wurden als Anbieter »potenziell irreführender« Ratschläge eingestuft.
Management Summary, FAQ und Bild wurden mit Hilfe von KI erstellt

