Wer nicht mit Startups kooperiert, handelt leichtsinnig

https://pixabay.com/de

67 Prozent der etablierten Unternehmen arbeiten nicht mit Startups zusammen. Das ergab eine aktuelle Bitkom-Studie. Als Gründe dafür nannten die Manager mangelnde Zeit und fehlende Budgets. Der Großteil sieht zudem keinen Mehrwert in einer solchen Kooperation. Doch wer so denkt, hat das Wesen der Digitalisierung nicht verstanden und handelt betriebswirtschaftlich fahrlässig. Denn künftig wird der Wert eines Unternehmens nicht mehr primär durch seine eigene Leistungsfähigkeit und Produkte bestimmt, sondern in ganz erheblichem Maße durch sein Ökosystem. Mit Startups zu kooperieren ist daher nicht nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit, um zukunftsfähig zu bleiben.

Mangelnde Zeit ist ein Denkfehler

Früher galt: Wer schnell sein will, macht Dinge alleine. Heute ist genau das Gegenteil richtig. Denn im Digitalbereich werden Themen und Projekte immer komplexer. Die Skills, die man dafür benötigt, sind so vielfältig und oft auch branchenübergreifend, dass man alleine dafür viel länger braucht als mit kompetenten Partnern. Deshalb ist es entscheidend, die richtigen Kooperationen zu stricken.

Natürlich kostet eine Zusammenarbeit mit Startups auch Geld. Darauf zu verzichten, ist aber viel teurer. Etablierte Unternehmen vergeben damit wertvolle Chancen. Denn durch Kooperationen erhalten sie Zugang zu Innovationen, neuen Skills, neuen Lösungen und neuesten Produkten. Sie werden attraktiv für neue Kunden. Und nicht zuletzt können sie vom Mindset der Startups profitieren und einen Kulturwandel fördern. Schließlich zeigen Studien immer wieder, dass die Unternehmenskultur eine der größten Barrieren für den digitalen Fortschritt ist. Der Mehrwert für die etablierten Unternehmen liegt also auf der Hand.

Kooperationen fallen nicht vom Himmel

Man muss für Kooperationen auch etwas tun. Der erste Schritt besteht darin, klar herauszuarbeiten, was das eigene Unternehmen im Gegenzug zu bieten hat. Das kann zum Beispiel Finanzierung sein, Know-how in Marketing oder Vertrieb, Reputation, eine größere Sichtbarkeit am Markt, der Zugang zu einem Kundenstamm oder Integrationsleistungen. Viele Startups sind zum Beispiel stark spezialisiert auf einen bestimmten Prozessdigitalisierungsschritt oder eine Technologie, sie haben aber Integrationsbedarf rechts und links davon. Mit einem etablierten Partner an der Seite, der dies beherrscht, können sie ihren Kunden gegenüber ganz anders auftreten.

Andockstationen

Für Unternehmen ist es essenziell, sich für Startups andockfähig zu machen. Dafür eignet sich die Rolle eines Chief Digital Officer oder der Aufbau eines Digitallabors, das für Innovationen steht. Je nach Unternehmensgröße kann die Schnittstelle zur Startup-Szene auch aus einem ganzen Team oder nur einer Person bestehen. Der oder die Ansprechpartner sollten klar nach außen kommuniziert werden und präsent sein, sodass Startups wissen, an wen sie sich bei Interesse wenden können. Eine weitere Maßnahme besteht darin, die Startup-Landschaft kontinuierlich und systematisch zu screenen, um Kandidaten zu identifizieren, die für das Unternehmen interessant sein könnten. Der CDO kann dann Kontakt zu ihnen aufnehmen und sie mit interessierten Business Unit Managern zusammenbringen. So lassen sich erste Kooperationsmöglichkeiten ausloten. Man muss nicht unbedingt große Summen investieren und gleich Anteilseigner an einem Startup werden. Oft empfiehlt es sich, erst einmal ein einzelnes, spannendes Projekt zu finanzieren. Das Budget dafür bleibt überschaubar und man lernt sich kennen. Bei Erfolg kann man die Zusammenarbeit anschließend ausbauen.

Netzwerken

Das Wesen der Digitalisierung ist es, zu kooperieren und Netzwerke aufzubauen. Wer das nicht verstanden hat, unterschätzt die Tragweite der transformativen Kraft. Denn spätestens in ein paar Jahren, wenn nicht schon ein paar Monaten, wird das Unternehmen aufwachen und sein Geschäftsmodell überdenken müssen. Für Manager, die nicht mit Startups zusammenarbeiten wollen, ist dann kein Platz mehr.

Dr. Bernhard Kirchmair

Dr. Bernhard Kirchmair ist Chief Digital Officer bei Vinci Energies Deutschland. Zuvor war der Informatiker und promovierte Ökonom nach Gründung eines Start-ups und einem Aufenthalt im Silicon Valley als Unternehmensberater sowie in verschiedenen leitenden Funktionen bei großen Unternehmen tätig, zuletzt beim Mobilfunkanbieter O2. Bei Vinci Energies Deutschland verantwortet er die Digitale Transformation des Konzerns und das Wachstumsfeld Internet of Things (IoT).

 

202 Artikel zu „Startup“

KI-Startups in Deutschland im Überblick

275 Startups mit künstlicher Intelligenz (KI) als Kernelement des Geschäftsmodells haben die Analysten von Appanion Labs in Deutschland gezählt. Der mit Abstand bedeutendste KI-Standort ist Berlin mit 102 Startups gefolgt von München (50) und Hamburg (17). Etwas mehr als ein Drittel der Neugründungen haben keinen Branchenfokus, sondern bieten Lösungen für sämtliche Industrien an. Gemessen daran,…

Startups loben Kooperationen mit Mittelstand und Konzernen

4 von 5 Startups arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen.Große Mehrheit bewertet die Zusammenarbeit positiv – aber jeder Vierte beklagt Arroganz der Etablierten. Am häufigsten werden gemeinsam neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt.   Die große Mehrheit der deutschen Startups arbeitet mit etablierten Unternehmen zusammen – und bewertet die Kooperation unter dem Strich als positiv. 4 von…

Startup-Investoren: Diese Vorteile haben sie durch Kryptowährungen

Das Thema Bitcoin und Kryptowährungen ist immer noch viel diskutiert: Wann wird sich die virtuelle Währung als reguläres Zahlungsmittel durchsetzen? Ist ihr wirklich zu trauen? Hier sind vor allem Fans des Analogen skeptisch. Und zu guter Letzt: Wo werden Bitcoin, Ethereum und Co. überhaupt schon eingesetzt? Auf die letzte Frage wird vor allem eine Antwort…

Jeder dritte Gründer will mit seinem Startup die Welt verbessern

Bitkom veröffentlicht »Startup Report 2018« – mit Zahlen zu Personal, Finanzierung, Technologie, Standort und Politikzufriedenheit.   Morgens im Büro, wenn man zum x-ten Mal denkt, die Arbeit könnte man doch auch einfacher erledigen. Oder abends in der Kneipe, wenn man mit Freunden überlegt, was der Welt noch fehlt. Viele Startups werden so auf den Weg…

Deutsche Bahn wird Premium-Event-Partner bei CeBIT Startup-Plattform SCALE11

Mehr als 250 Startups werden auf der CeBIT 2016 allein in der Halle 11 erwartet. Auf der Plattform SCALE11 werden sie zu 15 unterschiedlichen technologischen Trends ihre Geschäftsmodelle präsentieren. Jetzt ist ein neuer Partner aus der etablierten Anwenderindustrie an Bord. Die Deutsche Bahn setzt voll auf Innovation: Bei der nächsten CeBIT im kommenden März wird…

Von der Galaxie-Simulation zum Internet-Startup

Forschung ist ein interessantes Feld. Vor allem, wenn sie verstanden und angewendet werden kann. Forscher des Max-Plank-Instituts für Astrophysik haben jetzt den Blick auf ein künstliches Weltall im Computer frei gegeben. Außergewöhnlich daran ist, dass die komplexe Anwendung mit einer einfachen Benutzeroberfläche ausgestattet ist. Diese ermöglicht einen einfacheren Blick in die sogenannte »Millenium Simulation«. Mit…

Die wertvollsten Startups der Welt

108 Unternehmen listet das Wall Street Journal aktuell im »The Billion Dollar Startup Club«. Teil des Rankings können nur nicht börsennotierte Unternehmen, in die in den letzten vier Jahren Fremdkapital investiert wurde, sein. Auf Platz eins steht derzeit der Fahrdienst Uber, der aktuell auf 50 Milliarden US-Dollar taxiert wird. Ähnlich viel Wertschätzung erfährt mit 46…

Studie Startups: Bedarf an IT-Sicherheit und Datenschutz steigt rapide an

Die Bedrohung durch Wirtschaftsspionage und Cyberkriminelle nimmt für Startups weiter zu: Laut einer aktuellen Studie »IT für Startups – Trends 2015« [1] erhöht sich für Gründerfirmen dadurch auch der Bedarf an IT-Sicherheit und Datenschutz, 95 Prozent der befragten Branchenkenner sind sich darin einig. Das wachsende Bedrohungspotenzial und die damit verbundene größere Sensibilisierung der Firmen hat…

Europa und seine Tech-Startups

Nicht nur in den USA und Asien, auch in Europa entstehen hochbewertete Tech-Startups. Die Investment- und Beratungsfirma GP Bullhound hat untersucht, welche dieser Firmen eine Taxierung von über einer Milliarde US-Dollar aufweisen und wie hoch ihr Gesamtwert ist. Dabei wurde deutlich: Der größte Markt ist derzeit das Vereinigte Königreich, gefolgt von Schweden. Doch Deutschland holt…

Die bestbewerteten Startups weltweit

96 Unternehmen listet das Wall Street Journal aktuell im »The Billion Dollar Startup Club«. Teil des Rankings können nur nicht börsennotierte Unternehmen, in die in den letzten vier Jahren Fremdkapital investiert wurde, sein. Auf Platz eins steht derzeit der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi, der aktuell auf 46 Milliarden US-Dollar taxiert wird. Ähnlich viel Wertschätzung erfährt mit…

Diese Startups sind mehr als 1 Milliarde Dollar wert

82 Startups werden derzeit laut Wall Street Journal von Venture-Capital-Firmen mit einer Milliarde US-Dollar oder mehr bewertet, das entspricht einem Anstieg von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die drei wertvollsten Unternehmen sind derzeit Xiaomi (46 Milliarden US-Dollar), Uber (41,2 Milliarden US-Dollar) und Palantir (15 Milliarden US-Dollar). 57 der Unternehmen aus dem Milliarden-Dollar-Startup-Club sind…

Weitere Artikel zu