Business Intelligence und »Data Democracy« – Wo viele mitdenken, entstehen mehr Ideen

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Daten für alle – jederzeit und passgenau: ein Traum fürs Unternehmen! Oder eher ein Albtraum? »Data Democracy« nennt sich der Ansatz, bei dem Mitarbeiter mit Self-Service-BI umfangreiche Datenanalysen fahren. Richtig umgesetzt ist dieser Ansatz ein Erfolgsmodell für das Unternehmen.

Mancher Chef hat Bedenken, wenn es darum geht, Mitarbeiter zum eigenständigen Arbeiten mit Unternehmensdaten zu befähigen. Verschaffen sie sich Zugang zu sensiblen Inhalten, die auch den Wettbewerb interessieren könnten? Kramen die Kolleginnen und Kollegen dann plötzlich in Informationen, die bewusst nur einem kleinen Kreis offenstehen? Verändern sie vielleicht Daten nach ihren persönlichen Interessen – oder auch aus Versehen?

Wer sich auf den Weg zum datengetriebenen Unternehmen macht und mit professionellen Lösungen die bislang verborgenen Erkenntnisse aus seinen Unternehmensdaten ans Licht bringen will, gibt keineswegs die Kontrolle aus der Hand – und macht seine sensiblen Unternehmensinformationen auch nicht zum rund um die Uhr geöffneten »Selbstbedienungsladen«. Denn es lässt sich sehr genau definieren, wer in welcher Funktion mit welchen Daten arbeiten kann, wie tief mit Drill-down-Funktionen Details dargestellt werden und ob zum Beispiel Klarnamen genannt oder personalisierte Datensätze anonymisiert werden.

»Data Democracy« in Unternehmen eröffnet Chancen, die in vielen Branchen und Unternehmensbereichen gerade erst ins Blickfeld rücken. Denn Daten erzählen Geschichten – wenn man sie lässt. Leistungsstarke BI-Lösungen, die durch Self-Service-Funktionalität unkompliziert von Mitarbeitern für ihren jeweils eigenen Bereich eingesetzt werden können, fassen, analysieren und visualisieren riesige Datenmengen – und gewähren überraschende Einblicke aus ganz neuen Perspektiven. Das kann der Arbeit und letztlich dem Unternehmenserfolg einen beachtlichen Schub geben und beim optimalen Einsatz der Ressourcen helfen. Denn Anwender können mit selbst gebauten Dashboards genau die Informationen aus dem »Data Lake« erkunden und visualisieren, die für sie relevant sind. Neue Einsichten und Ideen werden möglich. Das spart Zeit und schafft Platz für Ideen. Und je mehr partizipieren können, umso facettenreicher der Output.

Daten erfassen – und verstehen. Zum Beispiel im Handel: Welche Produkte werden gern zusammen mit anderen gekauft – und könnten daher am Point of Sale stimmiger zueinander platziert werden? Wie viele Kunden müssen pro Verkäufer im Schnitt für wieviel Umsatz angesprochen werden – und lässt sich unter dieser Rücksicht der Personaleinsatz besser abstimmen? Im Bereich Retail entwickeln datengetriebene Unternehmen ganz neue Fragestellungen, die die Verkaufsfläche von Geschäften und die Oberflächen von Online-Shops nicht mehr nur als Ort der Präsentation und des Verkaufsabschlusses verstehen. Sondern als umfassenden Kommunikations- und Beziehungsort zwischen Produkt, Kunde und Anbieter.

Ansprechende Visualisierung erhöht die Akzeptanz. Auch die Prozesse innerhalb eines Unternehmens lassen sich durch einen datengetriebenen Ansatz deutlich verbessern. Beim mittelständischen Drucker Christiansen Print in Ilsenburg, der Qlik Sense in Geschäftsleitung, Produktion und Vertrieb einsetzt, profitiert das Team beispielsweise von gesteigerter Transparenz und deutlichen Zeitvorteilen. Früher hatte der Report über die Produktion in der Vorwoche rund 20 Minuten Vorlauf, bis überhaupt Zahlen verfügbar waren, deren Ergebnisse dann in einem weiteren Schritt in Diagramme gepackt wurden. Nun dauert es nur noch Sekunden, bis eine aktuelle Datenvisualisierung vorliegt. Damit die Auswertung der Daten nicht am Schreibtisch endet, rufen viele Mitarbeiter Berichte über mobile Endgeräte wie beispielsweise dem iPad ab. Diese Möglichkeit wird vor allem von der Geschäftsleitung intensiv genutzt. Ansprechende Visualisierung der Daten sorgt dafür, dass Nutzer die Lösung auch wirklich verwenden – und nicht die Augen verdrehen angesichts von schier endlosen Excel-Tabellen, die mit zunehmendem Umfang immer unverständlicher werden. »Data Democracy« bedeutet nicht nur, dass alle mitmachen dürfen. Sondern auch, dass sie Lust dazu haben.

Tablet löst Papierausdrucke ab. Einen echten Mehrwert bietet BI in der Fertigung – und hilft hier, das Schlagwort von der Industrie 4.0 in die Wirklichkeit umzusetzen. Beim Maschinenbauer BENZ in Haslach arbeiten die Fertigungsmeister mit BI-Anwendungen auf dem Tablet und sind begeistert von den Möglichkeiten. Statt mit Papierausdrucken zu den Maschinen zu gehen und mit ihren Mitarbeitern den aktuellen Stand zu besprechen, setzen sie nun das Tablet ein. Das Mobilgerät identifiziert mithilfe von iBeacons die Maschine und zeigt automatisch die spezifischen Informationen zu Gerät und Fertigung an. Mit einem Klick wählt der Meister die benötigte Kennzahl aus: Maschinenbelegung, Planeinhaltung, Abarbeitungsgrad oder Daten zu Termintreue und verfügbaren Kapazitäten.

Kreative Arbeit im verwalteten Datenraum. Doch nicht nur Beschaffung, Produktion und Absatz sind Anwendungsfelder für Business Intelligence. Auch im Bereich HR kann BI die strategische Entwicklung von Unternehmen begleiten und mitgestalten: In Bedarfs-, Ressourcen- und Absatzplanung können vergangenheitsbezogene Daten mit erwarteten Entwicklungen kombiniert und teilweise sehr kurzfristig an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. Wo fallen Mitarbeiter aus? Wie viel Personal mit welchen Kompetenzen und welcher Ausstattung brauche ich in naher, mittlerer oder ferner Zukunft? Müssen jetzt Kompetenzen aufgebaut werden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt X benötigt werden? Das reine Personalmanagement wird zunehmend zum ganzheitlichen Talent- und Wissensmanagement. Auch und gerade im Bereich HR sollten sich Unternehmen daher als lernende Organisationen verstehen, um in Branchen mit Fachkräftemangel für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Die Beispiele zeigen: Datenvisualisierung ist nicht auf bestimmte Abteilungen oder Bereiche im Unternehmen beschränkt. Wichtige Voraussetzung ist natürlich Governance, denn auch in einer »Data Democracy« gibt es Informationen, wie beispielsweise die einer elektronischen Personalakte, die aufgrund rechtlicher Vorschriften nicht jedem offen stehen dürfen. Doch erst durch das Arbeiten mit selbst analysierten und visualisierten Daten ziehen Mitarbeiter ihre eigenen Schlüsse über das Erkannte. Findet dieses freie und kreative Arbeiten in einem verwalteten Datenraum statt, ist das ein vielversprechender Ansatz für Unternehmen, um zwischen den Leitplanken Data Democracy und Governance auf die Erfolgsspur zu fahren.


autor_robert_schmitzRobert Schmitz ist
Country Manager DACH
beim BI-Spezialisten Qlik
www.qlik.com

 

 

Illustration: © hand idea/shutterstock.com 

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