Digitalisierung: Mitarbeiter sind gut vorbereitet, aber Weiterbildung sollte hohe Priorität haben

Illustration: Piro4d, Absmeier

Spätestens seit der Veröffentlichung der Studie von Frey und Osborne 2013, die eine Bedrohung von knapp der Hälfte aller Jobs durch die Automatisierung beschreibt, ist eine intensiv geführte öffentliche Debatte insbesondere um die Gefahren der Digitalisierung entbrannt. Immer wieder werden neue Zahlen in den Raum geworfen, wie viele Arbeitsplätze – vor allem von älteren und geringer qualifizierten Arbeitnehmern – gefährdet sind, »wegrationalisiert« zu werden. Sicher ist, dass die voranschreitenden Digitalisierungsprozesse Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt mit sich bringen. Eine seriöse Vorhersage allerdings, wie sich die Digitalisierung konkret auf den Arbeitsmarkt auswirken wird, kann niemand treffen. Die aktuelle Sonderfrage der Randstad ifo Personalleiterbefragung im zweiten Quartal 2017 untersucht wie stark der Einfluss der Digitalisierung hierzulande von den Personalleitern eingeschätzt wird und wie gut die deutschen Unternehmen und ihre Angestellten auf die Veränderungen durch die Digitalisierung vorbereitet sind.

 

Den befragten Personalleitern zufolge sind fast alle Unternehmen in irgendeiner Form von der Digitalisierung betroffen. Lediglich 2 % geben an, dass die Digitalisierung überhaupt keine Rolle in ihrem Unternehmen spielt. Dagegen geben 51 % der Unternehmen an, »stark« bis »sehr stark« betroffen zu sein. Wie die erste Abbildung zeigt, nimmt der Einfluss der Digitalisierung mit steigender Größe der Unternehmen tendenziell zu, so dass insbesondere große Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten stark von der Digitalisierung betroffen sind. Auch über die Wirtschaftssektoren hinweg werden Unterschiede sichtbar: Während der Anteil der Unternehmen, den die Digitalisierung »stark« bis »sehr stark« betrifft im Verarbeitenden Gewerbe bei 42 % liegt, sind es im Handel 55 % und im Dienstleistungsbereich 56 %.

Hinsichtlich des Einflusses der Digitalisierung auf die Entwicklung der Mitarbeiterzahl sind die Erwartungen der Personalleiter recht heterogen und variieren zwischen den Wirtschaftssektoren. Im Durchschnitt über alle Sektoren hinweg gehen 73 % der Personalleiter in Unternehmen, die »stark« oder »sehr stark« von der Digitalisierung betroffen sind, von einem wachsenden Personalstand in den nächsten fünf Jahren aus. Eher zurückhaltend zeigen sich die Händler; hier liegt der entsprechende Wert bei 61 %. Im Verarbeitenden Gewerbe rechnen 72 % der Personal leiter in »stark« bis »sehr stark« von der Digitalisierung betroffenen Unternehmen mit einem wachsenden Personalstand in den nächsten fünf Jahren. Im Dienstleistungssektor sind es 80 %. Dass die Erwartungen an die Beschäftigungseffekte der Digitalisierung im Handel und Dienstleistungssektor so stark auseinandergehen, ist interessant zu beobachten, da beide Sektoren ähnlich stark von der Digitalisierung betroffen sind. Insbesondere die Dienstleister scheinen in der Digitalisierung mehr Chancen durch neue Geschäftsmodelle als – die von Frey und Osborne dargestellten – »Wegrationalisierungs«–Risiken zu sehen.

 

Aber wie gut sind die Beschäftigten auf Änderungen durch die Digitalisierung vorbereitet? Den Ergebnissen der Befragung zufolge sieht die überwiegende Mehrheit der Personalleiter (60 %) ihren Personalbestand »gut« auf die Digitalisierung vorbereitet, 3 % halten ihre Angestellten sogar für »sehr gut« vorbereitet. Gleichzeitig geben jedoch 35 % an, dass ihr Personalstand »weniger gut«, 4 % sogar »eher schlecht« auf die Digitalisierung eingestellt ist. Betrachtet nach Sektoren sind auch hier die Personalleiter aus dem Dienstleistungsbereich am optimistischsten: während im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel jeweils 54 % ihre Beschäftigten für »gut« beziehungsweise »sehr gut« vorbereitet halten, liegt dieser Anteil im Dienstleistungsbereich bei 70 %.

Die Personalleiter sehen also einen Großteil ihrer Beschäftigten bereits gut auf die Digitalisierung vorbereitet, über alle Größenklassen und Sektoren hinweg gibt es jedoch einen gewissen Prozentsatz, der noch (erheblichen) Nachholbedarf sieht. Die Unternehmen reagieren auf die aus der Digitalisierung erwachsenden Anforderungen mit einer Reihe von Maßnahmen. Über alle Sektoren hinweg ist die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das am stärksten genutzte Mittel. 94 % der Unternehmen bereiten auf diesem Weg ihre Beschäftigten vor. Allerdings stufen unter diesen 94 % nur 58 % die Weiterbildung als »wichtige« oder »sehr wichtige« Maßnahme ein.

Neben der Weiterbildung wurden die Personalleiter auch nach anderen Maßnahmen, mit denen sie auf die Anforderungen durch die Digitalisierung an ihr Personal reagieren, gefragt. Demnach reagieren 85 % mit Neueinstellungen; 90 % der Unternehmen, die diese Maßnahme anwenden, bewerten sie als »wichtig« oder »sehr wichtig«. Ebenfalls 85 % der befragten Unternehmen wenden interne Versetzung an, 39 % davon bewerten diese Maßnahme als »wichtig« oder »sehr wichtig«.

Outsourcing und das Beschäftigen von freien Mitarbeitern findet in 80 % der Unternehmen statt. Als »wichtig« oder »sehr wichtig« bewerten es allerdings nur 15 % der Unternehmen, die diese Maßnahme einsetzen. Vor dem Hintergrund des durch die Digitalisierung ausgelösten rasanten Wandels vieler Tätigkeiten stellt sich die Frage, ob die Weiterbildung nicht einen höheren Stellenwert in den Unternehmen erhalten sollte. Vereinzelte Weiterbildungskurse können dies nicht leisten. Das Konzept von Weiterbildung muss sich hier weiterentwickeln und lebenslanges Lernen muss fester Bestandteil im Arbeitsleben werden. An dieser Stelle ist auch die Politik gefragt, Maßnahmen im Bereich der Weiterbildung, Umschulung, Förderung betrieblicher Fortbildung und Qualifikationen sowie das lebenslange Lernen zu forcieren.

Textquelle: http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/facts/Survey-Results/Personalleiterbefragung/Archiv/Personalleiterbefragung-2017Q2.html

 


 

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