Fachkräftemangel? Immer mehr Arbeitgeber setzen auf Selbsthilfe

96 % der Arbeitgeber gaben 2016 an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen mit geeigneten Bewerbern zu haben. Bei einigen bedroht der Fachkräftemangel bereits das Geschäft. Aber die Unternehmen verlassen sich nicht mehr auf nur Stellenanzeigen und Personalberater sondern greifen zur Selbsthilfe.

Das Institute for Competitive Recruiting (ICR), Heidelberg stellte die Ergebnisse der Studie »Recruiting Trends 2017« vor [1]. Für die Studie, die erste ihrer Art in Deutschland, befragte das ICR in den Jahren 2012-2016 jeweils über 10.000 Personaler.

Active Sourcing

Für fast 80 % der Unternehmen gehörte 2016 Active Sourcing, die selbstständige Suche und Ansprachen von potenziellen Kandidaten meist in Social Networks wie Xing oder Linkedin, zu den Top-Themen im Recruiting. Mehr als jedes zweite Unternehmen (51 % im Jahr 2016, ein Anstieg um mehr als ein Viertel im Vergleich zu 2015) sagt schon: »Wir suchen zusätzlich zur Anzeigenschaltung (online oder Print) proaktiv (etwa in Xing, Linkedin, Facebook oder mit Hilfe von Google) nach potenziellen Kandidaten.«

Software zur Suche von Bewerbern (etwa in sozialen Netzwerken, Xing Talent Manager, Linkedin Recruiter) ist der Shooting Star bei der Recruiting-Technologie-Nutzung und konnte die Verbreitung um mehr als das Doppelte, von 27 % auf 55 %, steigern.

Auch für 2017 soll es weiter in diese Richtung gehen: 54 % der Arbeitgeber wollen mehr Geld aus ihrem Personalbeschaffungsbudget für ihr Engagement in Xing und Linkedin ausgeben, fast jedes dritte (29 %) Unternehmen für die geplanten Aktivitäten in Facebook & Co.

Dies ist nur eines der Ergebnisse aus den ICR Recruiting Trends 2017. Basierend auf mehr als 5 Jahren (2012-2016) Recruiting-Studien kann das ICR exklusive Informationen und Trends zum Thema Recruiting aufzeigen. Jedes Jahr wurden mehr als 10.000 Unternehmen aller Größenklassen und Branchen befragt, wo die Reise im Recruiting hingeht. Die Beteiligung der Arbeitgeber liegt in den Jahren 2012-2016 zwischen ca. 500-900, so dass die Untersuchungen auf einer breiten Basis stehen. Aus diesen gesammelten Angaben lassen sich Trendlinien erkennen:

 

Welche Top-Themen können sich halten, welche kommen neu dazu?

  • Arbeitgeberimage überholt wieder das Thema »Recruiting von Berufserfahrenen«
  • Candidate Experience und Active Sourcing werden deutlich wichtiger
  • Social Media Recruiting zeigt ein leichtes Comeback
  • Bewerbermanagementsysteme legen kontinuierlich an Bedeutung zu
  • Mitarbeiterempfehlungsprogramme setzen den Aufwärtstrend seit 2014 weiter fort

 

grafik icr recruiting trends 2012 2017 entwicklung top-themen

 

Wie sieht es bei der Nutzung von Recruiting-Technologie aus?

  • Bewerbermanagementsysteme werden mit Abstand am häufigsten genutzt und werden wohl weiter kontinuierlich bzgl. der Nutzung zu legen können.
  • Die sonstigen Technologie-Lösungen sind absolut noch nicht zu stark verbreitet und zeigen auch (noch) keine starke Tendenz – außer zeitversetzte Video-Interviews, die einen Einbruch in der Nutzung aufweisen

 

Was sind die größten Herausforderungen für jeden einzelnen Recruiter?

  • Gute Bewerber zu finden und offene Stellen schnell zu besetzen belasten fast jeden zweiten Recruiter und zeigen einen zweijährigen Aufwärtstrend
  • Jeder dritte Recruiter beklagt sich über zu viel Arbeit – mit steigender Tendenz
  • Jeder vierte Recruiter hat Probleme, das richtige Verhältnis zwischen operativem Recruiting und Projektarbeit zu finden – mit ebenfalls steigender Tendenz

 

Wer rekrutiert eigentlich in den Unternehmen und wie ändert sich dies?

  • »Fachvorgesetzte gemeinsam mit internen Recruitern« dominiert die Rekrutierung mit nachhaltig steigendem Trend
  • »Personalreferenten als Teil ihrer normalen Tätigkeit« ist auf dem zweiten Platz, zeigt aber stark erratische Ausschläge, so dass der Trend für 2017 nicht klar ist
  • Andere Kooperationsformen bei Recruiting zeigen keine Aufwärtstrends und werden 2017 nicht signifikant beeinflussen.

 

Welche Kanäle werden für die Kommunikation der Stellenangebote genutzt und welche fallen raus?

  • Die eigene Karriereseite und Onlinejobbörsen führen die Liste mit etwas Abstand und aktuell flacher Steigerungstendenz für 2017 an
  • Social-Media-Business-Netzwerke (Xing, Linkedin etc.) haben sich einen stabilen 3. Platz erarbeitet und werden ihn auch 2017 nicht abgeben
  • Die Kanäle Bundesagentur für Arbeit und Jobmessen liegen in der Nutzung fast gleichauf bei stabiler Nutzungsaussicht für 2017
  • Social-Media-Soziale-Netzwerke (Facebook, Twitter etc,), interne Mitarbeiter und Mitarbeiterempfehlungen liegen 2016 gleich auf, wobei letztere für 2017 eine schwächere Tendenz haben.
  • Printmedien-, Personalberater und externe Sourcing-Dienstleister sind die Verlierer mit absteigendem Trend auch für 2017

 

grafik icr recruiting trends 2017 einstellungsquellen

 

Wie viele Arbeitgeber nutzen schon Active Sourcing und welche Plattformen werden fürs Recruiting in Social Media genutzt und welche Veränderungen tun sich dort auf?

  • Xing führt mit weitem Abstand und steigender Nutzungstendenz
  • Linkedin hat als zweitplatzierte Plattform in den letzten Jahren massiv aufgeholt und der Trend für 2017 zeigt weiter steil nach oben
  • Arbeitgeberbewertungsplattformen liegen in der Nutzung knapp hinter Linkedin und zeigen ebenfalls eine deutlich steigende Tendenz für 2017
  • Facebook konnte sich nach einem Zwischentief in den letzten beiden Jahren wieder erholen und ist auf dem Weg zu Nutzungszahlen aus dem Jahr 2013
  • Instagram, Pinterest, Snapchat und WhatsApp führen noch ein Schattendasein mit Werten unter 2 % in der Nutzung

 

Was tut sich bei den Einstellungsquellen?

  • Online-Jobbörsen werden die Haupteinstellungsquelle bleiben, auch wenn sie einige Prozentpunkte abgeben werden
  • Die eigene Karriereseite als Einstellungsquelle zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend in den letzten drei Jahren. Dieser wird wohl anhalten, allerdings müssen viele Arbeitgeber sich hinsichtlich der angebotenen Candidate Experience deutlich verbessern.
  • Die Social-Media-Netzwerke und Mitarbeiterempfehlungen lagen in den letzten Jahren Kopf an Kopf, wobei die Social Networks 2016 die Nase wieder vorn haben. In Kombination mit der deutlich gestiegenen Bedeutung des Themas Active Sourcing sollte dies auch 2017 so bleiben
  • Die Anteile der Personalberatungen und CV-Datenbanken befinden sich im Abwärtstrend. Printmedien bleiben stabil auf niedrigem Niveau.

 

Und schließlich, wofür wollen Arbeitgeber in Zukunft mehr Geld ausgeben?

  • Die Ausgabenplanungen für Social-Media-Business-Netzwerke (Xing, Linkedin etc.) haben nach einem Zwischentief wieder deutlich an Fahrt aufgenommen und mehr als jedes 2. Unternehmen will dort mehr Geld ausgeben
  • Bei den Mitarbeiterempfehlungen, Messen und den Social Media Social Networks zeigt sich ein ähnliches Verhalten mit etwas leichterem Niveau und der Trend für 2017 zeigt weiter steil nach oben
  • Die eigene Karriereseite und Onlinejobbörsen zeigen sich bei den Ausgabenänderungen stabil bei 16 % beziehungsweise 28 % Steigerungsrate
  • Weniger starke Steigerungen (unter 10 %) sollen den beiden Kanälen Printmedien und CV-Datenbanken zukommen

 

[1] Antworten auf diese Fragen finden Interessierte in den exklusiven ICR Recruiting Trends 2017, die sie hier nach Registrierung kostenfrei downloaden können: http://competitiverecruiting.de/ICR-Recruiting-Trends-2017-datenbasiert-2012-2013-2014-2015-2016.html


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