CeBIT 2016: Großer Nachholbedarf bei »Digitaler Transformation«

  • Mangelnde Entschlossenheit in den Chef-Etagen der Großunternehmen ist das mit Abstand größte Hemmnis für die Digitalisierung.
  • Eine neue Studie enthüllt Problemfelder und Schwachstellen.

grafik etventure digitale transformationWenn am 14. März die CeBIT startet, wird die »Digitale Transformation« Inhalt vieler Diskussionen und Stellungnahmen sein. Denn die »Digitale Transformation« und die Umstellung der geschäftlichen Prozesse auf digitale Abläufe ist der Schwerpunkt der diesjährigen Messe. Schon im Vorfeld der CeBIT gibt es jetzt dazu eine wegweisende Studie der Digitalberatung etventure in Zusammenarbeit mit der GfK Nürnberg [1]. Aus der Befragung von Führungskräften und Vorständen in den rund 2.000 Großunternehmen in Deutschland ergibt sich, dass die Tragweite für das eigene Kerngeschäft und die damit verbundenen Herausforderungen nicht ausreichend erkannt werden. Gleichzeitig scheitert die Digitalisierung an Management- und Umsetzungsfehlern.

Ein Hoffnungsschimmer ist die Zusammenarbeit mit Start-ups. Dadurch wollen die Großunternehmen die Ziele umsetzen, die Sie alleine durch die mangelnde Digitale Transformation nicht erreichen können.

Die wichtigsten Studienergebnisse im Einzelnen:

  • Nur sechs Prozent aller Großunternehmen (ab 250 Millionen Umsatz) sehen die Digitale Transformation heute als wichtigstes Unternehmens-Thema
  • Nur in knapp jedem zweiten Unternehmen steuern Vorstände oder Geschäftsführer selbst den digitalen Veränderungsprozess. Das ist deutlich zu wenig, denn die Studie zeigt auch: Je stärker die Unternehmensleitung die Digitalisierung lenkt, desto häufiger werden erfolgreiche Ergebnisse in den Großunternehmen sichtbar.
  • Das mit Abstand größte Hemmnis bei der Digitalen Transformation ist nach Angaben der befragten Firmen »die Verteidigung bestehender Strukturen«: Zwei von drei Unternehmen (exakt 65 %) geben das zu Protokoll. Und je größer die befragten Firmen sind, desto häufiger ist dies der Fall.
  • Als weitere Hürden werden »fehlende Zeit« (54 %) sowie »fehlende Erfahrung« (52 %) genannt. Gut 40 Prozent der Unternehmen sagen überdies, dass »notwendige weitreichende und radikale Entscheidungen von Führungskräften gescheut werden«.
  • Je besser sich Unternehmen auf die Digitale Transformation vorbereitet sehen, desto häufiger erwarten sie hierdurch neue Arbeitsplätze. Insgesamt erwarten 23 Prozent aller befragten Großunternehmen in Deutschland, dass die digitale Transformation zu zusätzlichen Arbeitsplätzen führen wird, 18 Prozent gehen von einem Abbau aus, 59 Prozent rechnen mit konstanten Beschäftigtenzahlen.
  • Fast jede befragte Firma (92 Prozent) geht davon aus, dass sich durch die Digitale Transformation die Anforderungsprofile der Arbeitsplätze und auch Arbeitsweisen im Unternehmen verändern werden.
  • Um die Digitale Transformation besser zu meistern, arbeitet bereits fast jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) mit Startups zusammen. Die am häufigsten damit verbundenen Ziele sind ein verbesserter Zugang zu neuen Technologien (87 Prozent) sowie schnellere und vermehrte Innovationen (85 Prozent). Nur knapp dahinter werden das Lernen von Startup-Methoden genannt (81 Prozent) sowie die schnellere Umsetzung von Piloten durch Zusammenarbeit mit Startups (71 Prozent).

Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer der Digitalberatung etventure, zu den Studienergebnissen:

  • »Die Befragung bestätigt, dass viele Unternehmen – auch entgegen mancher Selbsteinschätzung – noch unzureichend auf die Digitalisierung vorbereitet sind.«
  • »Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung den großen Technologiekonzernen wie Google, Amazon oder Apple oder auch ganz neuen digitalen Angreifern, die in den Markt drängen.«
  • »Digitalisierung ist Chance und Herausforderung Nummer eins. Was der Buchmarkt und die Musikindustrie bereits schmerzlich erfahren mussten, könnte bald andere Branchen, auch im B2B-Bereich, treffen.«
  • »Wenn komplette Geschäftsmodelle und -abläufe eines Unternehmens digitalisiert und in Frage gestellt werden sollen, greift das tief in sämtliche Prozesse sowie in die Kultur des Unternehmens ein. Das bedeutet für das Unternehmen: Ist der Vorstand nicht Treiber des Digitalprozesses, wird die digitale Transformation nicht gelingen.«
  • »Wir erleben häufig, dass spannende Innovationsvorhaben an internen Widerständen scheitern. Daher haben Geschäftsführer von führenden Unternehmen wie Schindler, Osram oder auch Viessmann und Klöckner entschieden, Digitalprojekte zunächst außerhalb des Unternehmens, in einem geschützten Raum, zu starten. Denn Widerstände gegenüber Neuerungen sind in Organisationen deutlich kleiner, wenn der Erfolgsnachweis schon erbracht wurde.«
  • »In der Umsetzung heißt Digitalisierung auch Angriff auf das Kerngeschäft: Entscheidende Voraussetzungen wie die volle Rückendeckung der Chefetage und die Entwicklung von Innovation im geschützten Raum, losgelöst von bestehenden Strukturen, werden allerdings bislang nur in wenigen Unternehmen erfüllt.«
[1] Über die etventure-Studie »Digitale Transformation und Zusammenarbeit mit Start-ups in Großunternehmen«: Auf Grundlage eines durch etventure gefertigten Fragenkatalogs wurde durch die GfK Nürnberg eine telefonische Befragung unter den 2.000 Großunternehmen in Deutschland mit einem Mindestumsatz von jährlich 250 Mio. Euro in der Zeit vom 11.01.2016 bis 29.01.2016 durchgeführt. Befragt wurden Führungskräfte, die mit dem Thema der Digitalisierung in den jeweiligen Unternehmen befasst sind. www.etventure.com/deutschlandstudie

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