Gemischte Gefühle beim »Staatstrojaner«

Die Wannacry-Cyberattacke hatte das neue Gesetz vorangetrieben: Vergangene Woche hat der Bundestag ein neues Überwachungsgesetz verabschiedet. Der sogenannte »Staatstrojaner« ermöglicht es Ermittlungsbehörden nun, bei Verdacht auf eine Straftat beliebig auf digitale Geräte der Verdächtigen zuzugreifen und Computer, Smartphones sowie Tablets zu überwachen.

Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage stimmt die Mehrheit der Deutschen der Verwendung des Staatstrojaners beim Verdacht auf eine Straftat zu (61 Prozent). 28 Prozent sind jedoch dagegen und 12 Prozent haben keine klare Meinung dazu, wie die Statista-Grafik zeigt. Von dem Gesetzesbeschluss gehört haben 61 Prozent der Deutschen, an 29 Prozent ist diese Nachricht bisher vorbeigegangen.

Der Anwendungsbereich des Staatstrojaners bezieht sich auf unterschiedlichste kriminelle Aktivitäten und soll auch der Terrorismus-Prävention dienen. Aus Datenschutzgründen ist das Gesetz umstritten – einige Kritiker bezeichneten es als verfassungswidrig. Frauke Suhr

https://de.statista.com/infografik/10127/meinung-zum-neuen-ueberwachungsgesetz-staatstrojaner/

 


 

IT-​Sicherheit weltweit in Gefahr: Warnung vor Bundestrojaner

 

Das IT-Sicherheitsunternehmen Avira warnt vor den Folgen des im Juni 2017 vom Bundestag verabschiedeten Gesetzes »zur effektiveren und praxistauglicheren Ausgestaltung des Strafverfahrens«. Der dadurch ermöglichte Einsatz von sogenannten »Bundestrojanern« gefährdet die Privatsphäre und IT-Sicherheit von Millionen von Nutzern in Deutschland und weltweit erheblich: »Jede Software, die Exploits oder Schwachstellen ausnutzt, um Geräte unserer Kunden zu infizieren, werden wir umgehend blockieren und unschädlich machen«, sagt Travis Witteveen, CEO Avira.

Statt für mehr Sicherheit zu sorgen wird das Gesetz neuen digitalen Risiken Tür und Tor öffnen und das IT-Sicherheitsniveau der Internetnutzer in Deutschland und weltweit gefährden. Strafverfolgungsbehörden können ohne Wissen der Betroffenen Software auf PCs, Laptops oder Smartphones installieren, um Daten zu entschlüsseln und die Nutzer zu überwachen. Dabei wird der Staat selbst zum Hacker, indem er ähnlich wie Cyberkriminelle technologische Sicherheitslücken und Schwachstellen in Software und Geräten ausnutzt oder erst schafft. Werden diese Sicherheitslücken bewusst verschwiegen oder ausgenutzt, handelt der Staat nicht zum Wohl und zur Sicherheit der Anwender. Vielmehr steigt das Risiko einer Ausnutzung von Schwachstellen durch Cyberkriminelle drastisch an.

Beispiele dafür sind die vor kurzem erfolgten Attacken durch die Erpressungstrojaner WannaCry und Petya (Ransomware) auf Privatanwender, Krankenhäuser, Bahnhöfe und multinationale Konzerne. Diese Schadsoftware nutzte für ihre Angriffe den EternalBlue-Exploit, der ursprünglich von der NSA entwickelt und für ähnliche Überwachungsmaßnahmen genutzt wurde, wie sie wohl auch der Bundestrojaner ausführen kann. EternalBlue wurde im Rahmen der Vault7-Veröffentlichungen von WikiLeaks publiziert und ermöglichte es Cyberkriminellen, diese Schwachstelle auch für WannaCry und Petya auszunutzen.

»Wir betrachten die gesetzliche Grundlage für einen ›Bundestrojaner‹ mit großer Sorge. Für Avira ist IT-Sicherheit und Privatsphäre ein Recht, nicht nur ein Privileg, das je nach Bedarf entzogen werden kann. Die Sicherheit und das Vertrauen unserer Nutzer stehen für uns an oberster Stelle und sind für uns nicht verhandelbar«, sagt Travis Witteveen, CEO von Avira. »Es ist unsere gemeinsame Verantwortung die Sicherheitsstandards für digitale Geräte, Internet-Services, Anwendungen und Software zu verbessern. Wenn wir das nicht tun, werden Cyberkriminelle mehr und mehr Schaden anrichten. Wir betrachten jede Software, die versucht Schwachstellen mit Exploits auszunutzen und Geräte zu infizieren, als Schadsoftware – egal ob sie von nichtstaatlichen oder staatlichen Akteuren kommt. Wir werden sie löschen, entfernen und davon abhalten, Schaden anzurichten.«

Avira entdeckt jeden Monat Milliarden von schädlichen Anwendungen und Webseiten. Das neue Gesetz wird es staatlichen Stellen ermöglichen, diese Situation noch weiter zu verschärfen, indem gezielt nach neuen, undokumentierten Schwachstellen gesucht wird. Zudem könnten mögliche Schwachstellen in der »Bundestrojaner-Software« es Cyberkriminellen ermöglichen, falsche Daten oder Beweise in IT-Systemen zu hinterlegen. Das kann zu ungewollten und folgenschweren Auswirkungen bei den Nutzern führen, deren Geräte durch staatliche Sicherheitsbehörden entschlüsselt wurden.

»Wir sind der Meinung, dass Softwarehersteller über jede entdeckte Schwachstelle sofort informiert werden sollten, um diese im Interesse der Sicherheit der Anwender unverzüglich schließen zu können. Jeder ist hier in der Pflicht, Schwachstellen nicht geheim zu halten, da diese sonst von Cyberkriminellen genutzt werden können, um die Geräte von Nutzern mit Schadsoftware zu infizieren«, ergänzt Travis Witteveen.

 


 

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