Risiken, Kosten und Klimaschutz: Optimierung der bestehenden Rechenzentren

Illustration: Absmeier, MightyFineBros

Verbesserungen könnten Risiken und Kosten der Rechenzentren verringern und zum Klimaschutz beitragen.

Rechenzentren werden geplant, gebaut, in Betrieb genommen und dann viele Jahre lang mehr oder minder unverändert genutzt. Doch die Anforderungen der betreibenden Unternehmen, die technologischen Möglichkeiten und die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern sich im Laufe der Zeit. Um böse Überraschungen zu verhindern, Kosten zu sparen und Risiken zu vermeiden, ist es notwendig, Defizite in Bestandsrechenzentren zu entfernen und Optimierungspotentiale zu nutzen. Hierzu sollten Rechenzentren regelmäßig einer ganzheitlichen Betrachtung unterzogen werden.

Anzeige

 

 

Ein Rechenzentrum ist heutzutage eine unerlässliche Infrastruktureinrichtung für viele Unternehmen. Das zeigt sich bereits an der Anzahl der Rechenzentren in Deutschland: Aktuell gibt es etwas mehr als 3.000 Rechenzentren mit mehr als 40 kW IT-Anschlussleistung in Deutschland. Insgesamt bestehen etwa 50.000 kleinere IT-Installationen und Rechenzentren [1]. Die meisten davon entsprechen nicht den neuesten Standards, was zu hohen Kosten und ineffizientem Verbrauch von Ressourcen führt.

De facto können viele Rechenzentren, in ihrem aktuellen Zustand, die an sie vom Betreiberunternehmen gestellten Verfügbarkeitsanforderungen sowohl auf technischer wie auch prozessualer Ebene nicht sicherstellen. Der Grund: Optimierungen finden zwar in Teilbereichen statt, aber eine umfassende Prüfung erfolgt in den wenigsten Unternehmen – schon gar nicht auf regelmäßiger Basis. In praktisch jedem Rechenzentrum gibt es daher Verbesserungspotenzial, um die Verfügbarkeit der IT-Systeme zu erhöhen, um den Stromverbrauch zu reduzieren, um Risiken (wie Wasserschäden) zu vermeiden und Gesetze und Normen einzuhalten oder um zum Klimaschutz beizutragen. Und daraus resultierend: Um Kosten zu sparen.

 

Keine Bestnoten für Deutschlands Rechenzentren

Prior1 hat in den letzten zehn Jahren mehr als 50 Bestandsrechenzentren im Rahmen des Beratungsangebotes »RZ-Check« umfassend überprüft. Dieses 1-Tages-Audit besteht aus einer Begehung sowie aus über 160 Einzelfragen aus elf Themenbereichen – dazu gehören u. a. Konzepte und Prozesse, Umgebungsrisiken, bauliche Strukturen, Stromversorgung, Klima- und Sicherheitstechnik, Energieeffizienz sowie Netzwerkversorgung. Kein einziges der überprüften Rechenzentren hat eine Bewertung > 90 Prozent erreicht. Die meisten lagen deutlich unter 50 Prozent. Der Grund: Es fehlt den Unternehmen der ganzheitliche Blick auf das Rechenzentrum. Die bei den Checks ermittelten Defizite sind unterschiedlicher Natur: Ein Unternehmen hat ein Rechenzentrum mit neuester Technologie, dafür gibt es Mängel bei den im Arbeitsalltag und im Notfall angewandten Prozessen. Bei einem anderen sind die Prozesse top, dafür die Technologie veraltet. Und bei wieder anderen ist in erster Linie der Standort das Problem oder die Energieeffizienz, etc.

 

 

Den aktuellen Anforderungen gerecht werden

Rechenzentren sind komplexe, dynamische Systeme, die laufend Änderungen der technischen und organisatorischen Anforderungen unterworfen sind. Gesetzliche Rahmenbedingungen und Normen ändern sich, genauso wie die Erwartungen der Unternehmen selbst in Bezug auf Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Energieeffizienz. Auch Versicherungen und Wirtschaftsprüfer sowie in einigen Branchen zusätzlich Kunden und Lieferanten stellen Anforderungen an die Rechenzentren der mit ihnen kooperierenden Unternehmen. Kurz gesagt, Rechenzentren müssen heute höhere Leistungen erbringen, effizienter sein und gleichzeitig Kosten sparen. Das können Bestandsrechenzentren nur dann leisten, wenn Sie ganzheitlich optimiert werden.

 

Investitionen sinnvoll einsetzen

Daher reicht es bei der Mehrzahl der bestehenden Rechenzentren auch nicht, nur Teilbereiche zu optimieren. Es geht vielmehr darum, einen ganzheitlichen Blick auf das Rechenzentrum zu werfen und die Defizite in aller Deutlichkeit und umfassend aufzuzeigen. Das kann in manchen Fällen schlicht der nicht vorhandene Wartungsvertrag für die USV-Anlage sein, in anderen die fehlenden Handfeuerlöscher im Serverraum, die zu niedrigen Betriebstemperaturen oder das nicht vorhandene Betriebsführungshandbuch. In anderen Fällen wiederum treten durch einen prüfenden Blick größere Probleme zutage: Der Standort des Rechenzentrums bringt hohe Risiken mit sich, weil er sich in einem Hochwassergefährdungsbereich befindet und die Hochwasser- und Starkregengefahren in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Die bauliche Struktur weist Mängel auf, weil das Dach nicht ordentlich entwässert wird, einbruchhemmende Türen fehlen oder der bauliche Brandschutz nicht in ausreichendem Ausmaß vorhanden ist.

Durch einen umfassenden Check des Rechenzentrums können alle Defizite erfasst und bewertet werden. Darauf aufbauend kann das Unternehmen seine Investitionsentscheidungen sinnvoll treffen. Energieeffizienzmaßnahmen etwa rechnen sich – vor allem in Anbetracht der aktuellen Strompreisentwicklung – in vielen Fällen schnell oder sind durch eine Feinjustierung der Betriebsparameter häufig sogar mit keinen zusätzlichen Investitionen verbunden. Die Verlagerung eines Standorts oder umfassende bauliche Maßnahmen hingegen müssen genauer geplant werden. Häufig ist die Conclusio eines genauen Checks die Erkenntnis, dass zuerst eine Rechenzentrumsstrategie für das jeweilige Unternehmen erarbeitet werden muss und erst dann ist es sinnvoll, konkrete und ganzheitlich abgestimmte Maßnahmen zu realisieren. Letztlich müssen aber alle Änderungen darauf ausgelegt werden, dass die Ressourcen des Unternehmens so effizient wie möglich genutzt werden.

 

Quick Win: Energieeffizienz

Es ist eine bekannte Tatsache, dass der Energiebedarf einen erheblichen Teil der Gesamtkosten eines Rechenzentrums ausmacht. In den meisten Unternehmen aber laufen die Energiekosten nicht auf die Kostenstelle der IT-Abteilung, sodass diese die genauen Aufwendungen dafür gar nicht kennt und somit auch schlecht optimieren kann beziehungsweise keinen Anreiz zum Optimieren hat. Investitionen in energieeffizientere Komponenten, wie Netzteile, Server oder Kühlsysteme, belasten das IT-Budget, die damit erreichten Einsparungen aber kommen einem anderen Unternehmensbereich zugute. Ganzheitlich betrachtet senkt eine Verbesserung der Energieeffizienz im Rechenzentrum aber natürlich den Gesamtenergieverbrauch des Unternehmens und trägt zu einer Reduktion der Umweltbelastung bei.

Im Rahmen eines umfassenden Checks des Rechenzentrums können Quick Wins genutzt werden, etwa durch die Optimierung der Betriebsparameter (wie Zuluft- und Kaltwassertemperaturen, Optimierung der Einstellungen der Ventilatoren, etc.), durch das Erkennen von ökologisch und ökonomisch sinnvollen Umbauten oder durch den Austausch von Komponenten mit schneller Amortisation. Um die Verbesserungspotenziale genauer zu betrachten und auszuarbeiten, empfiehlt sich im Anschluss oft eine tiefergehende Energieeffizienzanalyse. Diese Analyse sollte den aktuellen Energieverbrauch des Rechenzentrums sowie die möglichen Einsparpotenziale identifizieren. Auf Basis dieser Ergebnisse kann dann ein Plan erstellt werden, wie das Rechenzentrum energieeffizienter betrieben werden kann.

Nur wenn alle Aspekte und Komponenten eines Rechenzentrums betrachtet und miteinander abgestimmt werden, können Investitionen in Optimierungen sinnvoll eingesetzt und das Rechenzentrum optimal genutzt werden. Durch eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Rechenzentren den aktuellen Anforderungen entsprechen und effizient arbeiten. Dann haben Optimierungen, neben den finanziellen Vorteilen auch eine höhere Verfügbarkeit der IT-Services, eine bessere Klimabilanz und eine erhöhte Sicherheit zur Folge.

Martin Weber, Beratung Rechenzentrum bei Prior1

 

[1] https://www.bitkom.org/sites/main/files/2022-02/10.02.22-studie-rechenzentren.pdf