Vier Säulen der Cyberresilienz

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Trotz langjähriger Investitionen in Abwehrmaßnahmen nehmen Cyberangriffe und kostspielige Ausfallzeiten weiter zu. Traditionelle Sicherheitsmethoden zur Bedrohungsprävention und -erkennung bleiben zwar nach wie vor relevant, doch unter CISOs zeigt sich eine Veränderung in der Herangehensweise. Viele erweitern ihr Aufgabengebiet, um zusätzlich die Leitung von Wiederherstellungsmaßnahmen nach Sicherheitsvorfällen zu übernehmen, damit ihr Unternehmen rasch wieder betriebsbereit ist. Dieser Trend spiegelt sich in einer aktuellen Erhebung von Absolute Security wider: 83 Prozent der befragten CISOs gaben an, dass Cyberresilienz wichtiger sei als traditionelle Cybersicherheitsmaßnahmen, und 90 Prozent haben bereits eine Resilienzstrategie in ihrem Unternehmen umgesetzt.

 

Der Begriff der Cyberresilienz ist in der Security-Branche heute allgegenwärtig. Damit das Konzept echte Wirkung entfalten kann, muss es als strategische Notwendigkeit begriffen werden, bei denen Unternehmen nicht nur die Fähigkeit erwerben, Angriffen standzuhalten, sondern auch besser auf sie vorbereitet zu sein und gestärkt aus ihnen hervorzugehen.

 

Definition von Cyberresilienz

Ein guter Ausgangspunkt ist die Definition des National Institute of Standards and Technology (NIST), das Cyberresilienz als die Fähigkeit beschreibt, widrige Umstände, Belastungen, Angriffe oder Kompromittierungen zu antizipieren, ihnen standzuhalten, sich von ihnen zu erholen und sich an sie anzupassen. Für CISOs, die diesen Ansatz verfolgen, bedeutet dies eine Verlagerung des Fokus von rein defensiven Strategien hin zu einem integrierteren und proaktiveren Ansatz. Es reicht nicht mehr aus, nur zu versuchen, das Unvermeidliche zu verhindern. Sicherheitsverantwortliche müssen ihre Unternehmen darauf vorbereiten, Cyberangriffe und ihre Auswirkungen zu bewältigen sowie Geschäftsbetrieb und -kontinuität vollständig und so schnell wie möglich wiederherzustellen.

 

Von der Prävention zur Resilienz

Bei der Cyberresilienz geht es nicht darum, alle Risiken zu beseitigen, sondern vielmehr darum, Systeme und Prozesse zu schaffen, die Angriffen standhalten, ohne dass es zu massiven Störungen oder Ausfallzeiten kommt. Der Übergang von präventionsorientierten Strategien zu resilienzorientierten Frameworks ist für den langfristigen Schutz entscheidend. Um dies zu unterstützen, sind vier wichtige Säulen unerlässlich, damit Cyberresilienz als zentrale organisatorische Fähigkeit und nicht als eine reaktive Maßnahme verankert wird.

 

Säule 1: Maximale Sichtbarkeit und Kontrolle der Endpunkte

Cyberresilienz beginnt mit einer vollständigen Sichtbarkeit und Kontrolle über jeden Endpunkt. CISOs müssen sicherstellen, dass Geräte auch dann geschützt und verwaltbar bleiben, wenn der primäre Agent ausfällt. Bei der Transparenz geht es nicht nur darum zu wissen, was sich im Netzwerk befindet, sondern auch um das Verständnis, wie sich diese Ressourcen verhalten, wie sie konfiguriert sind und unter Druck reagieren.

 

Säule 2: Aufrechterhaltung der Kontrollhygiene

Die Zuverlässigkeit der bestehenden Sicherheitskontrollen ist ebenfalls unverzichtbar. Konfigurationsabweichungen sind eine ständige Herausforderung, da Sicherheitstools im Laufe der Zeit deaktiviert oder falsch konfiguriert werden. Untersuchungen von Absolute Security zeigen, dass bis zu 25 Prozent der Sicherheitskontrollen zu einem bestimmten Zeitpunkt eventuell nicht im gewünschten Zustand sind. Die Sicherstellung der vollen Funktionsfähigkeit kritischer Anwendungen trägt dazu bei, dass diese auch unter Druck effektiv arbeiten. Eine starke Kontrollhygiene erfordert eine kontinuierliche Validierung, und CISOs müssen automatisierte Prüfungen und Korrekturmaßnahmen implementieren, damit die Kontrollen über den gesamten Lebenszyklus jedes Geräts hinweg intakt bleiben.

 

Säule 3: Implementierung einer Zero-Trust-Architektur (ZTNA)

Hierbei spielt der Zero-Trust-Ansatz eine entscheidende Rolle, bei dem jede Geräte- und Benutzeranfrage überprüft wird. Zero Trust Network Access (ZTNA) ist kein einzelnes Tool, sondern ein strategischer Ansatz, der die Sicherheit von einem netzwerkzentrierten zu einem ressourcenorientierten Modell verlagert. ZTNA bietet eine granulare Kontrolle über Zugriffe und spezifische Aktionen und stellt sicher, dass nur autorisierte Benutzer und Geräte mit bestimmten Ressourcen interagieren können.

 

Säule 4: Schnelle Wiederherstellung und Anpassung

Zudem ist es wichtig, sich auf die Fähigkeit zu einer schnellen Wiederherstellung nach Sicherheitsvorfällen konzentrieren. Dies umfasst mehr als nur Technologie, es bedeutet auch eine enge Zusammenarbeit mit DevOps- und SRE-Teams, um zu verstehen, was den operativen Betrieb des Unternehmens aufrechterhält. Durch die proaktive Simulation von Ausfällen und Angriffen wird die erforderliche Routine für eine schnelle, effektive Wiederherstellung aufgebaut. Cyberresilienz geht über den Schutz hinaus und konzentriert sich auf eine rasche Recovery sowie die kontinuierliche Anpassung von Maßnahmen. Durch die Analyse nach einem Vorfall können bestehende Kontrollen optimiert und die zukünftige Verteidigung gestärkt werden. Diese Entwicklung von Systemen, die Ausfällen standhalten, verwandelt Vorfälle in Lernmöglichkeiten und ermöglicht es Unternehmen, sich nach jeder Störung schneller zu erholen und gestärkt daraus hervorzugehen.

 

Resilienz als Kernstrategie verankern

Cyberresilienz ist eine Teamleistung. Um erfolgreich zu sein, muss sie gemeinsames Ziel der gesamten Organisation sein und bei der Unternehmensleitung beginnen. Bei der Strategieentwicklung von CISOs mit der Führungsebene sollten im Gespräch der Schutz des Geschäftsbetriebs durch eine Minimierung der Ausfallzeiten im Fokus stehen. Zugleich versetzt die Abstimmung proaktiver Maßnahmen mit der Führungsebene Sicherheitsteams in die Lage, im Ernstfall zielgerichtet und rasch zu handeln. Durch die Vorbereitung auf Ausfälle und die Schaffung einer einheitlichen Linie vom Vorstand bis hinunter zu den Mitarbeitern können CISOs eine Kernstrategie verankern, durch die Cyberattacken beherrschbare Zwischenfälle statt massiver Krisen sind.

Harold Rivas, Chief Information Security Officer (CISO), Absolute Security

 

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