Der moderne Mensch wird zum Bewegungsmuffel

Bewegungsmangel wird zu einem immer größeren Problem in Deutschland. Waren es laut DKV-Report 2010 noch 60 Prozent, die den Richtwert für körperliche Aktivität erreichten, können sich mit aktuell 43 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte aller Deutschen für ausreichend Bewegung begeistern. Damit ebnen sie den Weg für viele zivilisationsbedingte Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Übergewicht, Bluthochdruck, verschiedene Krebsarten und Diabetes Typ II.

Mangelnde körperliche Aktivität wirkt sich aber nicht nur negativ auf die körperliche Gesundheit aus, sondern auch auf das subjektive Wohlbefinden: »Ausreichende Bewegung in der Freizeit gilt als gute Methode zum Stressabbau«, weiß Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln und wissenschaftlicher Leiter des DKV-Reports. »Wer also insgesamt nicht ausreichend körperlich aktiv ist, kann unter Umständen seinen Alltagsstress nur unzureichend kompensieren und demnach anfälliger für psychosomatische Leiden sein.«

Besonders alarmierend in diesem Zusammenhang: Insgesamt geben zehn Prozent der Befragten gar keine körperliche Aktivität an, der sie länger als zehn Minuten am Stück nachgehen – weder während der Arbeit noch beim Transport noch in der Freizeit.

 

Gruppenaktivitäten im Trend

So zeigt etwa der »Worldwide Survey of Fitness Trends for 2018«, die jährlich erscheinende, weltweite Umfrage durch US-Sporthochschulen und -verbände zum Thema Fitness-Trends, motivierende Alternativen auf. Während klassische Trainingsformen wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen, denen für gewöhnlich allein nachgegangen wird, im aktuellen Jahr weniger Relevanz haben, erleben Gruppenaktivitäten 2018 einen neuen Popularitätsschub. Die konkrete sportliche Disziplin ist dabei nicht definiert, es kann – je nach Gusto und Altersgruppe – von Spinning über Aerobic bis hin zum Tanzkurs alles sein.

 

Lange Sitzzeiten: Fernseher und Arbeit als Treiber für Sitzenbleiber

Die Deutschen sitzen wieder länger: Nach einer leichten Verbesserung 2016 legt die Sitzdauer um täglich 30 Minuten auf 7,5 Stunden wieder zu. »Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass lange und wenig unterbrochene Sitzzeiten das Risiko für die Entstehung von zahlreichen Zivilisationserkrankungen erhöhen können,« so Froböse. »Diese negativen gesundheitlichen Effekte sind nur durch ein sehr hohes Maß an körperlicher Aktivität wieder auszugleichen.«

Die Kombination der Vielsitzer (mehr als acht Stunden pro Tag) mit den körperlich inaktiven Personen der Befragung macht deutlich, dass hier fast jeder Dritte die negativen Effekte im Hinblick auf eine gesunde Lebensführung noch verstärkt. Insgesamt 28 Prozent der Befragten outen sich sowohl als Vielsitzer als auch Bewegungsmuffel und verfehlen die Mindestaktivitätsempfehlungen.

 

Fast jeder Dritte sitzt während der Arbeit zwischen vier bis sechs und mehr Stunden täglich. Dies betrifft vor allem jüngere Menschen. »Ein gesundes Verhältnis zu Bewegung fängt bereits im Kindesalter an. Gerade in Kindergärten und Schulen müssen wir das Aktivitätsverhalten prägen«, sagt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV. »Das große Einmaleins der körperlichen Aktivität steht daher dem Wissen über die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft in nichts nach.«

 

[1] DKV-Report »Wie gesund lebt Deutschland?« 2018, 44 Seiten, PDF-Datei zum Download: https://www.ergo.com/de/Mediathek?result=DKV-Report

 

 

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Gesundheit: Deutschland geht die Puste aus

Ein neuer Negativrekord lässt das Erreichen des Richtwertes für gesundes Leben deutschlandweit erstmals unter die Zehn-Prozent-Marke rutschen. Der Anteil der befragten Personen, die bewusst auf Bewegung, Ernährung, Nikotin- und Alkoholkonsum sowie auf einen gesunden Umgang mit Stress achten, sinkt im Vergleich zum DKV-Report 2016 erneut. Waren es 2010 zur Erstauflage des DKV-Reports noch 14 Prozent, die den Benchmark für ein gesundes Leben erreichten, schaffen es dieses Jahr nur noch ganze neun Prozent. Auch in diesem Jahr führte die GfK Nürnberg pro Bundesland wieder mindestens 200 Interviews zum Thema Gesundheitsverhalten für den DKV Report »Wie gesund lebt Deutschland?«. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln.

 

Die Hamburger und Sachsen sind in diesem Jahr Spitzenreiter in puncto gesunder Lebensstil. Zwölf Prozent der Befragten erreichen hier alle Benchmarks in den Bereichen körperliche Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden. Das Schlusslicht bildet Hessen mit einem Anteil von knapp sieben Prozent.

 

Sachsen-Anhalt ist in Bewegung

»Im Bereich der körperlichen Aktivität klafft eine erhebliche Lücke zwischen dem führenden und dem am schlechtesten platzierten Bundesland«, hebt Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln und wissenschaftlicher Leiter des DKV-Reports, hervor. In Sachsen-Anhalt leben die meisten körperlich aktiven Menschen. Mehr als die Hälfte der Sachsen-Anhalter, insgesamt 53 Prozent, setzen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur körperlichen Aktivität um, wenn man die Lebensbereiche Arbeit, Transport und Freizeit betrachtet. Am wenigsten bewegen sich die Hessen mit nur 37 Prozent – eine Differenz von 16 Prozentpunkten zum Spitzenreiter.

»Deutschland geht die Puste aus«, kommentiert Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV, die Ergebnisse. »Seit der Erstauflage des Reports 2010 bewegen sich die Deutschen immer weniger – dabei ist körperliche Aktivität von zentraler Bedeutung für unser Wohlbefinden. Das gilt für alle Altersgruppen und fängt schon im Kindesalter an.«

 

Die Deutschen bleiben sitzen – und die Berliner am längsten

7,5 Stunden täglich sitzen die Deutschen im Durchschnitt. Im Vergleich zum DKV-Report 2016 liegt der Median mit 450 Minuten in diesem Jahr um eine halbe Stunde höher und ist damit wieder auf dem Niveau von 2012. Im Bundesländervergleich verbringen die Berliner die meiste Zeit auf ihren »vier Buchstaben«: Sie sitzen ganze 518 Minuten, das entspricht 8,6 Stunden. Anderthalb Stunden weniger, nur sieben Stunden und zehn Minuten, verbringen die Sachsen-Anhalter (426 Minuten) an einem ganz normalen Werktag im Sitzen und liegen damit im Bundesvergleich vorn.

»Als privater Krankenversicherer sehen wir mangelnde Bewegung als eine der Hauptursachen für Herz- und Kreislauferkrankungen«, so Muth. »Bewegung ist dabei keine Frage des Alters, sondern des Tuns.«

 

Sachsen setzen auf ausgewogen und vitaminreich

Auf gesunde und ausgewogene Ernährung legen vor allem die Menschen in vielen ostdeutschen Bundesländern Wert. Vorbildlich sind insbesondere die Sachsen: 59 Prozent der Befragten geben an, Wert auf vitaminreiche, ausgewogene und gesunde Lebensmittel zu legen. Demgegenüber steht für nur 44 Prozent der Befragten in Nordrhein-Westfalen ein ausgewogener Speiseplan ganz vorn auf der Agenda. Sie bilden damit das Schlusslicht in dieser Kategorie.

 

Viel blauer Dunst an der Ostseeküste

Rauchen ist out – so scheint es: Bundesweit sind fast vier Fünftel aller Menschen Nichtraucher. Die meisten davon leben in Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg, wo 82 Prozent der Menschen dem Glimmstängel die kalte Schulter zeigen. Am meisten gequalmt wird an der deutschen Ostseeküste: In Mecklenburg-Vorpommern greifen 28 Prozent zur Zigarette.

 

Mäßiger Alkoholkonsum: Weinregionen sind Spitze und Schlusslicht zugleich

Die Hessen heben am häufigsten das Glas, am wenigsten Alkohol wird in Rheinland-Pfalz und im Saarland getrunken. Trinken, aber mäßig. Das ist das Motto vor allem in Rheinland-Pfalz und dem Saarland: Hier gehen 86 Prozent der Menschen sehr bewusst mit dem Thema Alkohol um. Etwas häufiger greifen die Menschen in Hessen zum Alkohol. Hier erreichen nur 76 Prozent den Richtwert für mäßigen Alkoholkonsum.

 

Stressresistente Baden-Württemberger

»Auch ein gesunder Umgang mit Stress ist enorm wichtig«, unterstreicht Froböse. »Knapp die Hälfte aller Befragten (43 Prozent) schafft es laut den Ergebnissen aber nicht, ihren Stress ausreichend zu kompensieren.« Am besten können das die Menschen in Baden-Württemberg. Hier erreichen 62 Prozent den Benchmark zum gesunden Umgang mit Stress. Den höchsten Stresslevel haben Personen aus Sachsen-Anhalt, Hessen und Brandenburg: Nur jeder zweite Bewohner gibt hier an, den Stress gut kompensieren zu können.

 

Regenerationslücke schließen

Insgesamt nimmt das Regenerationsgefühl der Deutschen zum Ende der Woche ab. Die Ergebnisse am Anfang beziehungsweise am Ende der Woche weisen eine Regenerationslücke von 15 Prozentpunkten auf, die sich unmittelbar auf Leistungskraft und Konzentration auswirkt. In der Ruhe liegt offenbar die Kraft, wenn es darum geht, sich von den täglichen Stressbelastungen zu regenerieren: Neben Schlaf liegen vor allem Ausgleichssport und Freizeitaktivitäten ganz vorn in der Gunst der Befragten.

 

[1] DKV-Report »Wie gesund lebt Deutschland?« 2018, 44 Seiten, PDF-Datei zum Download: https://www.ergo.com/de/Mediathek?result=DKV-Report

 


 

Wo die gesunden Menschen leben

 

In Hamburg sind deutschlandweit die meisten gesund lebenden Menschen zuhause. Das geht aus einer aktuellen Studie der DKV hervor. Demnach ist mit 12 Prozent der Anteil derer, die sich ausreichend bewegen, sich gut ernähren, nicht rauchen, keinen Alkohol trinken und ein niedriges Stresslevel haben am größten.

Der landesweite Durchschnitt liegt bei neun Prozent – deutlich weniger als in der ersten Erhebung 2010, wo der Anteil der gesund lebenden Menschen noch bei 14 Prozent lag. Gesunken ist vor allem das Aktivitätslevel, während das Stresslevel gestiegen ist. Hedda Nier

https://de.statista.com/infografik/14922/wo-die-gesunden-menschen-leben/

 


 

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