Die Cloud kommt nach Hause und fordert Datenmanagement heraus

Illustration: Absmeier, Michael Gaida

2018 starke Impulse durch KI, DSGVO und Cloud-Tools.

Das Jahr 2018 wird das Jahr, in dem die Cloud »nach Hause kommt«. Das meint Chris Wahl, Cheftechnologe bei Rubrik. Er geht davon aus, dass Cloud-Dienste wesentlich näher an die Unternehmen rücken und im Idealfall verstärkt mit bestehenden Anwendungen und Infrastrukturen integriert werden. Daraus folgt jedoch auch eine Vielzahl an neuen Herausforderungen für das Datenmanagement, das diese Veränderungen unterstützen muss.

Im Wesentlichen sieht Rubrik für das neue Jahr vier zentrale Treiber, welche die Bedeutung und die Anforderungen an das Datenmanagement deutlich steigern werden. Für Chris Wahl sind die folgenden vier Entwicklungen maßgeblich für die Veränderungen der Cloud-Nutzung und somit für den Einsatz von Plattformen für Datenmanagement:

Direkte Bereitstellung von Cloud-Diensten

Im neuen Jahr wird es einen massiven Kampf zwischen den Anbietern geben, wenn es darum geht, Cloud-Dienste direkt an Unternehmen zu liefern. Bei den drei großen Cloud-Anbietern ist eine Erweiterung des Angebots und verstärkte Unterstützung durch Partner (Azure mit Azure Stack, Google Cloud Platform mit Nutanix und AWS mit VMware) im Gange. Dabei geht es darum, ein umfassendes Serviceportfolio zu etablieren, um On-Premises-Bereitstellungen in privaten Rechenzentren und Zweigstandorten zu revolutionieren. Eine Integration mit Cloud Data Management muss Unternehmen, Regierungsbehörden und sonstigen Organisationen dabei helfen, sich digital zu transformieren um das Hybrid-Cloud-Modell in vollem Umfang zu nutzen.

Weitreichendere Nutzung von Cloud-Tools

Moderne Unternehmen bewegen sich zunehmend in einer IT-Welt von Containern, API-first-Architekturen und Cloud-native-Anwendungen. Die Unternehmens-IT verlagert sich von E-Mail zu Instant Messaging mit Slack und von relationalen Datenbanken zu NoSQL. Aktuell kratzen die meisten Organisationen nur an der Oberfläche, was die Nutzung von Cloud-Tools angeht. Dies wird sich aber bald ändern und vor allem Operations-Teams werden von Cloud-Tools noch weitaus mehr profitieren. In naher Zukunft werden diese sowohl in Cloud- als auch in On-Premises-Umgebungen allgegenwärtig sein, wobei Kubernetes zum klaren Gewinner der Branche avancieren wird. Wenn mehr Komplexität beseitigt wird und die Governance zu diesem Open-Source-Tool hinzugefügt wird, wird die Verbreitung rapide zunehmen.

EU-DSGVO verlangt nach Änderung der Datenstrategie

Unternehmen werden in 2018 mit Veränderungen durch die DSGVO konfrontiert. Sie müssen Maßnahmen ergreifen, um rechtzeitig die geforderte Compliance zu erlangen. Unternehmen müssen nach Ressourcen suchen, um ihre Datenstrategien zu ändern. Und sie werden nach Lösungen suchen, um ihre Daten effektiv zu indexieren und sie durchsuchbar zu machen, damit sie dieses Mandat erfüllen können.

Für Unternehmen, welche die DSGVO einhalten müssen, ist »Sicherheit durch Design« unerlässlich. Die Vorschrift fordert Unternehmen auf, Lösungen zu verwenden, bei denen der Datenschutz bereits in die Entwicklung integriert ist und nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt wird. Die Anforderungen gelten für On-Premises- und Cloud-Umgebungen sowie für Maßnahmen, die durch Mitarbeiter verursachte Verstöße verhindern sollen. Ziel ist es, dass die Daten unabhängig von ihrem Standort auf sichere und verantwortungsvolle Weise verwaltet werden. Dies wird erreicht durch End-to-End-Verschlüsselung für alle Umgebungen, wobei eine gleichbleibende Performance gewährleistet sein sollte.

Künstliche Intelligenz aus dem Elfenbeinturm der Datenwissenschaftler holen

Aktuell sind künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) für die meisten Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens, außer für Datenwissenschaftler, noch nicht erreichbar. Um KI und ML zukünftig für deutlich mehr Geschäftsanwender nutzbar zu machen, müssen Unternehmen eine solide Cloud-Data-Management-Strategie implementieren, um alle ihre Daten an einem Ort zu speichern, damit die Benutzer diese Daten für KI/ML-Anwendungen nutzen können. Daher ist die kontinuierliche Verfügbarkeit, lineare Skalierbarkeit und Einfachheit im Betrieb einer Datenumgebung entscheidend. Das Datenmanagementsystem muss so aufgebaut sein, dass es große Datenmengen handhaben, Repliken von Daten über Nodes verteilen und operative Prozesse mit geringer Latenz ausführen kann.

 


 

Mittelständische Wirtschaft: DSGVO macht die Cloud weniger attraktiv

Hacker und Datenmissbrauch steigern Nachfrage nach sicheren eigenen Netzwerken.

 

Mittelständische Unternehmen sind der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft, ergeben die Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft. 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Mittelständler, erwirtschaften mehr als 50 Prozent der Wertschöpfung und stellen knapp 60 Prozent aller Arbeitsplätze. Die Digitalisierung wird massiv vorangetrieben – das Misstrauen gegenüber der Cloud ist aber immens gewachsen: »Die Hackerattacken der letzten Monate haben dafür gesorgt, dass sich der Mittelstand die Daten verstärkt im eigenen Haus wünscht. Mehrausgaben für die Absicherung von eigenen Rechenzentren und Netzwerken werden nicht gescheut«, sagt Andreas Schlechter, Geschäftsführer von Telonic. Für einen Großteil seiner Kunden stehe die Absicherung vor noch unbekannten Gefahren mehr im Vordergrund als die Nutzung von cloud-basierten Softwarelösungen.

Cloud: Außer Kontrolle

Während die Anbieter von Cloud-Lösungen um das Vertrauen der Unternehmen kämpfen, sorgen sich diese vor allem um die deutlich verschärften Regeln, die mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in diesem Jahr in Kraft treten. Beim Verlust von personenbezogenen Daten drohen zukünftig hohe Bußgelder: bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes (Art. 83 der DSGVO) im schlimmsten Fall. Zudem wird der Aufwand durch die Dokumentation, Risikobewertung und der Kontrolle der internen Prozesse im Rahmen der DSGVO höher werden. »Der eigene Server gibt das Vertrauen, die Prozesse überblicken zu können. Die Cloud erzeugt die Empfindung des Kontrollverlusts über das, was mit den Daten passieren kann«, sagt Telonic-Chef Schlechter.

Digitalisierung ja, aber mit Sicherheit

Dennoch sind die Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung, so die Erfahrung des mehr als 100 Mann starken Telonic-Teams. Der Vernetzungsgrad steigt demnach, allerdings auch das Bedürfnis nach Sicherheit. »Hochverfügbarkeit ist prompte Bedingung für sämtliche IT-Lösungen. Die jüngsten Attacken mit Ransomware haben bei vielen Unternehmen zu deutlicher Sorge und Sensibilität geführt – denn vor allem im Mittelstand wäre ein kompletter Stillstand der IT lebensbedrohlich«, so Andreas Schlechter. Mehr und mehr Unternehmen setzen daher auf proaktive Überwachung von Netzwerkaktivitäten, anstatt die Daten aus dem Haus zu geben.

 


 

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