Rechenzentren: Steigende Investitionen können schrumpfende Marktanteile nicht ausgleichen

■ Deutscher Markt wächst um 10 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.

■ Standort verliert aber gegenüber Europa, USA und Asien.

■ Hoher Strompreis und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen Wachstum.

© Bitkom Borderstep Institute

Der Markt für Rechenzentren ist in Deutschland weiter auf Wachstumskurs. Die Investitionen am Standort Deutschland steigen im Jahr 2017 voraussichtlich um 10 Prozent und überschreiten erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro. Damit bestätigen sich die zweistelligen Wachstumsraten der vergangenen Jahre. Auch die Zahl der Arbeitsplätze entwickelt sich positiv. Seit 2014 sind in deutschen Rechenzentren 15.000 zusätzliche Jobs entstanden. Derzeit gibt es 130.000 Vollbeschäftigte, weitere 85.000 Arbeitsplätze sind direkt von Rechenzentren abhängig. Das ist das Ergebnis einer Studie des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit im Auftrag des Digitalverbands Bitkom [1].

»Treiber sind aktuelle Trends wie Cloud Computing, Industrie 4.0 und Big Data, die größere Rechenzentrumskapazitäten beanspruchen. Auch in den kommenden Jahren stehen die Zeichen auf Wachstum«, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Im internationalen Vergleich relativiert sich das positive Bild jedoch. Trotz der steigenden Investitionen schrumpfen die Anteile am Globalmarkt. Grund ist eine deutlich dynamischere Entwicklung der Kapazitäten in den USA und in Asien. Auch im europäischen Maßstab kann Deutschland nicht mit den Marktführern in Skandinavien und den Niederlanden mithalten.

»Die internationale Bedeutung des Standorts Deutschland nimmt bei Rechenzentren ab. So positiv die Wachstumsraten auch sind – im globalen Vergleich sind sie unterdurchschnittlich«, sagt Berg. Laut Prognose wird der Anteil der deutschen Rechenzentren am Weltmarkt – gemessen an der IT-Fläche – von 5 Prozent im Jahr 2010 auf 4 Prozent im Jahr 2020 sinken.

Die Wettbewerbsintensität wird der Studie zufolge in den kommenden Jahren weiter zunehmen. »Hochgeschwindigkeits-Netze und technische Entwicklungen wie Cloud Computing und Virtualisierung führen dazu, dass der Betrieb und die Standortwahl von Rechenzentren immer flexibler werden. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hängt dabei ganz maßgeblich von den Energiekosten ab. Die Strompreise sind entscheidend dafür, ob Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland weiterhin einen attraktiven und wettbewerbsfähigen Standort finden«, sagt Berg. Auch langwierige Genehmigungsverfahren würden die Entwicklung ausbremsen. Bei den übrigen Standortfaktoren schneidet Deutschland laut Studie dagegen gut bis sehr gut ab: Sicherheit der Stromversorgung, gute Internetanbindung, Datenschutz und Rechtssicherheit.

Rechenzentren sind neben Breitbandnetzen ein zentrales Element digitaler Infrastrukturen und damit eine grundlegende Voraussetzung für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Leistungsfähige Rechenzentren stärken aus Bitkom-Sicht die digitale Souveränität, sorgen für Arbeitsplätze und verbessern die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Die deutschen Rechenzentren gehören zu den energieeffizientesten Rechenzentren weltweit. Dennoch steigt der Energiebedarf der Rechenzentren in Summe in Deutschland kontinuierlich an. Im Jahr 2016 wurden 12,4 Milliarden kWh Strom in deutschen Rechenzentren verbraucht. Es existieren hohe Potenziale die Energieeffizienz von Rechenzentren weiter zu verbessern. Insbesondere durch die Nutzung der Abwärme der Rechenzentren könnte ein deutlicher Betrag zur Verringerung der CO2-Emissionen geleistet werden.

 

[1] Die vollständige Studie gibt es hier zum Download. https://www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Rechenzentren-in-Deutschland-Wirtschaftliche-Bedeutung-und-Wettbewerbssituation-2017.html

 


 

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