Bundeskanzlerin Merkel: Daten sind die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bedeutung der Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft unmittelbar vor dem Start der CeBIT in einem Videostatement gewürdigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die deutsche Wirtschaft zum Handeln in Sachen Digitalisierung aufgefordert: »Wer heute gute Maschinen, wer heute gute Autos herstellen kann, aber nicht in ausreichender Weise den Zugang zum Kunden bekommt, der wird morgen nicht mehr der Produzent oder der Hauptteil der Wertschöpfung sein«, sagte die Kanzlerin in einem am Samstag auf ihrer Internetseite veröffentlichten Video.

Das Thema Big Data stehe zu Recht auf der Tagesordnung, »denn das sind die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts: die Daten. Und in der Tat tut sich Deutschland an manchen Stellen noch schwerer als andere Länder, diese Daten auszuwerten.«

Gleichzeitig rief die Kanzlerin die Wirtschaft auf, die Datensicherheit im Blick zu haben. »Wir müssen alle für Datensicherheit sorgen; die Regierung muss das tun, aber die Unternehmen selbst müssen auch wachsam sein. Deshalb brauchen wir hier auch das Thema Datensicherheit in der Wirtschaft in ganz besonderer Weise.« Dies sei aber auch ein internationales Thema: »Es reicht nicht, nur in Deutschland zu arbeiten. Wir werden als Regierung zwar unsere Cyberstrategie überarbeiten, aber wir müssen auch europäisch vernetzt sein. Deshalb gibt es bei Europol ein Cyber-Bekämpfungs-Zentrum – und auch bei Interpol ein solches Zentrum in Singapur.«

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Die Kanzlerin wird am Dienstag die CeBIT in Hannover besuchen und sich bei einem rund zweistündigen Rundgang zusammen mit dem Schweizer Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann ein Bild vom Stand der Digitalisierung machen. Die CeBIT öffnet am Montag ihre Tore.

Das Statement der Kanzlerin finden Sie hier: https://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BKin/DE/Mediathek/Einstieg/mediathek_einstieg_podcasts_node.html?id=1923720&cat=podcasts

screen (c) bundeskanzlerin.de video patrizia mangold angela merkel

Foto: (c) bundeskanzlerin.de


Hier der Wortlaut des Videos zur CeBIT.

 

Die Fragen stellte Patrizia Mangold, Studentin im Fach »Global Business Management« an der Universität Augsburg.

Patrizia Mangold: Frau Bundeskanzlerin, Sie besuchen nächste Woche Dienstag die CeBIT in Hannover, die weltweit größte IT-Messe. Schwerpunktthema ist unter anderem Big Data. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland, was die Nutzung von Big Data angeht, deutlich zurück. Gibt es im Rahmen der Digitalen Agenda konkrete Pläne, wie Big Data in Deutschland gefördert werden soll?

Bundeskanzlerin Merkel: Erstmal freue ich mich auf den Besuch bei der CeBIT; das ist eine gute Tradition. Und ich glaube, es ist auch richtig, dass das Thema Big Data auf der Tagesordnung steht, denn das sind die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts: die Daten. Und in der Tat tut sich Deutschland an manchen Stellen noch schwerer als andere Länder, diese Daten auszuwerten. Aber sie werden in Zukunft natürlich von allergrößtem Interesse sein, weil sie auch – die großen Mengen an Daten – den Zugang zum Kunden bestimmen. Das heißt: Wer heute gute Maschinen, wer heute gute Autos herstellen kann, aber nicht in ausreichender Weise den Zugang zum Kunden bekommt, der wird morgen nicht mehr der Produzent oder der Hauptteil der Wertschöpfung sein. Und deshalb muss Deutschland hier aufholen. Das geschieht auch, und die Bundesregierung achtet darauf – auch im Zusammenhang mit der Digitalen Agenda. Wir haben zum Beispiel das Thema Smart Data als Technologie-Förderprogramm für bestimmte Sektoren, zum Beispiel die Industrie, den gesamten Mobilitätsbereich und auch den Gesundheitsbereich und den Energiebereich. Hiermit unterstützen wir, aber natürlich müssen die Hauptinitiativen von den Herstellern, auch von den Produzenten von realen Gütern ausgehen. Und wir als Politik müssen dafür sorgen, dass die Rechtsetzung, also der rechtliche Rahmen so geregelt wird, dass man das Big-Data-Management auch wirklich sehr gut machen kann. Hier hat es glücklicherweise in der Europäischen Union Fortschritte gegeben: durch die Verabschiedung der Datenschutzgrundverordnung, die für diese Fragen in Zukunft wegweisend sein wird.

 

Im Februar hat Ihnen die Expertenkommission Forschung und Innovation ihr neues Gutachten überreicht. Sie spricht von fehlender Automatisierung und Innovationsbereitschaft des Mittelstandes wie auch von fehlenden Kompetenzen der Nutzung IT-basierter Prozesse. Kam die Digitale Agenda zu spät, um sicherzustellen, dass Deutschland im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleibt?

Ich glaube, dadurch, dass wir in Deutschland eine sehr starke industrielle Basis haben, können wir unser Know-how jetzt auch immer noch mit der Digitalen Agenda, also mit der Datenverarbeitung gut zusammenbringen. Und der Prozess hat auch sehr an Dynamik gewonnen. Das, was uns die Expertenkommission sagt, mag für Teile des Mittelstandes stimmen, für andere Teile stimmt es nicht. Ich habe mich gerade in den letzten Tagen wieder sehr intensiv informiert – auch durch Unternehmensbesuche: Ich war bei den Unternehmen Festo und Aesculap und konnte mich davon überzeugen, dass man hier sehr wohl weiß, dass gerade die Beziehung zwischen dem hergestellten Produkt und dem Kunden extrem darauf angewiesen ist, dass man auch gerade die digitalen Möglichkeiten nutzt; und dass das auch getan wird. Es ist ein Wettlauf zwischen denen, die die Software-Applikationen anbieten, den großen Internetunternehmen, die heute schon im Markt sind, und denen, die heute die World Champions in der Herstellung bestimmter konkreter Produkte sind, in der Medizintechnik oder im Maschinenbau oder in anderen Industriebereichen. Und deshalb müssen wir uns sputen und müssen die Voraussetzungen schaffen. Aber ich sehe es nicht ganz so pessimistisch. Dass man sagt, wir sind zu spät gekommen, das würde ich nicht sagen. Aber die Zeit drängt.

 

Die Digitalisierung spielt in vielen verschiedenen Lebensbereichen eine Rolle – so auch in der Energiewende. Welche Chancen ergeben sich aus der fortschreitenden Digitalisierung im Bereich der erneuerbaren Energien?

Hier geht es natürlich um verschiedene Punkte. Einmal geht es um die Frage der Energiespeicherung und auch der Verbindung verschiedener Produzenten erneuerbarer Energien; zum Beispiel Biomasse, die 24 Stunden verfügbar ist, in der Kombination mit Windenergie und Solarenergie. Es geht dann für die Kunden natürlich um die Frage: Wie kann ich auch effizienter Energie nutzen, wie kann ich es auch billiger machen? Wie können wir über den Tag den Energieverbrauch gleichmäßiger gestalten? Und da ist natürlich auch das Thema »Smart Meter«, also intelligente Zähler, von großer Bedeutung, damit Menschen billig Strom zu Zeiten nutzen können, in denen der Strom anderweitig nicht gebraucht wird, aber verfügbar ist. Und damit können private Nutzer auch einen großen Beitrag dazu leisten, dass die Energiewende gut gelingt.

 

Letztes Jahr haben Sie auf der CeBIT die wichtige Rolle von Datenschutz und Sicherheit angesprochen – zum Beispiel für Energieversorgung, Verkehr oder Gesundheitswesen. Wie denken Sie über die jüngsten Hackerangriffe beispielsweise im Gesundheitswesen oder in Kommunen? Muss Deutschland für mehr Datensicherheit sorgen?

Wir müssen alle für Datensicherheit sorgen; die Regierung muss das tun, aber die Unternehmen selbst müssen auch wachsam sein. Deshalb brauchen wir hier auch das Thema Datensicherheit in der Wirtschaft in ganz besonderer Weise. Wir haben das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik, das BSI, das hier versucht, auch ein guter Partner für alle zu sein und die notwendigen Erneuerungen auch immer wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Denn wir wissen: Die Software derer, die Cyberkriminalität ausüben, wird immer komplizierter, immer schwieriger zu entdecken und damit auch immer gefährlicher. Es reicht nicht, nur in Deutschland zu arbeiten. Wir werden als Regierung zwar unsere Cyberstrategie überarbeiten, aber wir müssen auch europäisch vernetzt sein. Deshalb gibt es bei Europol einen Cyberbekämpfungs-Zentrum – und auch bei Interpol ein solches Zentrum in Singapur. Die internationale Zusammenarbeit, auch der internationale Austausch, ist hier von allergrößter Bedeutung.