Die neue Macht der Verbraucher

Illustration: Absmeier, TheDigitalArtist

Kommentar zum Europäischen Datenschutztag.

Der 28. Januar ist Europäischer Datenschutztag. In diesem Jahr steht er erstmals unter dem Zeichen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Zu diesem Anlass beschreibt Roger Scheer, Vice President DACH bei Veritas Technologies, wie sehr sich die Wahrnehmung von Privatanwendern und Unternehmen bei Datenschutz und Privatsphäre seit der Einführung der DSGVO verändert hat.

»Das Jahr 2018 markiert einen radikalen Wandel für den Datenschutz auf der ganzen Welt. Jahrelang wurden personenbezogene Informationen ohne Kenntnis oder Zustimmung der Verbraucher weitergegeben, nachverfolgt und analysiert. Seit Einführung der DSGVO können EU-Bürger ihre Daten nun wesentlich strenger kontrollieren.

Über Jahre haben Unternehmen weder den Wert ihrer Daten richtig eingeschätzt noch die Risiken, Daten falsch zu handhaben oder gar zu verlieren. Die neuen Datenschutzbestimmungen waren ein längst notwendiger Weckruf, nicht nur wegen drohender Bußgelder. Firmen sollten verstehen, dass sie ihre Reputation stark beschädigen, wenn sie mit den Daten von Verbrauchern verantwortungslos umgehen.

Das zeigt eine weltweite Umfrage von Veritas, laut der deutsche Verbraucher Unternehmen bei einem verantwortungslosen Umgang mit ihren Daten abstrafen, indem sie etwa zu einem Konkurrenten wechseln oder negative Bewertungen abgeben. Ebenso rufen sie unter Umständen Freunde und Familienmitglieder zu einem Boykott des Unternehmens auf.

Wer die Loyalität seiner Kunden nicht aufs Spiel setzen will, sollte seine Daten umfassend und ihrem Wert entsprechend verwalten. Die Vorteile eines solchen effizienten Datenmanagementkonzepts zeigen sich in vielen Facetten: Der Kundenservice lässt sich auf regelkonforme Weise persönlicher gestalten und verbessern, innovative Geschäftsmodelle entstehen und eröffnen neue Einnahmequellen. Nicht zuletzt sind Verbraucher gewillt, Unternehmen für solche Investitionen zu belohnen: Etwa die Hälfte (51 Prozent) der deutschen Verbraucher gibt an, mehr Geld bei Unternehmen auszugeben, denen sie in Sachen Datenschutz vertrauen. Und mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Konsumenten ist bereit, bis zu 25 Prozent mehr bei Unternehmen auszugeben, die den Datenschutz ernst nehmen.

Um diesen ganz neuen Wert der Daten zu nutzen, kommt es nicht nur darauf an, sie richtig zu schützen und zu sichern. Unternehmen müssen einen Überblick darüber gewinnen, welche Daten sie überhaupt besitzen, wo sich diese befinden, wer darauf Zugriff hat und wie schnell sie herausgegeben werden können. Sie müssen in der Lage sein, große Mengen digitaler Daten automatisch zu scannen und zu klassifizieren. Nur wer eine Landkarte seiner Daten besitzt, weiß zu jeder Zeit, wo sich welche Daten befinden und wie er sie bei Bedarf fristgerecht abrufen kann.

Dabei hilft neben kluger Technologie eine Unternehmenskultur, die digitale Kompetenzen und Verantwortung der Mitarbeiter fördert. Hier herrscht in Deutschland noch Nachholbedarf: Eine überwältigende Mehrheit (91 Prozent) der Unternehmen erklärt, dass ihre Organisation noch keine Kultur pflegt, die ein adäquates Datenmanagement fördert. Wenn Technologie, Prozesse und Menschen gut aufeinander abgestimmt sind, können Unternehmen dank klugen Datenmanagements den Wert ihrer Daten voll auszuschöpfen, das Vertrauen von Kunden gewinnen und dank des neuen Wissens der Konkurrenz voraus sein.«

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