Energieeffizienz: Die Rechenzentrumsbranche und die Notwendigkeit der Transparenz

Illustration Absmeier foto freepik

Das PeerDC-Projekt als Katalysator für transparente und nachhaltige Rechenzentren.

Die Rechenzentrumsbranche steht vor einer beispiellosen Herausforderung: die Verbesserung der Energieeffizienz und der Klimabilanz. Das PeerDC-Projekt, initiiert vom Umweltbundesamt, hat sich zur Aufgabe gemacht, ein öffentliches Register für die Energieeffizienz von Rechenzentren zu schaffen. Doch warum ist Transparenz in diesem Bereich so wichtig?

 

Um die Bedeutung der Transparenz in der Rechenzentrumsbranche zu verstehen, lohnt es sich, die Mechanismen hinter der Energieeffizienz genauer zu betrachten. Klare und verlässliche Kennzahlen sind nicht nur ein Instrument zur Selbstkontrolle für die Betreiber, sondern auch ein entscheidender Faktor für Kunden, die nachhaltige Lösungen suchen. In diesem Kontext gewinnt das PeerDC-Projekt an Bedeutung, da es eine standardisierte Methode zur Bewertung und Kategorisierung von Rechenzentren bietet. Beteiligt an dem Projekt sind neben der German Datacenter Association (GDA) das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, das Ökoinstitut e.V., die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und die Vogel IT-Medien GmbH.

Kennzahlen wie PUE (Power Usage Effectiveness) und REF (Renewable Energy Factor, Anteil an erneuerbaren Energien) sind entscheidend für die Bewertung der Energieeffizienz eines Rechenzentrums. Das PeerDC-Projekt hat bereits eine Methode zur Kategorisierung von Rechenzentren entwickelt, die als Grundlage für ein Bewertungssystem dient. Diese standardisierten Kennzahlen ermöglichen eine objektive Beurteilung der Energieeffizienz und bieten somit eine verlässliche Grundlage für Entscheidungen sowohl auf Betreiber- als auch auf Kundenseite. Durch die Veröffentlichung dieser Daten in einem öffentlichen Register wird eine neue Ebene der Transparenz geschaffen, die es ermöglicht, die tatsächliche Leistung und Nachhaltigkeit der Rechenzentren zu bewerten.

Wer hat Zugang zu den Daten?

Die Frage der Datenzugänglichkeit stellt einen zentralen Aspekt im Kontext des PeerDC-Projekts dar. Ein öffentliches Register für die Energieeffizienz von Rechenzentren würde weitreichende Implikationen haben, die über die einfache Sammlung von Daten hinausgehen. Durch die Veröffentlichung von Kennzahlen wie PUE und REF in einem öffentlichen Register entsteht eine neue Ebene der Transparenz, die es allen Interessengruppen ermöglicht, die Leistung und Nachhaltigkeit der Rechenzentren objektiv zu bewerten.

Ein solches Register würde nicht nur einen fairen und transparenten Vergleich zwischen verschiedenen Rechenzentren ermöglichen, sondern auch den Wettbewerb in Richtung umweltfreundlichere und energieeffizientere Rechenzentren fördern. In einer Branche, in der die Energieeffizienz immer mehr an Bedeutung gewinnt, könnte dies ein entscheidender Faktor für den Markterfolg sein. Unternehmen, die in der Lage sind, hohe Standards in Bezug auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit nachzuweisen, könnten sich als Marktführer positionieren und von einem verbesserten Markenimage profitieren. Auch für Betreiber, die die Umweltverträglichkeit und den effizienten Betrieb ihres Rechenzentrums durch eine unabhängige Prüfung, wie z. B. dem Blauen Engel (ZU 228) oder andere Prüforganisationen, bestätigen lassen wollen, ist die Erhebung entsprechender Kennzahlen und die Einhaltung von Grenzwerten ohnehin Voraussetzung.

Darüber hinaus würde ein öffentliches Register auch den Kunden von Rechenzentren zugutekommen. Mit Zugang zu verlässlichen und standardisierten Daten könnten potenzielle Kunden besser informierte Entscheidungen treffen, die sich an der Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz der Rechenzentren orientieren. Diese könnte insbesondere für Unternehmen von Bedeutung sein, die selbst hohe Nachhaltigkeitsziele verfolgen und deren Wahl des Rechenzentrumsanbieters in Einklang mit diesen Zielen stehen muss.

Synergien zwischen EnEfG und PeerDC-Projekt

Ohnehin ist die Einführung eines solchen Registers in Zukunft unvermeidlich. Denn das neue Energieeffizienzgesetz (EnEfG) sieht die Notwendigkeit eines solchen Registers vor, was die Dringlichkeit der Implementierung eines transparenten und öffentlich zugänglichen Systems zur Bewertung der Energieeffizienz von Rechenzentren unterstreicht. In diesem Sinne dient das PeerDC-Projekt als wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und transparenteren Rechenzentrumsbranche. Das bevorstehende EnEfG wird festlegen, welche Rechenzentren Berichtspflichten haben und welche Kennzahlen erfasst werden müssen.

Der Climate Neutral Data Center Pact als weiterer Meilenstein

Der Climate Neutral Data Center Pact stellt eine signifikante Initiative dar, die weitreichende Auswirkungen auf die Rechenzentrumsbranche haben könnte. Dieser Pakt, dem auch Prior1 angehört, ist nicht nur ein Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit, sondern ein konkretes Ziel: Bis zum Jahr 2030 soll die gesamte Branche klimaneutral wirtschaften. Das ist ein ambitioniertes Vorhaben, das die Zusammenarbeit und das Engagement aller beteiligten Unternehmen erfordert.

Ein öffentliches Register, wie es das PeerDC-Projekt vorsieht, würde in diesem Kontext eine Schlüsselrolle spielen. Es würde die Einhaltung der im Pakt festgelegten Selbstverpflichtungen nicht nur sichtbar, sondern auch überprüfbar machen. Dies ist von immenser Bedeutung, da Transparenz und Verlässlichkeit in der heutigen, von Daten getriebenen Welt, unerlässlich sind. Ein öffentliches Register würde somit als eine Art »Wahrheitsprüfung« fungieren, die sicherstellt, dass die im Pakt gemachten Versprechen nicht nur leere Worte bleiben.

Darüber hinaus würde ein solches Register die Glaubwürdigkeit der am Pakt beteiligten Unternehmen erheblich stärken. In einer Zeit, in der Kunden und Stakeholder immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung legen, könnte dies einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen. Unternehmen, die ihre Selbstverpflichtungen erfüllen und dies durch transparente Daten belegen können, würden nicht nur ihr Markenimage verbessern, sondern könnten auch von finanziellen Anreizen in Form von Subventionen oder steuerlichen Vorteilen profitieren.

Insgesamt betrachtet, fungiert der Climate Neutral Data Center Pact als ein wichtiger Katalysator für Veränderungen innerhalb der Rechenzentrumsbranche. In Kombination mit einem öffentlichen Register zur Überwachung der Energieeffizienz könnte dieser Pakt einen Wendepunkt darstellen, der den Weg für eine nachhaltigere und verantwortungsvollere Zukunft ebnet.

Widerstand gegen Transparenz: Ein Dilemma

Trotz der offensichtlichen Vorteile und der dringenden Notwendigkeit eines öffentlichen Registers für die Energieeffizienz von Rechenzentren, stößt dieses Vorhaben auf Widerstand. Die Bedenken sind vielfältig und reichen von Datenschutzfragen bis hin zu wirtschaftlichen Interessen der beteiligten Unternehmen. Einige befürchten, dass die Veröffentlichung von Daten die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könnte, während andere den administrativen Aufwand und die Kosten für die Datenerhebung und -veröffentlichung als Hindernis sehen. Peter Radgen, Projektleiter und Professor, äußerte seine Überraschung über diesen Widerstand: »Es habe sich als sehr, sehr schwierig erwiesen.« Stefan Maier, Geschäftsführer von Prior1, fügt hinzu: »Dass man damit so große Probleme hat, erschließt sich mir nicht. Es sei denn, der Betreiber hat was zu verheimlichen.«

Es ist von entscheidender Bedeutung, die Bedenken und Widerstände ernst zu nehmen, aber sie dürfen nicht dazu führen, dass die Implementierung eines öffentlichen Registers verzögert oder gar verhindert wird. Die Vorteile für die Branche, die Kunden und letztlich für die Umwelt sind zu groß, um ignoriert zu werden. »Es kann sich eine Art Wettbewerb zwischen den Unternehmen um die Effizienz ihrer Rechenzentren entwickeln, was aus Sicht des Klimaschutzes begrüßenswert wäre. Betreiber bekommen die Möglichkeit, die Effizienz ihres Rechenzentrums mit der von anderen Anbietern in der gleichen Leistungsklasse zu vergleichen und so zu sehen, wo sie aktuell stehen. Im besten Fall entsteht ein Erfahrungs- und Know-how-Austausch zwischen den Unternehmen«, sagt Martin Weber, Berater bei Prior 1. »Ich denke aber, dies wird die Wettbewerbslandschaft nicht maßgeblich verändern. Ich kann mir allerdings schon vorstellen, dass einzelne Kunden von Rechenzentrums-Dienstleistungen in Zukunft das Register im Rahmen ihrer Entscheidung für einen Anbieter als Entscheidungshilfe heranziehen und den Anbieter entsprechend auswählen werden.«

Fazit: Gemeinsame Ziele für eine nachhaltige Zukunft

Das PeerDC-Projekt hat wichtige Fortschritte in der Energieeffizienz von Rechenzentren erzielt und einen Prototyp für ein öffentliches Register entwickelt. Diese Errungenschaften sind ein Meilenstein für die Branche, die nun aktiv diese Fortschritte unterstützen sollte. Ein solches Register ist nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, um Transparenz und Wettbewerb zu fördern.

Zukünftige regulatorische Entwicklungen, wie die anstehende Überarbeitung der EU-Richtlinie und mögliche Änderungen im deutschen Energieeffizienzgesetz (EnEfG), könnten zusätzlichen Anpassungsbedarf mit sich bringen. Insbesondere die geplante Anhebung der Nennanschlussleistung und die Senkung des PUE-Grenzwerts stellen neue Herausforderungen dar.

Mit dem Abschluss des PeerDC-Projekts steht eine Lösung für ein Energie-Effizienzregister in Aussicht. Trotz einiger Widerstände wäre die Umsetzung dieser Ergebnisse aus vielerlei Gründen begrüßenswert. Es ist entscheidend, dass alle Akteure gemeinsam für den Klimaschutz handeln, um eine nachhaltige Zukunft für die Rechenzentrumsbranche und die Gesellschaft zu schaffen.

Stefan Maier, Geschäftsführer bei Prior1

Bild (© Prior1)