Entrepreneure wollen wieder mehr Mitarbeiter einstellen

cover (c) ernst young disruption job creation

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  • 59 Prozent der Entrepreneure weltweit – und damit mehr als doppelt so viele wie Großunternehmen – gehen davon aus, dass sie ihren Personalbestand 2016 aufstocken werden.
  • Disruptive und innovative Unternehmen stellen deutlich schneller neue Mitarbeiter ein als der Rest der befragten Unternehmen.
  • Organisches Wachstum ist für Entrepreneure in diesem Jahr eine klare Priorität.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Entrepreneure in diesem Jahr neue Mitarbeiter einstellen, ist doppelt so hoch wie bei Großunternehmen. Das zeigt der »Global Job Creation Survey 2016«, eine Umfrage unter fast 2.700 Entrepreneuren weltweit [1].

Die Studie zeigt außerdem, dass der Personalbestand in disruptiven Unternehmen (die einige oder alle in ihrer Branche geltenden Regeln auf den Kopf stellen) und innovativen Unternehmen (die im vergangenen Jahr ein komplett neues Produkt oder eine innovative Dienstleistung auf den Markt gebracht haben) deutlich schneller wächst als in traditionellen Unternehmen. Die Umfrage wurde vor der Wahl des EY World Entrepreneur Of The YearTM durchgeführt.

Peter Englisch, Partner bei EY: »Die Entwicklung disruptiver Technologien hat dazu geführt, dass einzelne Unternehmen einen tiefgreifenden Wandel erfahren und vollkommen neue Branchen entstehen. Vor diesem Hintergrund nehmen Entrepreneure eine Vorreiterrolle im Hinblick auf die weltweite Schaffung von Arbeitsplätzen ein. Außerdem gelingt es ihnen oftmals besser als ihren etablierten Wettbewerbern, wirtschaftliche und politische Unsicherheiten zu bewältigen. Die neuen Technologien verändern auch einige der grundlegendsten Aspekte, wie wir Geschäfte betreiben. Diese Entwicklung wird Einfluss darauf haben, welche Fähigkeiten und Qualifikationen künftig benötigt werden und welche neuen Geschäftsideen realisiert werden. Und sie wird sich auf unsere Bildungssysteme und die regulatorischen Rahmenbedingungen auswirken.«

Vertrauen in die Wirtschaft fördert die Bereitschaft von Unternehmen in aller Welt, mehr Personal einzustellen

Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der befragten Entrepreneure in zwölf Schlüsselmärkten gehen davon aus, dass sie ihren weltweiten Personalbestand in den kommenden zwölf Monaten erhöhen werden. 2015 hatten noch 47 Prozent entsprechende Pläne geäußert. Ein Vergleich mit dem aktuellen Capital Confidence Barometer von EY zeigt, dass damit zudem der Anteil der Entrepreneure, die in diesem Jahr Mitarbeiter einstellen wollen, mehr als doppelt so hoch wie der Anteil der Großunternehmen (28 Prozent).

Unterm Strich rechnen die Entrepreneure damit, dass die Beschäftigung in ihrem Unternehmen in diesem Jahr weltweit um 9,3 Prozent steigen wird. Von den neuen Mitarbeitern sollen voraussichtlich 12 Prozent junge Berufseinsteiger sein.

grafik ey workforce corporations vs entrepreneurs

In Indien, China und Brasilien ist der Anteil der Entrepreneure, die einen Personalanstieg erwarten, am höchsten. In China liegt die Wachstumsrate mit 8,5 Prozent allerdings unter dem weltweiten Durchschnitt. Frankreich, Kanada, Großbritannien und die USA folgen im Hinblick auf die Einstellungserwartungen dicht dahinter, wobei Entrepreneure in Großbritannien mit 10,5 Prozent die Spitzenposition unter den Industrieländern einnehmen. Bei den Entrepreneuren im Mittleren und Nahen Osten/Nordafrika (MENA-Region), in Japan und in Sub-Sahara-Afrika (SSA-Region) ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese ihre Mitarbeiterzahlen im kommenden Jahr erhöhen werden, am geringsten.

Triebfeder für diese verstärkte Einstellungspolitik ist das robuste Vertrauen in die Entwicklung der Inlands- und der Weltwirtschaft, das insgesamt leicht auf 72 Prozent beziehungsweise 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Allerdings sind zwischen den Ländern und Regionen interessante Abweichungen zu beobachten. Das Vertrauen sowohl in die Binnen- wie auch die Weltkonjunktur ist in den USA, Großbritannien, Kanada, Brasilien, Frankreich und Australien gestiegen. In China, Indien, der SSA-Region, Deutschland und Japan hingegen zeigt der Trend nach unten.

Disruption und Innovation wirken sich positiv auf die Unternehmen und den Arbeitsmarkt aus

Je stärker Unternehmen auf disruptive und innovative Technologien fokussiert sind, desto mehr und desto schneller stellen sie neue Mitarbeiter ein, so das Ergebnis der Studie.

Bei den Unternehmen, die ihre disruptiven Geschäftsmodelle am radikalsten umsetzen – das sind 17 Prozent der Befragten, die angaben, alle oder einen Großteil der Regeln in ihrer Branche revolutioniert zu haben – ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihren Personalbestand 2016 erhöhen, um 58 Prozent höher als bei ihren etablierten Konkurrenten. Mit 18 Prozent ist das Mitarbeiterwachstum dieser Unternehmen auf Nettobasis doppelt so hoch wie das durchschnittliche weltweite Wachstum.

Selbst wenn man die Unternehmen hinzurechnet, die lediglich »einige« der Regeln auf den Kopf stellen, zeigt sich die positive Auswirkung der Disruption deutlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Unternehmen ihren Mitarbeiterbestand aufstocken, ist um 46 Prozent und damit immer noch deutlich höher als bei konventionellen Unternehmen. Und mit 12 Prozent liegt auch der Nettoanstieg der Mitarbeiterzahl über dem weltweiten Durchschnitt von 9 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass Disruption jeglicher Art das Mitarbeiterwachstum positiv beeinflusst.

Weltweit gibt es in der MENA-Region (70 Prozent), Indien (64 Prozent), Sub-Sahara Afrika (60 Prozent), Australien und Großbritannien (jeweils 57 Prozent) mehr disruptive Entrepreneure als anderswo.

Innovative Entrepreneure – Unternehmen, die von sich sagen, sie hätten im vergangenen Jahr ein vollkommen neues Produkt oder eine innovative Dienstleistung geschaffen – haben ähnlich ambitionierte Einstellungspläne. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihren Mitarbeiterbestand im kommenden Jahr erhöhen werden, ist um 95 Prozent höher als bei Unternehmen, die keine neuen Produkte oder Dienstleistungen entwickelt haben. Ihr Nettostellenwachstum liegt mit 18 Prozent wie das von disruptiven Unternehmen ebenfalls über dem weltweiten Durchschnitt.

Uschi Schreiber, Global Vice Chair des Bereichs Markets von EY, konstatiert: »Die Zahlen belegen, was wir schon seit einiger Zeit wissen: Die meisten Entrepreneure sind erfolgreich, indem sie den Status Quo in Frage stellen, die etablierten Unternehmen herausfordern und die Grenzen von Wirtschaftssektoren und Branchen neu definieren. Ermutigend ist, dass diese disruptiven Unternehmen in einem dynamischen und von tiefgreifenden Veränderungen geprägten Geschäftsumfeld für Wachstum sorgen, Chancen erkennen und realisieren und bestehende Branchen- und Sektorengrenzen dabei häufig außer Acht lassen.

Unserer Meinung nach könnten die Ergebnisse ein Warnsignal für Unternehmen sein, die sich Innovationen, Veränderungen oder radikalen Neuerungen verschließen. Sie riskieren, von disruptiven Konkurrenten abgehängt zu werden, die sich, wie wir aus der Umfrage ersehen können, ganz gezielt die Talente an Bord holen, die sie benötigen, um neue Kunden zu gewinnen und ihr Wachstum voranzutreiben. Die Politik ist gefordert, verstärkt für ein Umfeld zu sorgen, in dem innovative und disruptive Unternehmen gedeihen können.«

Junge Entrepreneure sind disruptiver, ältere Entrepreneure hingegen innovativer

Das Alter der Entrepreneure beziehungsweise der Unternehmen hat ebenfalls einen Einfluss darauf, wie disruptiv ein Unternehmen ist: 65 Prozent der Entrepreneure, die jünger als 35 Jahre sind, sind »disruptiv«, verglichen mit lediglich 27 Prozent der Entrepreneure, die 55 Jahre oder älter sind. Das gleiche gilt für jüngere Unternehmen, bei denen die Wahrscheinlichkeit deutlich größer ist, dass sie am disruptivsten sind: 59 Prozent der Start-up-Unternehmen, die weniger als fünf Jahre bestehen, können als disruptiv eingestuft werden, verglichen mit nur 27 Prozent, die bereits seit mehr als 25 Jahren am Markt etabliert sind.

Im Gegensatz zur Disruption sind Ideenreichtum und Innovationskraft keine Frage des Alters – tatsächlich weist die Altersgruppe 65+ die meisten innovativen Entrepreneure auf.

Organisches Wachstum wird der Schlüssel zum Erfolg von Entrepreneuren sein

Organisches Wachstum wird als Schlüssel zum Erfolg betrachtet. So berichtete fast die Hälfte (46 Prozent) der Entrepreneure, die ihr Geschäft in den vergangenen zwölf Monaten weiter ausgebaut haben, dass dies in erster Linie auf organisches Wachstum zurückzuführen sei.

Nicht Fusionen und Akquisitionen, sondern die Generierung neuer Geschäfte sehen Entrepreneure im kommenden Jahr als ihre oberste Priorität und größte Herausforderung. Fast die Hälfte (48 Prozent) räumen der Identifizierung, Gewinnung und Betreuung neuer Kunden Priorität ein, 27 Prozent sogar höchste Priorität, und 30 Prozent sehen darin eine Wachstumschance. Gleich danach wurden die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen (34 Prozent) und die Anwerbung neuer qualifizierter Mitarbeiter (32 Prozent) als Wachstumsprioritäten genannt. Nur 15 Prozent betrachten Fusionen und Übernahmen oder Allianzen in diesem Jahr als Wachstumspriorität, und für ganze 3 Prozent rangieren diese an erster Stelle der Prioritäten. Dies steht in starkem Kontrast zu größeren Unternehmen, von denen laut dem Capital Confidence Barometer von EY die Hälfte im kommenden Jahr eine Fusion oder Übernahme plant und 40 Prozent eine Allianz erwägen.

Peter Englisch fasst es so zusammen: »Entrepreneure üben eine Pilotfunktion aus, indem sie dazu beitragen, den Nutzen der Disruption durch die Arbeitsplätze und den Wohlstand, die sie schaffen, die neuen Produkte und Dienstleistungen, die sie produzieren, und die Art und Weise, in der sie Kreativität und Wettbewerb fördern, zu realisieren.

Wir wissen von unserer Arbeit mit Entrepreneuren aus aller Welt, dass sie die besten Chancen auf Erfolg haben, wenn sie in einem gut funktionierenden unternehmerischen Ökosystem tätig sind. Ob sie nun organisches oder anorganisches Wachstum anstreben, Entrepreneure benötigen ein Umfeld, in dem Regierungen, große Konzerne und junge Unternehmen eng zusammenarbeiten können, um optimale Bedingungen für ein florierendes Unternehmertum.

[1] Download der Studie: https://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/ey-job-creation-survey-2016/$FILE/ey-job-creation-survey-2016.pdf


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