Prozessindustrie: Erhebliche Einsparpotenziale bei Energie und Schadstoffemissionen möglich

Die EU-Kommission hat kürzlich ein Maßnahmenpaket präsentiert, um eine CO2-Reduzierung für alle Industriebereiche in Europa zu beschleunigen. Die neuen Vorschläge sind Teil eines umfangreichen Maßnahmenprogramms mit einer verbindlichen Zielvorgabe, bis 2030 Emissionen in der EU um mindestens 40 % im Vergleich zu 1990 zu senken. Experten empfehlen, sich spätestens jetzt mit dem Einsparpotenzial von Energie und Schadstoffemissionen in der Prozessindustrie zu befassen.

Vorreiter Baubranche: Einmal investieren – jährlich sparen 

Unter den Branchen, die am Emissionshandel teilnehmen, sind vor allem in der Baubranche erhebliche Emissions-Einsparpotenziale möglich: Gebäude verursachen 40 % des Energieverbrauchs und mehr als ein Drittel des CO2-Austoßes in der EU. Während Neubauten im Allgemeinen weniger als 3 bis 5 Liter Heizöl pro m2 jährlich benötigen, verbrauchen ältere Gebäude im Schnitt etwa 25 Liter; manche Gebäude sogar bis zu 60 Liter. Gegenwärtig sind in der EU etwa 35 % der Bestandsgebäude über 50 Jahre alt. Eine verbesserte Energieeffizienz von Gebäuden könnte den Energieverbrauch in der EU um 5-6 % und die Emissionen um etwa 5 % senken.

Was die Prozessindustrie von der Baubranche lernen kann

In puncto Reduzierung von Energieverbrauch und CO2-Emissionen verfolgen Prozessindustrie und Bausektor gemeinsame Ziele: Beide Sparten suchen nach zukunftsfähigen Lösungen, die durch Minimierung der Wärmeverluste den Energiebedarf senken. In der aktuellen Studie »Klimaschutz mit kurzen Amortisationszeiten – Energie- und CO2-Einsparpotenzial von Industrie-Dämmungen in der EU« [1] der European Industrial Insulation Foundation (EIIF) wird das mögliche Einsparpotenzial in der Prozess-Industrie dargestellt. Der gemeinnützigen Organisation zufolge hängen die Energie- und CO2-Einsparmöglichkeiten maßgeblich von einer optimierten Dämmung in industriellen Anlagen ab. Allerdings wird dieses Einsparpotenzial trotz kostengünstiger Umsetzung und kurzer Amortisationszeit nicht ausgeschöpft.

Der Bericht behandelt verschiedene Fallstudien, in denen TIPCHECK-Energiebilanzen durchgeführt wurden. In einer französischen Chemiefabrik verursachten 30 Ventile und 35 Speichertankdächer, die nicht gedämmt waren, einen jährlichen Wärmeverlust von 12.600 MWh. Eine Investition von 100.000 € (inkl. Evaluierung, Montage und Material) erzielte im ersten Jahr eine Ersparnis von 405.000 € und in den darauffolgenden Jahren von 505.000 €.

Zentrales Thema der Studie ist die Messung des Einsparpotenzials für Energie- und Emissionsreduktionen in der EU. Die EIIF schätzt, dass sich ca. 620 PJ des jährlichen Energiebedarfs einsparen und der Ausstoß von CO2 um 49 MT allein dadurch verringern ließen, wenn Fabriken europaweit optimierte Dämmlösungen und -systeme nutzen würden, indem etwa freiliegende Oberflächen gedämmt und beschädigte Isolierungen repariert würden. Das jährliche Einsparpotenzial entspräche dem Jahresenergieverbrauch der gesamten niederländischen Industrie, während das jährliche CO2–Einsparpotenzial dem CO2-Ausstoß von 18 Millionen Mittelklasse-Fahrzeugen mit einer jährlichen Fahrleistung von 12.500 km gleichzusetzen wäre.

Tipcheck-Ingenieure zeigen Einsparpotenziale auf

Tipcheck ist eine Zusatzqualifikation für Dämmspezialisten, die bei der Bewertung der Dämmsysteme bestehender Anlagen sowie bei der Planung von Neu- oder Umbauprojekten beratend zur Seite stehen und aufzeigen, wie durch den Einsatz von Dämmlösungen Energiekosten gespart werden können und durch reduzierte CO2-Emissionen ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet wird.

[1] https://www.eiif.org/awm/downloads/EiiF_ClimateProtectionWithRapidPayback_DE_online.pdf
Paroc hat mehrere Tipcheck-Ingenieure ausgebildet, die als Berater mögliche Energiesparpotenziale aufzeigen.

grafik-eiif-org


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