SaaS – der Markt wird erwachsen und stetig attraktiver

Der SaaS-Markt besitzt den größten Anteil der Public-Cloud-Spendings und zeigt dabei deutlich, dass Anwenderunternehmen aus der Cloud am liebsten einen vollgemanagten Service ohne Betriebsverantwortung präferieren.

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Abbildung: SaaS Potenzials. Quelle: Experton Group AG.

Bei der Nutzung spezifischer Anwendungen aus der Public Cloud haben Groupware-Lösungen (wie E-Mail und Kalender), CRM-Applikationen und Communications bisher mit Abstand den höchsten Nutzungsgrad erreicht. Als moderat kann man den gegenwärtigen Nutzungsgrad von Collaboration-Anwendungen, Security as a Service und branchen-spezifischen Lösungen ansehen. Weit zurück hinkt dagegen die aktuelle Nutzung aus der Public Cloud bei Office-Anwendungen, ERP und Analytics/Big-Data-Lösungen.

Die größten Wachstumsraten in der Public-Cloud-Nutzung sind bei Collaboration-Lösungen, Communications und Security as a Service zu erwarten. Hier liegen die Vorteile für Anwender in der Zusammenarbeit und Kostenreduzierung klar auf der Hand. Diese Anwendungen werden allerdings im Zuge des zunehmenden Prozessverständnisses und API-Managements sowie der Kommunikation von SaaS-Vorteilen zu CRM und Groupware-Applikationen aufschließen. Bei branchenspezifischen Lösungen, Office-Anwendungen, ERP und Big Data Analytics fallen die Zuwachsraten in der Public-Cloud-Nutzung dagegen wesentlich moderater aus.

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Der Nutzungsgrad der Public Cloud für Software as a Service (SaaS) ist im Business-Umfeld als moderat einzustufen und erlangt aktuell ein Volumen von 4,5 Milliarden Euro in Deutschland, das sind etwa 18 Prozent des Softwaremarkts, der noch über 25 Milliarden Euro groß ist, entspricht. Dieser alteingesessene und noch riesige Markt, mit vielen Branchenlösungen und etablierten Anbietern, ist allerdings im Wandel und verliert zunehmend an Attraktivität – das Wachstum stagniert und zeigt den Wandel mit einer gewissen Verzögerung. Der Wandel geht dabei auf SaaS-Seite exponentiell vonstatten und sorgt dafür, dass im Mittelstand gegen 2020 der Scheidepunkt in dem Kräftemessen von Ausgaben für klassische ERP-Software vs. SaaS im Bereich ERP-Gesamt zu erwarten ist.

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Abbildung: Ausgabenverhältnisse ERP. Quelle: Experton Group AG.

ERP-Markt Zwischenfazit:

Der Einsatzgrad steigt über alle Branchen kontinuierlich. Dabei wächst das Angebot stetig und vor allem ERP-Anbieter bieten immer reichhaltigere Funktionen und kommen damit stärker dem Kundenwunsch nach integrierten aber modularen ERP-Systemen nach. Die Welt ist längst nicht mehr schwarz oder weiß, tendiert aber dazu sich schneller als noch vor kurzer Zeit angenommen zu verändern. Monolithische Softwaresysteme sind inzwischen absolut out, weil sie starr und nicht selten derart stark gecustomized sind, dass sie aus dem Standard-Support gelaufen sind und nicht mehr den Ansprüchen junger und emporstrebender Führungskräfte entsprechen. Die Systeme können vielen Fällen durch kleine und somit leichter überschaubare Speziallösungen ersetzt werden beziehungsweise in alternativer Form »leicht verdaulich« und auf individuelle Wünsche zugeschnitten werden und aus einer sicheren und performanten Cloud »konsumiert« werden.

Teil 2 dieses SaaS-Beitrags wird in zwei Wochen erscheinen und tiefer auf den ERP-Markt und die Situation im deutschen Mittelstand eingehen.

Bottom Line (ICT-Anwenderunternehmen):

Viele Anwenderunternehmen evaluieren SaaS-Lösungen und erkennen die Vorteile des wartungsfreien und voll gemanagten Betriebs. Cloud- beziehungsweise im Detail betrachtet ERP-SaaS-Plattformen können die Schnittstelle zwischen Produkte (Maschinen), Daten, Unternehmensanwendungen und Endgeräten bilden und erlauben überhaupt erst den Aufbau einer sog. Smart Factory für autonome Machine-2-Machine- (M2M-) Kommunikation. Ferner ist am Beispiel des Handels klar und deutlich zu erkennen, dass Unternehmen mehr denn je gezwungenen sind, Kunden zu jeder Zeit und an jedem Ort zu »begleiten« und in der Digital Customer Journey proaktiv zu »tracken« respektive zu beeinflussen – dies gelingt nur mit Always-on-Cloud-Systemen.

Die Treiber für SaaS sind bspw. der Zugewinn an Flexibilität, der orts- und zeitunabhängige Zugriff, die Erleichterung der Internationalisierung und im Fall der Service- beziehungsweise Dienstleistungsunternehmen auch die Verringerung der Verbindlichkeiten für Zeitarbeitskräfte.

SaaS ist also Business Enabler und fördert die Kompetenz und Marktstellung im Kontext der Digital Economy.

Bottom Line (ICT-Anbieterunternehmen):

Der klassische Software-Anbieter-Markt kämpft gegen Erosion. Größte Posten der Cloud Transformation sind Ausgaben zur »Cloud-Architektur-Readiness« und Implementierung. Bohrt man noch tiefer, stellt sich heraus, dass Anwender insbesondere in den Applikations-Bereichen Collaboration, Communication und CRM Budgets zur Transformation in die Cloud beziehungsweise hin zum SaaS-Modell bereitstellen.

Die Service-Branche ist durch den Zwang, Kunden zu beraten beziehungsweise zu transformieren gezwungen, sich selbst mit dem Thema Cloud zu befassen. Die Branche ist durch einen erhöhen Anteil sog. »Freelancer« gekennzeichnet und muss die Weisheit »Learning by Doing« umsetzen. Auch hier treibt das Feld Communication & Collaboration Anbieterunternehmen in die Cloud!

Fernab von einem hohen Sättigungsgrad ist der größte Einsatzgrad von SaaS-Anwendungen aus der Public Cloud im Umfeld der Großunternehmen nachzuweisen – wenn auch noch überschaubar. Dagegen steigt besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen die Nachfrage nach SaaS-Lösungen aktuell stark an.

Wichtige Startpunkte und Zugpferde für Kunden sind Kernanwendungen wie bspw.

  • Communication & Collaboration-Lösungen
  • Workplaces mit SaaS-fähigen Applikationen (mobil und stationär)
  • ERP inkl. HR- und CRM- sowie FI-Systemen
  • Projektmanagement-Tools
  • Auch exklusive Anwendungen wie bspw. Media Management im Marketing

Argumentativ sollten Anbieter auf die Notwendigkeit des Technischen Business Managements setzen, um den Wertbeitrag der IT am Geschäft beziffern zu können. Dies gelingt nur auf Basis von hoch standardisierten Applikationen. Dabei gilt es, die Herausforderung zu erkennen und zu nehmen, Anwender beim Aufbau der fehlenden Prozesstransparenz unter die Arme zu greifen, um schnell zu entscheiden, ob ein Neuanfang mit einer SaaS-Lösung sinnvoll ist oder die alte Lösung noch weiter behalten werden kann beziehungsweise muss.

SaaS (modular und plattformneutral) ist die Zukunftsabsicherung für jeden Softwareanbieter beziehungsweise Independent Software Vendor (ISV) – Kunden ziehen SaaS nun immer häufiger in Erwägung. Speziell der Mittelstand rüstet in den kommenden Jahren bis 2020 gewaltig auf.

Heiko Henkes, Director Advisor, Experton Group.

https://www.experton-group.de/home.html

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