Transformation ist konstant – nicht digital

Illustration: Geralt Absmeier

Seit einiger Zeit investieren Unternehmen Millionen in die digitale Transformation von Projekten, um die Herausforderungen der heutigen Zeit zu meistern. Jedoch kann die Transformation ins Digitale nicht als pauschaler Lösungsweg gesehen werden, um weiterhin den Anforderungen des sich wandelnden Marktes erfolgreich gewachsen zu sein. Salopp formuliert bleibt ein schlecht organisierter Prozess auch dann schlecht, wenn er digitalisiert wird. Viele Unternehmen haben noch nicht erkannt, dass es um viel mehr als eine reine »Digitalisierung« geht. Das erklärt auch, warum mehr als 80 Prozent dieser Projekte scheitern.

Zum einen mangelt es den Unternehmen an kompetenten Mitarbeitern, entsprechende Transformationen anzuleiten und umzusetzen. Zum anderen hapert es an der Artikulation des »Warum« hinter der Transformation. Viele Mitarbeiter wehren sich gegen Veränderungen aus Angst vor neuen Strukturen und Stellenabbau. Wenn die Mitarbeiter nicht engagiert sind, kann der Prozess jedoch nicht gelingen. Um eine erfolgreiche Transformation zu erreichen, braucht es eine Kultur, die den Wandel unterstützt. Dazu sind viele Unternehmen aber noch nicht bereit.

 

Auf die Transformation kommt es an

Bei all der »Digitalität«, liegt die Versuchung nahe, den Begriff gar als Pauschaldefinition anzuwenden. Doch darf man hier nicht verkennen, dass es sich statt um eine digitale Transformation vielmehr um eine sich ständig wandelnde konstante Transformation handelt. Digital ist die Transformation nicht als Selbstzweck, sondern weil Business sich nicht mehr papiergebunden oder mit handgeschriebenen Zettelchen steuern lässt.

Die besten Organisationen definieren sich heute nicht in »digital« oder »nicht-digital«, sondern lernen, sich selbst kontinuierlich zu transformieren. So waren beispielsweise General Electric früher vor allem in der Produktion von Strahltriebwerken und Großgeräten aktiv, heute entwickelt der Konzern IoT-Lösungen und verkauft Datendienste. Starbucks hat anfangs nur Kaffee verkauft. Jetzt bietet die Kette aus Seattle Finanzdienstleistungen durch mobile Zahlungen und Kreditkarten an. Netflix lieferte früher Film-DVDs. Heute sind sie einer der weltweit größten Content-Provider und Produzenten. Echter Wandel entsteht durch ständige Veränderung, nicht durch einmalige digitale Transformation als »Big Bang«. Die Technologie von heute ist nicht unbedingt die Technologie von morgen. Liegt zurzeit die Konzentration auf digitalen und mobilen Entwicklungen, so können morgen schon künstliche Intelligenz und Bio-Engineering im Fokus stehen. Kontinuierlicher Wandel muss diesen Spagat aushalten.

Verbraucher beispielsweise sind weder »digital« noch »nicht-digital« und interessieren sich auch nicht vordergründig dafür, ob ein Touchpoint oder Service digital oder nicht-digital ist. Entscheidend ist für sie vielmehr, jederzeit und überall Zugang zu Produkten und Dienstleistungen zu haben.

 

Ständige Veränderung als Herausforderung

Nicht nur Unternehmen wie Netflix und Starbucks transformieren ihre Strukturen und Prozesse, um weiterhin erfolgreich am Markt bestehen zu können. Auch die Mitarbeiter passen mit Hilfe von Schulungen, Weiterbildungen und Talentförderungen ihre Fähigkeiten veränderten Marktanforderungen an. Sie haben – wie die erfolgreichen »Big Player« – erkannt, dass ständige Veränderung die Voraussetzung dafür ist, relevant zu bleiben. Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, über ihren Horizont hinauszuschauen, um marktspezifisch entsprechend zu reagieren. Sie müssen sich von innen und außen verändern und anpassen: Unternehmen benötigen eine »Outside-In«-Relevanz, wie etwa das Lernen von Anwendern, die Mitgestaltung und die Verwendung von designorientierten Methoden. Ebenso brauchen sie eine »Inside-Out«-Relevanz, die Umschulungsprogramme, Talentförderungspläne und den Aufbau von breitgefächerten Spezialisten umfasst.

Ein Umdenken fördert das Ausprobieren, lässt Misserfolge zu und nutzt Chancen. Auch extern müssen neue Geschäftsstrategien herausgefordert und angepasst werden. Erfolgreiche Unternehmen erfinden sich neu und drehen sich alle paar Jahre. So war beispielsweise Amazon ein Online-Buchhändler, mittlerweile ist es ein Supermarkt, ein Kreditgeber für kleine Unternehmen und Schöpfer von Inhalten sowie der weltgrößte Anbieter von Cloud-Ressourcen. Uber, einst nur ein Autoservice, erfindet jetzt die Zukunft der Mobilität und verkauft Daten an Service-Communitys. Hinter dem Erfolg dieser Unternehmen steht kein ausgeklügelter Zehnjahresplan, sondern die konsequente Umsetzung einer Idee Schritt für Schritt.

 

Auch die digitale Transformation beruht auf Menschen

Die Flexibilität all dieser Entwicklungen funktioniert jedoch nur, wenn die Definition des Grundes, warum das Unternehmen das tut, was es tut, als Wert innerhalb des Unternehmens besteht. Was benötigen die Mitarbeiter, um sich zu engagieren und zur Vision des Unternehmens beizutragen? Bei der Transformation geht es auch und vor allem darum, den Mitarbeitern einen Sinn zu geben. Dazu bedarf es einer starken Führung, die den Wandel vorantreibt, sich für den Fortschritt einsetzt und gleichzeitig die einzelnen Mitarbeiter befähigt, sich mit der Vision des Projektmanagers zu verbinden.

Bestehende Strukturen und Prozesse aufzubrechen ist schwierig und geschieht nicht von heute auf morgen. Führungskräfte müssen heutzutage verstehen, dass die Transformation von Individuen (Führungskräften und Mitarbeitern) getrieben wird. Dass es sich nicht um eine digitale Transformation für einige Jahre, sondern um eine generelle immer wiederkehrende Anpassung an die äußeren Umstände und Ziele handelt. Diese erreichen sie mit motivierten, sich wandelnden und weiterbildenden Mitarbeitern. Wenn ein Umdenken in den Köpfen passiert, wird die Transformation zum Erfolg auch funktionieren. Ob mit oder ohne Digitalisierung.

Christophe Martinoli, Vice President für Continental Europe bei Wipro Limited

 

 

 


 

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