Bankenbranche vor dem Umbruch: Innovationen und Investitionen

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Die Bankenindustrie steht vor einem längeren Anpassungsprozess, an dessen Ende ein deutlich schlankerer Bankensektor mit modularen Strukturen, weniger Banken und Filialen, aber einer verbesserten Eigenkapitalrendite und effizienten Organisations- und IT-Strukturen stehen wird. Insbesondere die beiden Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank sind im radikalen Wandel.

Die Pläne der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank hat die Konzern-Digitalisierungsstrategie und das »Target Operating Model« vorgestellt. Prioritäten: Umsetzung der Private-Cloud-Nutzung von derzeit 20 Prozent auf 80 Prozent bis 2020 konzernweit, Ausbau der Mobile Banking Services, Implementierung von Smart Data / Big Data Analytics. Mitte April 2016 wurde die »Deutsche Bank Digitalfabrik« angekündigt, die im Sommer 2016 in Frankfurt starten soll. Etwa 400 Softwareentwickler und Bankexperten (interne / externe Expertise) werden an neuen digitalen Produkten und Services arbeiten (Einbindung der Deutsche Bank Innovation Labs, u.a. IBM). Insgesamt investiert die Deutsche Bank (allein) in ihrem Unternehmensbereich PW&CC bis 2020 rund 750 Millionen Euro in Digitalisierungsprojekte, davon rund 200 Millionen Euro noch in diesem Jahr.

Die Pläne der Commerzbank

Die Commerzbank will 2016 bis zu 700 Millionen Euro in IT-Projekte investieren und im Rahmen der Sourcing-Strategie (konzerneigene und externe Service Provider) die IT-Kostenstrukturen bei definierter Servicequalität optimieren. Im Fokus der Planungen stehen die Bereiche Anwendungsentwicklung und der Betrieb von Teilen der IT-Infrastruktur (Windows, Unix). Offizielle Ankündigungen werden im zweiten Halbjahr 2016 erwartet. Die Commerzbank hat Projekte zur Umsetzung des Lead-Management- und Digital-Marketing-Konzepts angekündigt (Implementierung einer Salesforce-Cloud in das bankinterne CRM-System). Die Commerzbank erwartet von ihrer neuen IT-Plattform »Group Finance Architecture« eine deutliche Kostenentlastung. Insgesamt wurden rund 300 Millionen Euro in das Projekt investiert. Im Bankensektor verschärft die Niedrigzinsphase den Bedarf nach nachhaltigen Strategien zur weiteren Kostenreduzierung. Die IT zeichnet derzeit für rund 20 Prozent der Verwaltungskosten verantwortlich und muss sich zunehmend daran messen lassen, ob sie ihre Kosten bei definierter Servicequalität im Griff hat.

Die Rolle des Cloud Computings

Banken betrachten Cloud Computing als einen nachhaltigen Optimierungshebel und als »verlängerte Werkbank«. Banken sehen die Potenziale (Entscheidungskriterien) in der Steigerung von Flexibilität, Transparenz und Skalierbarkeit sowie in Kosteneffizienz (KPI: Cost-Income-Ratio). Banken erwarten ein regulierungskonformes Cloud-Angebot. Cloud Providers müssen bei neuen Regularien und deren konkreter Anwendung anpassungsfähig bleiben (KWG, MaRisk, EZB/SSM) und werden von den Banken umfänglich in die Pflicht genommen (Beispiel: KWG-§44-Prüfungen). Die Ankündigungen von Cloud-Providern zu Services »Made in Germany« werden Cloud Banking Services neue Impulse geben. Provider mit Expertise in den Bereichen Cloud Services, Cloud Integration, Cloud Technologie sowie Banking Know-how, Governance, IT-Compliance und Security haben nachhaltig gute Marktchancen. Cloud-Provider müssen die Phasen der Transformation beherrschen (erprobtes Vorgehensmodell). Das Potenzial für Cloud Services wird sich zukünftig durch Analytics, Payment Services, Collaboration und die Integration der »Banking-Community-Portale« in die Multikanal-Architektur verstärken.

Die Aktivitäten der captive Banking Providers

Die captive Banking Providers (Finanz Informatik, Fiducia & GAD, AMOS SE, etc.) sind Treiber der Projekte in Richtung Digitalisierung und Optimierung der IT-Infrastruktur (Beispiel: AMOS SE Private Cloud-Infrastruktur) in strategischen Kooperation mit Technologieprovidern. IBM ist globaler Provider IT-Operations für die Allianz. AMOS SE hat ein »Post Transfer Integration (PTI)«-Programm implementiert. Priorität hat u.a. das »Global Operating Model«. Bei den Investitionen in Digitalisierungsprojekte (CTB) geht es auch um die Herausforderung, wie man von der traditionellen Prozessverbesserung zur Prozessinnovation (neue Wertschöpfungsketten mit Mehrwert) kommt und wie marktreife Technologien diesen Schritt unterstützen. Die Verschiebungen im Zuge der Transformation priorisieren Change-the-Bank-Projekte (CTB). Auf den Bankenmarkt fokussierte Provider sollten die strategischen Prioritäten und Entscheidungsprozesse zur Optimierung der Business Performance verstehen und sich bereits in der Planungsphase auf das budgetrelevante Management fokussieren.

Die Auswirkungen des FinTech-Marktes

FinTechs (Versicherungen: InsurTechs) verändern mit ihren digitalen Geschäftsmodellen und komplementären Services das Wettbewerbsumfeld und sind damit auch (Technologie-) Wettbewerber für traditionelle IT-Provider. Die Deutsche Bank hat die verstärkte Kooperation mit FinTechs angekündigt. Die Commerzbank hat die mit dem Main Incubator entwickelte P2P-Lending Plattform »Main Funders« angekündigt, die im Sommer 2016 an den Start gehen soll. Im Geschäftsfeld Asset Management verändert »Robo-Advisory« die Beratungsprozesse (Online-Investment-Plattform). Blockchain (Distributed Ledger Technology – DLT) und P2P Financial Systems sind die »Next Step Technology«. Die EZB äußert sich so: »DLT has a disruptive potenzial in the financial market«. Banken werden zukünftig verstärkt Teil der Industrie 4.0 (Vernetzung von Maschinen, Systemen und Geräten) durch komplett verzahnte Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Banken (Transaction Banking) bereiten ihre IT-Infrastruktur vor, indem sie API-Interfaces (Straight-through-Processing) zu Industrie-4.0-Anwendungen in der Bankarchitektur definieren (I4.0/IoT-Payments, M2M-Payments und »IoT-sensitive lease pricing«).

Arnold Wagner, Experton Group


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