Die Jobkompetenz der Zukunft ist die Kompetenz zum Umsatteln

Arbeitnehmer bringen bereits 85 % der benötigten Skills mit in den Job.

Illustration: Geralt Absmeier

Die klare Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer fühlt sich für die Veränderungen einer digitalen Arbeitswelt gerüstet. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen des Video-Recruiting-Anbieters viasto [1]. Demnach sind 84 % der Befragten sicher, auch in einer digitalen Arbeitswelt wertvolle Mitarbeiter für Arbeitgeber zu sein. Dafür zeigen sich die Befragten flexibel und stellen sich auf eine Arbeitswelt ein, in der sie mehrfach ihre Berufsfelder wechseln werden. Dreiviertel aller Arbeitnehmer (75 %) sind sogar explizit an einem solchen Berufswechsel interessiert – bei den jüngsten Kandidaten (18-29 Jahre) liegt der entsprechende Anteil gar bei 85 %. Für 60 % der Studienteilnehmer sind Veränderungen dieser Art natürliche Begleiterscheinungen des Arbeitslebens.

 

Berufswechsel: Veränderung gehört dazu

Die geringe Sorge vor Veränderung in der Arbeitswelt der Zukunft liegt auch in den Erfahrungen der Vergangenheit begründet. Denn viele Arbeitnehmer haben schon heute derartige Berufswechsel im Verlauf ihrer beruflichen Laufbahn erfolgreich gemeistert. So arbeiten aktuell bereits 42 % der über 40-Jährigen in einem Beruf, der nicht ihrer Ausbildung oder ihrem Studium entspricht. Die Hauptgründe für einen solchen Wechsel sowie für die Wechselbereitschaft insgesamt sind, neben der Auffassung, dass Wechsel zum Berufsleben dazu gehören (60 %), vor allem finanzielle Erwägungen (39 %), die Suche nach anspruchsvolleren Aufgaben (23 %) sowie Erschöpfungssymptome im alten Berufsfeld (21 %).

»Derzeit ist nahezu jeder Job in einem Wandel begriffen. Dieser Trend wird durch die Digitalisierung extrem verstärkt. Heutige Grundschüler arbeiten später einmal in Jobs, die es derzeit noch gar nicht gibt. Das erfordert Flexibilität von den Arbeitnehmern der Zukunft. Sie werden zukünftig mehr dazu übergehen, Kompetenzen während des Arbeitslebens zu entwickeln. Die berufliche oder akademische Ausbildung bereitet dafür immer weniger konkret auf den Beruf vor. Die Studie zeigt: Die Arbeitnehmer stellen sich zunehmend auf diese Entwicklung ein«, so Sara Lindemann von viasto zu den Studienergebnissen.

 

11 von 13 Kompetenzen sind bereits vorhanden

Interessant: Gemäß der Studie bringen Bewerber schon 85 % der Kernkompetenzen für einen Job mit, wenn sie bei einem Arbeitgeber anfangen. Viele Bewerber geben dementsprechend an, dass sie im Schnitt nur etwas mehr als zwei (2,04) von 13 abgefragten Kompetenzen erst im Job selbst und nicht während ihrer Ausbildung erworben haben. Spitzenreiter unter diesen wenigen ist das Fachwissen (47 %), während andere Skills wie Digitalkompetenz (20 %), analytische Kompetenz (13 %) oder Empathie (6 %) nur von wenigen Kandidaten in diesem Kontext genannt wurden.

»In diesem Teilergebnis steckt eine interessante Information für Arbeitgeber. Denn diese wählen ihre Kandidaten letztlich in erster Linie genau nach den Skills aus, die diese aus eigener Erfahrung doch erst im Job lernen. Bestes Beispiel ist die Fachkompetenz, die sich fast die Hälfte der Arbeitnehmer ›on the job‹ aneignet«, so Sara Lindemann erklärend.

Interessant der Blick auf die Bedeutung der digitalen Skills aus Sicht der Arbeitnehmer. Diese gewinnen augenscheinlich rasant an Bedeutung als unverzichtbare berufliche Fähigkeit. So wurden sie von fast der Hälfte der Befragten (45 %) für die Vergangenheit ihres Jobs als unwichtig eingestuft. Für das heutige Arbeitsleben wird sie aber bereits von 95 % der Teilnehmer als bedeutende Kompetenz eingestuft, von 53 % sogar als sehr wichtige. Für die Zukunft gehen 96 % davon aus, dass digitale Fähigkeiten notwendig sein werden. 78 % halten sie für die Arbeitswelt der Zukunft sogar für absolut unverzichtbar.

Bei einem zwar geringen, aber nicht zu vernachlässigendem Teil der Studienteilnehmer, besteht die Sorge, dass die Digitalisierung beispielsweise durch Künstliche Intelligenz negative Auswirkungen auf ihren Beruf haben könnte. Immerhin 19 % und damit fast jeder Fünfte haben Angst, dadurch in ihrem Job abgehängt zu werden. Gänzlich unbesorgt sind dagegen 40 % der Befragten – 43 % der 18 bis 29-Jährigen.

 

[1] Für die Studie befragte das Marktforschungsunternehmen respondi im Auftrag von viasto 1.045 Menschen aus allen Berufsfeldern in ganz Deutschland im Alter von 18-69 Jahren. Die Umfrage wurde im Mai 2019 durchgeführt.

 

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