Mobility: Zeit für große Schritte über das Endgerät hinaus

Es steht außer Frage, dass Enterprise Mobility als IT-Thema eine rasante Entwicklung hingelegt hat. Heute gilt Mobile Enterprise bei Top-Managern als geschäftsrelevant. Dementsprechend hohe Erwartungen an mobile Produktivität sowie die Unterstützung und Optimierung von Geschäftsprozessen werden zum größten Teil auch im Jahr 2016 noch nicht erfüllt.

Allzu oft schlagen sich IT-Abteilungen immer noch mit ungelösten Fragen zur Einführung und Verwaltung der Endgeräte herum. Die Entscheidung für Bring your own Device (ByoD) oder unternehmenseigene Geräte ist in vielen Unternehmen immer noch nicht getroffen und stört den Blick auf anstehende Verbesserungen der Prozesslandschaft über Inhalte und Applikationen.

Nach der erfolgreichen Mobilisierung einzelner Prozesse in einzelnen Abteilungen wird der nächste Schritt größer und strukturierter ausfallen müssen. Um den Geschäftsnutzen aller mobilen Mitarbeiter zu optimieren, werden zentrale Rahmenstrukturen für die Bereitstellung von Endgeräten und Anwendungen unerlässlich. Mit der Erschaffung der richtigen Rahmenbedingungen werden auch größere Unternehmen über das Jahr 2016 hinaus beschäftigt sein.

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Nachfrageentwicklung – die dritte Welle verlangt ein Konzept nach Rollen

Kernfragen betreffen dabei nicht mehr die Entwicklung von einzelnen mobilen Apps, um einzelne Abteilungen zu befriedigen. Diese lassen sich mit überschaubarem Aufwand realisieren, wenn es keine umfangreichen Integrationsanforderungen an Altsysteme gibt. Viel wichtiger ist jedoch ein umfangreiches Gesamtkonzept, um das Potenzial von Mobile Enterprise für das gesamte Unternehmen zu heben.

Die Experton Group empfiehlt ein rollenbasiertes Gesamtkonzept, um die Endnutzer bestmöglich in diese Entwicklung mit einzubeziehen.

Die Entwicklung von Mobile Enterprise verläuft in drei Wellen

Welle 1: Fokus auf Endgeräte und E-Mail-Services und zentrale Verteilung von Endgerät und Service durch die Unternehmens-IT an einen ausgesuchten Kreis von Berechtigten. Diese Welle erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 2005. Blackberry wurde zum populärsten Endgerät im Unternehmen und zum ersten Mal Marktführer mit einem Marktanteil von 20 Prozent.

Welle 2: Unternehmensweite Einführung von Smartphones, Tablets und Mobile Apps über den Corporate App Store – jedoch ohne schlüssiges Gesamtkonzept. Diese Welle wird vor allem durch »Konsumerisation« getrieben. Sie erreichte ihren Höhepunkt im September 2010, als die Verkaufserfolge von iPads permanent in die Höhe schnellten und das iPhone 4S noch vor Markteinführung an einem Tag 600.000-mal vorbestellt wurde. Fachabteilungen in vielen großen Unternehmen beschäftigen sich bereits intensiv mit mobilen Applikationen wie Mobile CRM und Mobile Service Dispatch, um die Effektivität der mobilen Vertriebsmannschaft oder des Field Services zu verbessern. Hier haben gerade kleinere Unternehmen des Mittelstandes noch Nachholbedarf. Doch die genannten Beispiele sind in den allermeisten Fällen noch isolierte Leuchtturmprojekte. Auch den großen Unternehmen fehlt es meist an einer durchgreifenden Mobile-Strategie, um die Endgeräte, Anwendungen und Sicherheitslösungen optimal an die mobilen Prozesse anzupassen.

Welle 3: Unternehmensweite Einführung einer auf Mitarbeiter in bestimmten Funktionen zugeschnittenen Komplettlösung inklusive Device und Apps und strukturierte Einführung von Apps mit dem expliziten Ziel, Unternehmensprozesse zu verbessern. Die Experton Group geht aus zwei zentralen Gründen davon aus, dass diese Welle ihren Höhepunkt 2016 erreichen wird:

Erstens: In den letzten Jahren haben nicht nur IT-Verantwortliche, sondern auch die Leiter von Fachabteilungen realisiert, dass Mobile Enterprise viel mehr bedeutet als nur Mobile Device Management (MDM) oder mobile Apps. In Fachabteilungen wurde viel Geld für die App-Entwicklung ausgegeben, ohne die notwendige Integration in die Unternehmenssysteme zu berücksichtigen. Auf der Führungsebene wächst daher die Offenheit für einen strategischen und zentralen Ansatz, solange die Bedürfnisse der Abteilungen berücksichtigt werden.

Zweitens: Die IT gerät zunehmend unter Druck, eine rasche Antwort auf die Notwendigkeit einer umfassenden Mobile-Enterprise-Strategie zu finden. Andernfalls wird sich die Lücke zwischen Erwartungen der Nutzer und Entscheider einerseits und der Bereitstellung mobiler Dienste andererseits weiter vergrößern. CIOs wissen, dass ihnen die Zeit davonrennt, die ihnen verbleibt, um die mobile Agenda der Workforce zu gestalten.

Unternehmen werden 2016 in die dritte Welle eintreten. Doch dazu bedarf es einer guten Segmentierung der professionellen Bedürfnisse der eigenen mobilen Mitarbeiter. Die Zahl der Mitarbeiter, die auf den PC ganz verzichten wollen, steigt stetig bei geringer Ausgangsbasis. Doch wenn der Laptop beziehungsweise Desktop als Backup verschwindet, reicht eine sichere Kommunikationslösung über Smartphones und Tablets als Mobile Solution einfach nicht aus. IT-Abteilungen stehen unter hohem Druck, Endgeräte mit den verschiedensten Betriebssystemen nicht nur sicher zu verwalten, sondern auch als Arbeitspferd für alles nutzbar zu machen, was im Unternehmenskontext erforderlich ist.

Mobile Enterprise Strategie: dringend benötigt – ein MUSS für 2016!

Die Experton-Group erwartet für 2016 bei vielen Unternehmen einen erhöht strategischen Ansatz zur Einführung von mobilen Diensten. Produktivitätsanwendungen werden hier ebenso Berücksichtigung finden wie Mobile Policies und die Wahl der Endgeräte. Doch eine Mobile-Enterprise-Strategie kann nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Unternehmensführung klar zur Umsetzung einer solchen bekennt und konkrete Strukturen dafür aufgebaut werden. Zur Umsetzung gehört eine Roadmap mit klar benannten Meilensteinen, ein Projekt-Office und die permanente Rückschaltung zu Top-Entscheidern.

Die wichtigste strategische Frage betrifft die neue Flexibilität der Mitarbeiter, die einen Service erbringen. Serviceleistungen können durch die Möglichkeiten von Mobile Enterprise näher am Kunden erbracht werden. Vertriebs- oder Beratungs-Teams sind beispielsweise über die Mobilisierung von Kundendaten nicht länger im Office gebunden. Administrative Nacharbeiten zu einem Kundentermin können ebenfalls über das mobile Endgerät von unterwegs erledigt werden. Um das Potenzial von Mobile Enterprise zu heben, müssen Unternehmensprozesse ganzheitlich vereinfacht werden, um wichtige Mitarbeiter für neue gewinnbringende Aufgaben freizusetzen.

Durch den wachsenden Einfluss von Fachentscheidern auf die Beschaffung von Mobile-Enterprise-Lösungen müssen Anbieter ihre Wertschöpfung in den Bereichen Mobile Consulting, Mobility Management und Integrations-/ Orchestrierungsleistungen zunehmend in klare Geschäftsvorteile übersetzen und die technische Komplexität in der Verkaufsansprache reduzieren.

Der Markt für mobile Software und Dienstleistungen mit Geschäftsrelevanz wird 2016 weiter wachsen. Dagegen werden Preise für mobilen Daten- und Voice-Traffic und Infrastrukturleistungen inklusive MDM weiter unter Druck geraten.

Um das Potenzial für Mobility im Unternehmen maximal auszuschöpfen, müssen Lösungen zur Optimierung von Endgeräten, Applikationsentwicklung und Netz- beziehungsweise IT-Infrastruktur und IT-Infrastruktur gefunden werden.

Optimierung von Endgeräten: Aktiv CyoD betreiben, um ByoD by Default zu vermeiden

ByoD bleibt in Europa und insbesondere im deutschsprachigen Raum weiterhin ein sehr umstrittenes Thema. Aufgrund der an anderer Stelle breit diskutierten kritischen Punkte hat die Experton Group bereits im vorletzten Jahr empfohlen, die weniger emotional geladene Alternative CyoD einzuführen. Bei »Choose your own Device« werden populäre Smartphones vom Unternehmen gestellt und damit Problemzonen wie unautorisiertes Entfernen von Daten und Steuer-/ Kostenverrechnung vermieden.

Wer sich noch nicht für ein Modell zur Einführung von Smartphones auf breiter Front entschieden hat, dem ist dringende Eile geboten. Sonst wird der Mangel an Alternativen zu ByoD by Default führen, auch wenn es eigentlich niemand will. Die meisten Mitarbeiter in deutschen Betrieben würden es vorziehen, ein modernes Gerät vom Arbeitgeber zu beziehen.

Applikationsentwicklung: Integration von Mobile Apps in die bestehende Systemlandschaft

Der Markt für mobile Geschäftsanwendungen befindet sich in rasantem Wachstum. Viele Unternehmen haben den Mehrwert von mobilen Geschäftsanwendungen erkannt und betreiben aktives Sourcing oder die Eigenentwicklung von mobilen Applikationen.

Die größte Herausforderung bleibt die Integration in die bestehende IT-Landschaft. Mobile Geschäftsanwendungen bedingen zumeist Zugang zu klassische Systemen wie HRM, ERP oder CRM. Daten aus diesen Altsystemen reibungsfrei über mobile Applikationen zur Verfügung zu stellen setzt oft eine komplexe und teure Integrationsleistung voraus, besonders dann wenn, wie in vielen großen Unternehmen der Fall, die Standardsysteme im Lauf der Jahre immer weiter individualisiert wurden. Viele Unternehmen werden von den hohen Kosten und den unsicheren Erfolgsaussichten für massive Integrationsprojekte abgeschreckt. Zudem gewinnt die Entwicklung von hochstandardisierten Anwendungen aus der Cloud immer mehr an Fahrt.

Als Alternative bietet sich die Auslagerung von IT-Systemen in die Cloud an. Derzeit wird diese Option zwar als willkommene Ergänzung wahrgenommen, doch viele Unternehmen scheuen sich noch davor, unternehmenskritische Daten in die Cloud zu bringen. Mit dem steigenden Reifegrad von sicheren Private-Cloud-Lösungen wird sich diese Barriere in den kommenden Jahren zunehmend auflösen.

IT-Infrastruktur: Verlagerung von IT Systemen in die Mobile Cloud

Mobile Cloud Services werden in den nächsten Jahren raschen Zulauf bekommen. Der Markt für Cloud Computing mit Geschäftskunden wächst in Deutschland stark an, und die Experton Group erwartet auch für die nächsten Jahre ein hohes zweistelliges Wachstum.

Cloud-basierte Plattformen werden in den nächsten Jahren zum zentralen Support-Hub für mobile Unternehmensanwendungen. Sie bestechen geradezu durch Transparenz, hohe Standardisierung, Flexibilität, steigende mobile Verfügbarkeit über breitbandiges Internet und die Möglichkeit der einfachen dezentralen Beschaffung von Applikationen durch den mobilen Endanwender.

Braucht man eine Mobile Middleware für Mobile Apps?

Eine Frage, die sich immer wieder aufdrängt, ist die nach der Notwendigkeit einer Mobile Middleware. Welches Unternehmen braucht so etwas? Ab welcher Größenordnung und welchem Wichtigkeitsgrad? Geht es vielleicht auch ohne?

Um sich diesen Fragen und insbesondere der Beantwortung der Ausgangsfrage zu nähern, muss man zunächst die Apps klassifizieren.

grafik experton mobile enterprise strategie

Abbildung: Klassifizierung von Apps nach Zielgruppen. Quelle: Experton Group AG.

Apps, die für den Business-to-Consumer-Bereich konzipiert sind, haben meistens keine Verbindung zur Unternehmens-IT und deren Back-Office-Systemen. In der Regel handelt es sich um Stand-Alone Apps, die bestenfalls lesend auf einige wenige Daten zugreifen. In diesem Bereich ist keine Mobile Middleware notwendig.

Apps, die für den Business-to-Business-Bereich entwickelt werden, haben im Idealfall eine Verbindung zu den Back-Office-Systemen des Herausgebers und zu den Systemen des Kunden. Hier muss also eine möglichst standardisierte Middleware genutzt werden, die es unterschiedlichen Unternehmen mit unterschiedlichen Back-Office-Lösungen erlaubt, die App zu nutzen, ohne ständig Anpassungen vornehmen zu müssen.

Apps, die für den Business-to-Employee Bereich entwickelt wurden, haben in aller Regel eine oder mehrere Schnittstellen zu Back-Office-Systemen. Diese Schnittstellen zu warten kann bei einer steigenden Anzahl von Apps sehr aufwändig werden. Entsprechend muss ab einer gewissen Anzahl Apps und anzubindender Back-Office-Systeme über eine entsprechende Middleware nachgedacht werden. In der Praxis erweisen sich diese Grenzen zwar als fließend, aber ab ca. fünf Apps und vier Back-Office-Systemen und vor dem Hintergrund eines weiteren Wachstums sollte ein Mobile-Middleware-Projekt initiiert werden.

Wolfgang Schwab, Experton Group, www.experton-group.com