Self Tracking: Für Geld Fitnessdaten an Unternehmen weitergeben

Immer mehr Menschen zählen verbrauchte Kalorien mit Fitness-Armbändern oder erfassen ihren Finanzstatus per App. Versicherungen, Banken und Online-Dienstleister möchten die Daten nutzen, vor allem risikobereite Menschen würden sie für Geld auch offenlegen. Eine aktuelle Studie untersucht nun erstmals umfassend, wie groß das Potenzial für die kommerzielle Nutzung von Quantified-Self-Daten ist und auf welche Faktoren es dabei ankommt.

Das Marktforschungsinstitut Dr. Grieger & Cie. hat im Juni 2016 im Rahmen einer repräsentativen Umfrage 1.011 Verbraucher zwischen 15 und 69 Jahren zum Self Tracking und zur Weitergabebereitschaft persönlicher Daten befragt [1]. Insgesamt erheben danach bereits 21 Prozent der Bevölkerung Daten zu ihrem eigenen Leben. Den deutlich größten Anteil haben dabei Fitness- und Gesundheitsdaten, die von 18 Prozent erfasst werden. Es folgen die Bereiche Ernährung (5 Prozent), Finanzen (3 Prozent) sowie Persönliches & Intimes und Energieverbrauch (jeweils 2 Prozent). Während Frauen häufiger Fitness und Ernährung dokumentieren, liegen die Männer beim Tracking von Finanzen und Energieverbrauch vorne.

Selbsterhobene Daten zum Bewegungsverhalten würden prinzipiell 54 Prozent der Bevölkerung an ihre Krankenkasse übermitteln, 21 Prozent bereits für einen Bonus von 50 Euro im Jahr. Für ein halbes Monatsgehalt mehr würden 44 Prozent der Weitergabe dieser Daten an den Arbeitgeber zustimmen. Daten zum Fahrverhalten (Telemetrie) würden ebenfalls 44 Prozent an ihre Kfz-Versicherung senden, durchschnittlich für einen Bonus von 160 Euro im Jahr. Deutlich skeptischer sind die Deutschen bei der Übermittlung von Gesundheitsdaten an Banken, um einen günstigeren Kredit zu bekommen; für zwei Drittel ist hier die Grenze erreicht. Allerdings wäre jeder Dritte für eine Ermäßigung von rund 550 Euro dazu bereit.

infografik grieger cie quantified wealth

Hohe Risikoneigung

Besonders Personen mit hoher Risikoneigung, die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, sind bereit, ihre Daten weiterzugeben. Dabei zeigt sich eine klassische Form der Selbstüberschätzung: Männer mit mindestens einem Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung auf der letzten Autofahrt haben die höchste Zustimmungsrate zur Übermittlung ihrer Telemetriedaten an Kfz-Versicherungen, obwohl gerade für sie die Versicherung wohl deutlich teurer werden dürfte. »Die Auswertung und der Vergleich von Self-Tracking-Daten können vielen Menschen ein realistischeres Bild von sich selbst vermitteln«, sagt Daniel Althaus von Dr. Grieger & Cie. Marktforschung.

Datenschutzverständnis und Datenschutzerklärungen

Die überwältigende Mehrheit teilt das Datenschutzverständnis des Grundgesetzes. 96 Prozent sind der Ansicht, ohne explizite Zustimmung der Betroffenen sollten keine Daten übermittelt werden dürfen. Im Zweifelsfall müssen sich die Bürger aber an die eigene Nase fassen: Nur 43 Prozent lesen die Datenschutzerklärungen von Online-Shops, die von Self-Tracking-Anwendungen lesen nur 24 Prozent. Vier von fünf Deutschen ergreifen zwar selbst Maßnahmen zum Datenschutz, dies geht bei den meisten aber nicht über das Löschen der Browserhistorie hinaus. »Das zeigt, dass privater Datenschutz von weiten Teilen der Bevölkerung praktiziert werden kann, aber er muss dazu einfach und verständlich sein«, führt Althaus weiter aus.

[1] Die vollständige Studie »Quantified Wealth Monitor 2016« gibt es unter www.grieger-cie.de/quantified-wealth-monitor

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