Siri, Cortana & Co. – Nützlich oder Spielerei?

Virtuelle Sprachassistenten werden immer beliebter. Ob im Auto, auf dem Fahrrad oder schwer beladen zu Fuß: Nicht immer hat man eine Hand frei, um das Smartphone zu bedienen. In diesen Situationen erweist es sich als durchaus nützlich, Befehle per Sprachsteuerung zu geben, die das Telefon dann im Idealfall umsetzt.

Wer jedoch regelmäßig mit Siri und Co. kommuniziert, wird festgestellt haben, dass die vermeintlich intelligenten Spracherkennungssysteme manchmal etwas schwer von Begriff sind. »Das habe ich leider nicht verstanden«, ist noch eines der harmloseren Ergebnisse der virtuellen Missverständnisse. Das Verschicken unverständlicher Textnachrichten oder fehlgeleitete Anrufe sind da schon nervigere Konsequenzen.

So sehen es auch die Befragten in einer von Statista durchgeführten Befragung zu dem Thema, die mangelhafte Spracherkennung als wichtigstes Argument gegen die Nutzung der virtuellen Assistenten anführen. Was aus Sicht der Nutzer sonst noch für oder gegen Siri, Cortana und Co. spricht, zeigt die folgende Grafik. Weitere Informationen zum Thema Smart Home finden Sie im Statista Digital Market Outlook. Felix Richter

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Diese Grafik zeigt die wichtigsten Argumente für und gegen die Nutzung von Sprachassistenten im Stile von Siri und Google Now.

grafik statista virtuelle sprachassistenten

https://de.statista.com/infografik/5704/argumente-fuer-und-gegen-digitale-sprachassistenten/


Wesent­liche Grund­lage der natürlich-sprachlichen Assis­tenten, wie etwa Siri oder Cortana, bildet die Sprach­er­ken­nung, die heute zu rund 90 Prozent funktio­niert. 2010 lag die Erken­nungs­quote noch bei ledig­lich 70 Prozent. Bei 99 Prozent, die in Kürze erreicht werden, kommt man der natür­li­chen Kommu­ni­ka­tion ganz nahe und die Systeme werden große Akzep­tanz finden.

Assis­tenz­sys­teme sind auch beim kuratierten Shopping angesagt, also der profes­sio­nellen Beratung beim Online-Einkauf. Kuratiertes Einkaufen ist der Gegen­trend zum Massen­an­gebot: Ein »persön­li­cher« Berater gibt Hilfe und Orien­tie­rung, welche Kleidung, Weine oder sonstigen Konsum­güter am besten zu einem selbst und seinem Lebens­stil passen.

Als die »entschei­denden Drillinge« bezeichnet Dr. Bettina Horster, Vorstand Vivai AG, Artifi­cial Intel­li­gence, Machine Learning und Business Intel­li­gence. »Drill down« bezeichnet die tiefge­hende Analyse großer Daten­mengen, um aus den Daten tatsäch­liche Infor­ma­tionen und Trends abzuleiten. Die dadurch ermög­lichte Wertschöp­fungs­kette erstreckt sich vom Daten­sam­meln über die »intel­li­gente« Auswer­tung und das Feedback, aus dem die Systeme wiederum Rückschlüsse ziehen.


Sprechen statt tippen: Jeder zweite Smartphone-Nutzer (52 Prozent) bedient sein Gerät per Stimme – sei es, um einen Anruf aufzu­bauen, eine SMS zu diktieren oder nach dem Wetter zu fragen. Das zeigt eine reprä­sen­ta­tive Befra­gung im Auftrag des Digital­ver­bands Bitkom.

Dabei ist die Sprach­steue­rung beson­ders unter jungen Smartphone-Nutzern beliebt: Bei den 14- bis 29-Jährigen verwenden schon 58 Prozent die Sprach­ein­gabe, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 54 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen 52 Prozent. Aber selbst bei den Smartphone-Nutzern ab 65 gibt jeder Vierte (25 Prozent) Fragen oder Befehle per Stimme ein statt über das Display.

»Die Sprach­er­ken­nungs­soft­ware ist inzwi­schen so weit ausge­reift, dass selbst komplexe Befehle oder Fragen gut verstanden und ausge­führt bezie­hungs­weise beant­wortet werden«, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. »Die Sprach­steue­rung macht die Bedie­nung des Smart­phones noch intui­tiver und komfor­ta­bler. Auch für ältere oder körper­lich einge­schränkte Menschen kann dies eine enorme Erleich­te­rung sein«, so Rohleder.

Wer die Sprach­steue­rung seines Smart­phones nutzt, tut das derzeit vor allem, um einen Anruf aufzu­bauen (80 Prozent), aber auch um eine Textnach­richt zu verfassen (49 Prozent) oder um beispiels­weise das Wetter oder die aktuellen Fußball­ergeb­nisse abzufragen (33 Prozent). Ebenfalls beliebt sind die Naviga­tion (16 Prozent) oder das Starten von Apps (12 Prozent) per Sprach­ein­gabe.

Durch die Vernet­zung mit weiteren intel­li­genten Geräten wird die Sprach­steue­rung nach Bitkom-Einschätzung künftig auch über das Smart­phone hinaus eine immer größere Rolle spielen. »Im Smart Home kann intel­li­gente Sprach­soft­ware zum Beispiel einge­setzt werden, um das Licht auszu­schalten oder die Rollläden herun­ter­zu­lassen.« Mittel­fristig werden außerdem Gesten und Berüh­rungen zur Steue­rung von vernetzten Gegen­ständen und Geräten einge­setzt.

Hinter­grund der Entwick­lung

Die Steue­rung von Mobil­te­le­fonen hat sich in wenigen Jahren stark geändert: Die ersten Handys hatten Tasten, die mehrfach belegt waren. Entspre­chend langwierig war das Tippen von SMS. Die Worter­ken­nung beschleu­nigte die Tasta­tur­ein­gabe. Später wurde dann zudem bei bestimmten Modellen jeder Taste ein einzelner Buchstabe zugeordnet. Beim Smart­phone wurde die physi­sche Tastatur durch ein Touch-Display ersetzt. Die neuen Betriebs­sys­teme der Smart­phones unter­stützen in aller Regel Sprach­be­fehle.

Für den Durch­bruch auf dem Massen­markt sorgte Apple im Jahr 2011. Damals stellte das Unter­nehmen die Sprach­er­ken­nungs­soft­ware Siri für das iPhone 4s vor. Ein Jahr später zog Google mit Google Now nach. Die Verar­bei­tung der Sprach­ein­gabe geschieht dabei nicht auf dem Mobil­te­lefon, sondern auf Servern der Unter­nehmen. Dieses Verfahren erhöht die Zuver­läs­sig­keit beim Erkennen der gespro­chenen Befehle. Aller­dings werden dafür schnelle mobile Internet-Verbindungen gebraucht. Die Sprach­er­ken­nung profi­tiert also vom Trend zum Cloud Compu­ting, den schnel­leren mobilen Inter­net­ver­bin­dungen und mobilen Daten-Flatrates.

Die erste Sprach­er­ken­nungs­soft­ware für Computer generell hatte IBM im Jahr 1984 der Öffent­lich­keit präsen­tiert. Rund 10 Jahre später wurde sie für den PC und damit für den Massen­markt konzi­piert. Micro­soft setzte Sprach­er­ken­nung in einem Betriebs­system erstmals 2007 ein, bei Windows Vista.


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