Standpunkt: Das Ende des End-User-Computings ist nahe!?

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Wenn man in den letzten Monaten aufmerksam die Unternehmensnachrichten und Pressestimmen verfolgt hat, kann man sich die Frage stellen, wie das End-User Computing in den nächsten Monaten und Jahren aussehen soll.

Bereits vor Jahren haben die ersten Anbieter die PC-Ära zu Grabe getragen. Gestützt durch Marktzahlen, die zum Teil deutliche Absatzrückgänge bei Desktop-PCs und Notebooks zeigten, war den meisten Kommentatoren klar – alles geht zu Mobile Devices (Smartphones und Tablets). Anfang 2016 dann die nächsten Hiobsbotschaften, der Tablet-Markt ist rückläufig! Vor zwei Monaten musste dann Apple auch Absatzschwierigkeiten beim iPhone einräumen und gerade aktuell wird über die zum Teil deutlich verfehlten Absatzziele von Android-Smartphone-Anbietern diskutiert und in ersten Stimmen schon Android und Smartphones als Ganzes in Frage gestellt.

Was bleibt da noch übrig? Nichts!

Bevor also das Ende ganzer Device-Klassen ausgerufen wird und sei es nur aus Marketing-Gründen, sollte man sich möglicherweise verändernde Use Cases genauer anschauen:

  • Desktop-PCs: Hier gibt es tatsächlich Veränderungen. Mit einem steigenden Anteil an Web-Anwendungen auch und gerade im professionellen Umfeld, in Kombination mit der Nutzung von SaaS-Lösungen, sinken die Anforderungen an die Hardware teilweise deutlich, was unmittelbar zu längeren Nutzungsdauern führt. Ist damit die PC-Ära beendet? Eher nicht! Zwar ergeben sich durch SBC und VDI immer mehr Möglichkeiten auch Thin-Clients zu nutzen, aber auch deren Absatz ging 2015 leicht zurück.
  • Notebook-PCs: Hier gilt im Prinzip dasselbe wie bei Desktop-PCs, nur das hier zumindest bei professionellen Geräten die mechanische Haltbarkeit in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, was die Nutzungsdauer ebenfalls verlängert. Auch hier kein Ende in Sicht, aber die Formfaktoren werden sich ändern.
  • Tablets: Tablets waren und sind im professionellen Umfeld immer etwas schwierig. Sehr geeignet um Informationen zu konsumieren oder im kleinen Kreis zu diskutieren, aber zur Informationseingabe, d.h. um längere Texte oder gar Präsentationen zu erstellen eher ungeeignet. Für letzteres waren also weiterhin PCs das Mittel der Wahl. Eine Lösung dieses Problems stellen sogenannte Convertible Notebooks dar, bei denen man den Bildschirm abziehen kann und dadurch ein Tablett erhält. Dieser Formfaktor erscheint im professionellen Umfeld nahezu ideal zu sein.
  • Smartphones: Grundsätzlich gelten für Smartphones dieselben Einschränkungen wie bei Tablets, allerdings mit dem Unterschied, dass niemand je von einem Smartphone erwartet hat als Informationseingabe-Device zu dienen. Microsoft Continuum und Display Dock und andere Lösungen für Android würden dies zwar theoretisch zumindest für einfache Office-Aufgaben ermöglichen, im professionellen Umfeld ist dies jedoch eher unüblich. Aber warum stimmen dann die Absatzzahlen nicht? Windows-Smartphones leiden nach wie vor unter einem gewissen Mangel an Apps, was insbesondere im privaten aber auch im geschäftlichen Umfeld ein Hemmnis darstellt. Bei iOS-und Android-Geräten stellt sich das Problem anders dar.
    Der Smartphone-Markt in Deutschland ist weitgehend gesättigt, d.h. neue Geräte werden praktisch ausschließlich als Ersatzinvestition behandelt. Wenn man die Innovationen des letzten Jahres genauer analysiert, stellen die meisten Anwender fest, dass ein Austausch des bestehenden Devices eher nicht unbedingt notwendig ist (wenn man von einer wichtigen Zielgruppe absieht: Kinder und Jugendliche brauchen die jeweils neuesten Geräte). Auch die App-Anbieter zwingen Anwender nicht notwendigerweise zum Kauf eines neuen Gerätes und wenn es im Android-Fall nur ist, um die aktuellste Betriebssystemversion zu bekommen. Die meisten Apps im Android-Fall sind kompatibel mit der Version 2.1 – immerhin seit Januar 2010 verfügbar. Bei iOS ist die Verfügbarkeit des jeweils aktuellsten Betriebssystems einfacher und reicht aktuell bis zum iPhone 4s zurück – immerhin seit Oktober 2011 verfügbar. Auch hier ist also nicht damit zu rechnen, dass die Device-Klasse verschwindet. Auch hier verlängert sich die Nutzungsdauer der Devices in einem gesättigten Markt.

Was bedeutet das nun für die Anbieter der entsprechenden Devices:

  • Desktop-PCs / Notebooks: Hier wird man sich nach einer Marktkorrektur bis 2017 auf absehbare Zeit auf einen relativ stabilen aber etwas kleineren Markt einstellen müssen, Konsolidierungen im Anbieterbereich sind weiter denkbar. Verschwinden wird dieses Marktsegment aber in absehbarer Zeit nicht. Bei Notebooks wird das Convertible-Segment überproportional stark zulegen können – zu Lasten der klassischen Tablets. Thin Clients werden mit einer steigenden Adaption von Desktop-as-a-Service-Lösungen ebenfalls wieder Aufwind erfahren, aber auf absehbare Zeit weiter ein Nischenprodukt bleiben.
  • Tablets: Tablets werden im professionellen Umfeld tatsächlich abnehmen, aber im privaten Umfeld nach wie vor ihre Daseinsberechtigung haben. Auch hier erwartet Experton Group einen relativ stabilen Markt – zumindest was die Stückzahlen angeht, allerdings ohne größere Wachstumschancen.
  • Smartphones: Smartphones haben ihre Sättigung erreicht. Das Wachstum einzelner Anbieter wird vor allem durch Verdrängung erreicht, so dass davon auszugehen ist, dass einige Android-Smartphone-Anbieter sich vom Markt zurückziehen, zumindest aber die Frequenz ihrer Neugeräte reduzieren werden.

Wolfgang Schwab, Experton Group, www.experton.de


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