Warum Technik und Mensch zusammengedacht werden müssen – Human Risk Prevention in der E-Mail-Security

Cyberangriffe beginnen oft mit einer E-Mail. Umso wichtiger ist es, elektronische Kommunikation technisch abzusichern und E-Mail-Security gleichzeitig als ganzheitliche Aufgabe zu verstehen. Neben Verschlüsselung, Filterung und sicherem Datenaustausch rückt ein weiterer Faktor in den Fokus: die Fähigkeit von Mitarbeitern, Angriffsversuche zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Human Risk Prevention entwickelt sich daher zunehmend zu einer wichtigen Komponente von E-Mail-Security.

Als zentrales Kommunikationsmittel für Unternehmen ist die E-Mail auch für Cyberkriminelle ein vielversprechender Angriffsweg. Entsprechend vielschichtig sind die Anforderungen an die Absicherung der E-Mail-Kommunikation, um zu verhindern, dass Schadsoftware das Unternehmen erreicht, vertrauliche Inhalte ungeschützt übertragen und Absenderidentitäten manipuliert werden. Dafür stehen unterschiedliche Sicherheitsmechanismen zur Verfügung. Verschlüsselung und digitale Signaturen schützen -Vertraulichkeit und Authentizität von Nachrichten, Filter-mechanismen adressieren Spam und Malware. Sichere Transferverfahren ermöglichen darüber hinaus den kontrollierten Austausch großer Dateien.

Der Mensch ist wesentlicher Teil der Sicherheitsarchitektur.

Allerdings beseitigt auch umfassender technischer Schutz nicht jedes Risiko. Social Engineering etwa zielt bewusst darauf ab, technische Schutzmechanismen zu umgehen und Menschen zu bestimmten Handlungen zu bewegen. Eine überzeugend formulierte Phishing-Mail kann beispielsweise dazu verleiten, Zugangsdaten preiszugeben, eine Zahlung freizugeben oder einen vermeintlich legitimen Geschäftsvorgang auszulösen. Der Faktor Mensch spielt daher in der Security-Strategie eine essenzielle Rolle. Mitarbeiter sind jedoch nicht nur eine potenzielle Fehlerquelle, sondern sie können auch zu einer wichtigen Verteidigungsebene werden. Dazu müssen sie allerdings Angriffsmuster kennen, Warnsignale einordnen und in kritischen Situationen angemessen reagieren.

Security Awareness sollte daher über gelegentliche Hinweise auf Phishing oder unregelmäßige Schulungen zu abstrakten Gefahren hinausgehen. Entscheidend ist vielmehr ein kontinuierlicher Lernprozess. Awareness-Trainings können vermitteln, wie Angriffe funktionieren und welche Warnsignale relevant sind. Phishing-Simulationen ergänzen diese theoretische Ebene durch praktische Szenarien und machen gleichzeitig messbar, wie Beschäftigte auf konkrete Angriffsversuche reagieren.

Human Risk Prevention als kontinuierlicher Prozess.

Damit solche Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten, kommt es auf ihre praktische Umsetzung an. Ein umfangreicher Funktionskatalog sagt wenig darüber aus, ob ein Awareness-Programm das Sicherheitsverhalten nachhaltig verbessert.

Zunächst spielt die Kontinuität eine wichtige Rolle. Sicherheitsbewusstsein entsteht nicht durch eine einmalige Schulung. Trainings müssen regelmäßig stattfinden und sollten sich gut in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Ebenso relevant ist die praktische Überprüfung. Simulationen können Erkenntnisse darüber liefern, bei welchen Angriffsmustern weiterhin Unsicherheiten bestehen und an welchen Stellen weitere Sensibilisierung erforderlich ist. Auch der administrative Aufwand sollte berücksichtigt werden. Insbesondere in mittelständischen Unternehmen gibt es nicht immer große Security-Teams, die komplexe Trainingsplattformen dauerhaft betreuen können. Ein Human Risk-Ansatz muss nicht nur didaktisch funktionieren, sondern auch organisatorisch beherrschbar und möglichst einfach in bestehende Sicherheitsprozesse integrierbar sein.

Wie wichtig die Verbindung aus Technical Risk Prevention und Human Risk Prevention ist, erkannte beispielsweise das E-Mail-Security-Unternehmen SEPPMAIL. Mit der Übernahme des dänischen Security-Awareness-Spezialisten CyberPilot verbindet SEPPMAIL die technische mit der menschlichen Ebene. Verschlüsselung, Signaturen, Filter und sicherer Datenaustausch sollen Angriffe und Datenabfluss technisch verhindern. Ergänzend adressieren Awareness-Training und Phishing-Simulationen Situationen, in denen Angreifer gezielt menschliches Verhalten ausnutzen.

Datensouveränität als weitere Dimension der E-Mail-Security.

Zu einem ganzheitlichen Sicherheitsansatz gehört darüber hinaus die Frage, wie Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten. Gerade E-Mails enthalten häufig vertrauliche Geschäfts-, Kunden- oder Personaldaten, die vor unbefugtem Zugriff geschützt werden müssen. Zudem ist es wichtig, nachvollziehen und steuern zu können, wo und wie diese Daten verarbeitet werden.

Das wird insbesondere relevant, wenn externe Dienstleister in die Verarbeitung eingebunden sind. Für Unternehmen ist es wichtig zu wissen, ob Daten innerhalb von Europa verarbeitet und gespeichert oder über Drittanbieter europäische Grenzen verlassen. Neben dem physischen Speicherort kann auch entscheidend sein, welchem Recht ein Anbieter unterliegt und welche staatlichen Zugriffsrechte daraus entstehen können. Beispielsweise kann der US CLOUD Act US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen den Zugriff auf Daten ermöglichen, die von US-amerikanischen Anbietern kontrolliert werden, auch wenn diese außerhalb der USA gespeichert sind.

Datensouveränität bedeutet daher auch, Datenflüsse und Abhängigkeiten von Dienstleistern transparent zu bewerten und bewusst entscheiden zu können, unter welchen recht-lichen Rahmenbedingungen sensible Unternehmensdaten verarbeitet werden. Denn Datensouveränität ist für viele Unternehmen längst eine Anforderung an die Lieferkette.

Technik und Verhalten gemeinsam betrachten.

E-Mail-Security ist nicht mehr nur ein rein technischer Ansatz. Das bedeutet aber keineswegs, die Verantwortung für erfolgreiche Angriffe auf die Beschäftigten zu verlagern. Vielmehr müssen technische und organisatorische Maßnahmen so zusammenspielen, dass möglichst wenige sicherheitskritische Entscheidungen überhaupt beim einzelnen Anwender landen. Gelangt eine sicherheitskritische E-Mail doch bis zum Mitarbeiter, muss sichergestellt sein, dass dieser optimal geschult ist und die Warnsignale erkennt. Ein ganzheitlicher Ansatz aus Technical und Human Risk Prevention verbindet Schutzmechanismen im Hintergrund mit kontinuierlicher Sensibilisierung im Arbeitsalltag. Ergänzt um Datensouveränität entsteht eine Sicherheitsarchitektur, die technische Schutzmechanismen, menschliches Sicherheitsbewusstsein und die Kontrolle über sensible Daten konsequent miteinander verbindet.

 


Dirk Lather,
Partner- & Key Account Manager
bei SEPPMAIL

 

 

Illustration: © Roman Samborskyi | Dreamstime.com

 

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