Wenn die Cloud so richtig teuer wird

Multi-Cloud-Konzepte schaffen Wettbewerb und erhöhen Wirtschaftlichkeit.

 

Illustration: Geralt Absmeier

In der Ökonomie ist ein freier Markt ein idealisiertes System, in dem die Preise für Waren und Dienstleistungen durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Die Kräfte von Angebot und Nachfrage in einem freien Markt sind per Definition frei von jeglichen Eingriffen einer Regierung, eines preisgebenden Monopols oder einer anderen Behörde. Doch wie jeder Wirtschaftsstudent weiß, führt eine freie Marktwirtschaft, wenn sie unreguliert ist, allzu oft zu einem Monopol oder zumindest einem Oligopol, das die Innovation einschränkt und die Preise erhöht, da der Kunde weniger Wahlmöglichkeiten hat. In der Praxis sind die Märkte für alle Arten von Produkten und Dienstleistungen in der Tat selten ideal.

Cloud-Technologie wurde vor mehr als zwei Jahrzehnten eingeführt und hat seitdem verschiedene Phasen durchlaufen, beeinflusst von neuen Technologien und rechtliche Rahmenbedingungen. Theoretisch bietet der Markt für Cloud-Services Unternehmen eine Fülle von Wahlmöglichkeiten. Sie können zwischen einer großen Auswahl an großen Public-Cloud-Angeboten, kleineren lokalen Cloud-Service-Providern wählen oder sogar ihre eigene Cloud-Infrastruktur in ihrem eigenen Rechenzentrum hosten. In der Realität ist es nicht ganz so einfach, da nicht alle Clouds gleich sind und einige Anbieter ihre Cloud-Angebote mit hohen Mauern umgeben haben. Damit wollen sie die Benutzer an ihre Dienstleistung binden und schränken damit die Wahlmöglichkeiten allgemein drastisch ein.

 

Gefangen in der Kostenfalle

Die Verkaufstaktik, Kunden mit günstigen Preisen anzulocken, sie an Produkte zu binden und sie dann für Weiteres später zur Kasse zu bitten, ist bei Weitem nicht neu. So versuchten viele Organisationen jahrelang, sich aus der Zwangsjacke zu befreien, die ihnen ihr Speicheranbieter angelegt hatte, indem zu Beginn der »Partnerschaft« stark reduzierte Preise gewährt wurden. Wen wundert es, dass die Preise anschließend stiegen? Erstmal an einen Hersteller gebunden, hätte ein Anbieterwechsel die Gesamtkosten für den Speicherbesitz deutlich erhöht. Genauso funktioniert es in der Cloud. Es wird deutlich teurer, wollte man die Daten in eine andere Cloud-Infrastruktur verschieben oder zurück ins eigene Rechenzentrum holen.

Die Cloud verspricht oft eine kostengünstigere Alternative, um Daten flexibler zu speichern. In vielen Fällen hat sie die Datenspeicher für Tier 3 und sogar Tier 2 ersetzt. Natürlich bekommt niemand etwas einfach so geschenkt. Früher oder später kommt die Rechnung für ein Produkt oder eine Dienstleistung – samt Opportunitätskosten. Während Public Clouds eine kostengünstige Lösung zur Datenspeicherung sind, werden sie dennoch teuer, will man die Daten wieder zurückzuholen. Und das betrifft nur die Datenspeicherung. Das Gleiche gilt natürlich ebenso für Compute und jede Art von Managed Services.

 

Standards »sorgen« für Verbundenheit

Exklusive Funktionen oder Merkmale, die zu Industriestandards werden, aber an einen bestimmten Cloudanbieter gebunden sind, sind ein weiterer Grund, warum Unternehmen an eine bestimmte Cloud gebunden sein könnten. Die S3-API beispielsweise ist bereits zur Standard-API für Cloud-Storage geworden und dürfte für einige Zeit das Protokoll der Wahl für hybride oder private Cloud-Implementierungen vor Ort sein. Der Wechsel von der S3-API, die die überwiegende Mehrheit der Anwendungen verwenden, zu einer Cloud mit einer anderen API ist also für viele Unternehmen, die stark in ihre Cloud-Infrastruktur und Anwendungen investiert haben, einfach keine Option.

 

Multi-Cloud schafft Wettbewerb

Mit der digitalen Transformation, die Unternehmen zwingt, Cloud-Technologien einzusetzen, haben die meisten Unternehmen in irgendeiner Weise zumindest einen Teil ihrer Daten oder Workloads bereits in die Cloud verschoben. Und sie haben wahrscheinlich seitdem bereits die eine oder andere Art von Anbieterbindung erlebt. Die gute Nachricht für Kunden ist, dass die Einführung von Multi-Cloud-Konzepten dem Markt für Cloud-Technologie endlich etwas hinzufügt, was bisher fehlte: Wettbewerb, und eine einfache Möglichkeit, von einer Cloud zur nächsten zu wechseln. Multi-Cloud-Konzepte ermöglichen es Unternehmen, Cloud-Services von beliebigen Cloud-Anbietern mit nur einem Mausklick zu ändern, zu verschieben, zu migrieren und zu kombinieren. Dies wird unweigerlich zu mehr Wettbewerb, besseren Dienstleistungen, günstigeren Preisen und einem freieren Markt führen. Heute vielerorts noch Zukunftsmusik, werden Multi-Cloud-Infrastrukturen zukünftig wohl zum Standard gehören.

 

Multi-Cloud-Strategie

Unternehmen, die Cloud-Technologien nutzen oder planen, können diese Entwicklung nutzen um in einen freieren Markt einzusteigen oder sich, falls notwendig, aus der Abhängigkeit eines bestimmten Cloudanbieters entziehen. Die Möglichkeit die Cloud einfach zu wechseln, bietet einem Unternehmen außerdem eine mächtige Verhandlungsposition mit einem Cloudanbieter, sollte dieser die Preise zum Vertragsende anheben wollen.

Vorbedingung ist eine Multi-Cloud-Strategie zu verfolgen mit der man die am besten geeigneten Cloud-Services von jedem Anbieter einfach hinzufügen kann. Um ein vollständig S3-kompatibles Cloud-Storage- und Multi-Cloud-Konzept zu übernehmen, müssen Unternehmen in neue Multi-Cloud-Orchestrierungslösungen mit einem gemeinsamen Satz von Management-Tools, einer einzigen API und einer GUI investieren, die über alle Clouds hinweg funktioniert. Dann klappt es auch mit der freien Cloud-Marktwirtschaft.

 

Carsten Graf, Cloudian

 


 

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