Zirkuläre Wirtschaft: Das neue Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?

Die steigende Ressourcenknappheit macht deutlich: Die heutige Wegwerfgesellschaft wird nicht mehr lange funktionieren. Was wäre, wenn alle eingesetzten Stoffe über den Lebenszyklus der Waren hinaus in einem geschlossenen Kreis der Nutzung blieben? Das neue Konzept der zirkulären Wirtschaft (Circular Economy) geht weit über das klassische Recycling hinaus, bei dem meist das Produkt an Qualität verliert.

In einer »Circular Economy« verbleiben die eingesetzten Stoffe über den Lebenszyklus von Waren hinaus in einem Stoffkreislauf. Abfälle und Emissionen sollten soweit wie möglich verringert werden. Zentral ist dabei, dass Waren wieder- und weiterzuverwenden sind, ohne dass die Qualität der Produkte nachlässt. Der Energieverbrauch sollte aus erneuerbaren Ressourcen gedeckt, Stoffe, die nicht im Kreis zu führen sind, energetisch verwertet werden. Ob dies möglich ist und wo die Chancen und Grenzen einer solchen zirkulären Wirtschaft für die chemische Industrie liegen, hat das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT im Auftrag des VCI NRW in einer Studie anhand von Produkten beispielhaft untersucht [1]. Dazu analysierten die Forscher drei Stoffströme: Reifen, Rotorblätter aus Windkraftanlagen und LCD-Bildschirme.

Benötigte Produkteigenschaften können zu Zielkonflikten führen

»Die Studie hat gezeigt, dass eine Circular Economy gerade für die chemische Industrie als Enabler von Lösungen Chancen bietet. Bei der Umsetzung treten allerdings oft Zielkonflikte auf, die beachtet werden müssen. Zudem wird es darum gehen, in Zusammenarbeit mit der gesamten jeweiligen Wertschöpfungskette ökonomisch sinnvolle Wege zu entwickeln«, so Hans-Jürgen Mittelstaedt, Geschäftsführer VCI NRW.

Zielkonflikte liegen beispielsweise in benötigten Produkteigenschaften. So können bei Autoreifen benötigte Fahreigenschaften oder gewünschte Verbrauchseigenschaften eine zirkuläre Verwendung erschweren. Bei Windrädern, die groß, leicht und sehr belastbar sein müssen, machen diese Eigenschaften eine zirkuläre Verwendung ebenfalls nicht leichter.

»Die Studie zeigt die Notwendigkeit und die Chancen einer Transformation unseres Wirtschaftssystems zu einer Circular Economy auf, aber auch die heute bestehenden Herausforderungen und Grenzen. Es liegt ein langer Weg vor uns, aber es können sich spannende neue Produktentwicklungen und Geschäftsmodelle (u. a. im Leasing oder Sharing-Bereich) ergeben«, sagt Dr.-Ing. Markus Hiebel, Projektleiter der Studie und Abteilungsleiter Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement bei Fraunhofer UMSICHT.

 

Studie steht zum Download bereit

[1] Die Studie soll aufzeigen, wo Chancen und Potenziale liegen, ohne die Grenzen einer zirkulären Wirtschaft außer Acht zu lassen. Auf der Internetseite des Verbandes kann die Studie ab sofort eingesehen und heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

 

 

 

 

 


 

Hier folgt eine Auswahl an Fachbeiträgen, Studien, Stories und Statistiken die zu diesem Thema passen. Geben Sie in der »Artikelsuche…« rechts oben Ihre Suchbegriffe ein und lassen sich überraschen, welche weiteren Treffer Sie auf unserer Webseite finden.

 

Recycling: Elektrogeräte zu Rohstoffen

Nachhaltiges Wirtschaften: Recycling gewinnt immer

Deutsche fahren auf Hybride ab

Computer in der Verwaltung: Umweltbundesamt fordert längere Mindestnutzung

Produktverpackungen: Frauen umweltbewusster als Männer

Wie nachhaltig ist das Fairphone 2?

Drei Best Practices um Softwarekosten um 30 Prozent zu reduzieren

Elektroauto-Kaufprämie für Verbraucher kein Thema

Reduzierung gefährlicher unbekannter Substanzen in Elektronikgeräten

25 Jahre »Grüner Punkt«: Wichtiger Beitrag zum Umweltschutz

Nachhaltigkeit von Rechenzentren: Mehr Transparenz und Zusammenarbeit notwendig

Weitere Artikel zu