In Deutschland gibt es zu wenige Wohnungen und damit auch zu wenige Wohnungsinserate auf dem Mietmarkt. Gleichzeitig stehen hierzulande fast zwei Millionen Wohnungen leer, wie im Sommer 2024 vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Zensusdaten zeigen. Das entspricht 4,3 Prozent des Bestands. Besonders hoch ist die Leerstandsquote bei Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Diese Wohnungen könnten zumindest teilweise dabei helfen, die Marktlage zu entschärfen. »Etwas mehr als ein Drittel aller leerstehenden Wohnungen waren innerhalb der nächsten drei Monate zum Bezug verfügbar,« so Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. Das entspricht etwa 700.000 Wohnungen (38 Prozent aller leerstehenden Wohnungen). Mathias Brandt

Der qualitative und regionale Wohnungsmangel
Deutschland hat keinen quantitativen Wohnungsmangel, sondern einen qualitativen und regionalen Wohnungsmangel. Es stehen viele Wohnungen leer – aber oft am falschen Ort, im falschen Zustand, zur falschen Größe oder nicht verfügbar.
Warum 1,9 Millionen Wohnungen leerstehen – und trotzdem Wohnungen fehlen
- Falsche Lage: Leerstand dort, wo niemand hinzieht
- Hohe Leerstände in strukturschwachen Regionen (Sachsen-Anhalt, Thüringen, Saarland, ländliche Räume).
- Gleichzeitig extreme Nachfrage in München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Berlin.
- Der Wohnungsmarkt ist regional völlig unausgeglichen.
Ergebnis: In Regionen mit Bevölkerungsrückgang stehen Wohnungen leer – in Wachstumsregionen fehlen sie.
- Falsche Wohnungsgrößen
Die Statista-Grafik zeigt: Besonders viele Leerstände gibt es bei Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen .
Das Problem:
- Familien suchen größere Wohnungen.
- Viele kleine Wohnungen sind nicht attraktiv oder schlecht geschnitten.
- Ein Teil stammt aus Altbestand, der nicht mehr zeitgemäß ist.
- Nicht beziehbar: Nur 38 % kurzfristig verfügbar
Laut Zensus 2024 sind nur 700.000 der 1,9 Millionen Wohnungen innerhalb von drei Monaten beziehbar .
Der Rest ist:
- im Umbau
- sanierungsbedürftig
- nicht vermietbar (z. B. Brandschutz, Heizung, Schimmel)
- als Ferienwohnung oder Zweitwohnung genutzt
- spekulativ leerstehend
- für Abriss vorgesehen
- Sanierungsstau und energetische Anforderungen
Viele leerstehende Wohnungen sind energetisch so schlecht, dass Vermieter sie nicht mehr vermieten dürfen oder wollen:
- neue Heizungsanforderungen
- Dämmung
- Brandschutz
- Schallschutz
- marode Bäder und Elektrik
Sanierungskosten sind hoch – besonders für private Kleinvermieter.
- Demografischer Wandel
Deutschland schrumpft und altert. Das führt zu:
- mehr Einpersonenhaushalten
- höherem Wohnflächenbedarf pro Kopf
- steigender Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen
Viele leerstehende Wohnungen sind nicht barrierefrei, nicht modernisiert, nicht seniorengerecht.
- Fehlanreize im Markt
- Vermieter halten Wohnungen leer, weil Sanierung teurer wäre als Verkauf.
- Kommunen erschweren Umbau oder Nachverdichtung durch Bürokratie.
- Zweckentfremdung (Airbnb, Ferienwohnungen) entzieht dem Markt weitere Einheiten.
Warum der Wohnungsmangel trotzdem real ist
Weil die Nachfrage sich auf bestimmte Segmente konzentriert:
- bezahlbare Wohnungen in Ballungsräumen
- moderne, energieeffiziente Wohnungen
- familiengerechte Wohnungen
- barrierefreie Wohnungen
- studentisches Wohnen
- Wohnungen für Alleinstehende mit kleinem Budget
Die Leerstände liegen überwiegend nicht in diesen Segmenten.
Fazit
Deutschland hat keinen absoluten Wohnungsmangel, sondern einen Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage. Die 1,9 Millionen leerstehenden Wohnungen sind größtenteils:
- am falschen Ort
- im falschen Zustand
- in der falschen Größe
- nicht kurzfristig beziehbar
Der reale Mangel betrifft bezahlbaren, modernen, gut angebundenen Wohnraum in wirtschaftlich starken Regionen.
Albert Absmeier & KI
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