Identity Security 2026 – Wenn Technologie, Vertrauen und Mensch aufeinanderprallen

2026 wird Identity Security zum entscheidenden Steuerungsfaktor digitaler Sicherheit. Autonome KI, die rapide Zunahme von Maschinenidentitäten und der Übergang zur Post-Quantum-Kryptografie stellen etablierte Sicherheitsmodelle infrage. Identität wird damit zur zentralen Grundlage von Vertrauen, Kontrolle und Resilienz.

Automatisierte Identitätszyklen, neue Angriffsformen nach der Authentifizierung und fehlende Governance bei KI-Agenten zeigen die Grenzen klassischer Ansätze auf. Verschärft wird dies durch den menschlichen Faktor – von Fachkräftemangel bis Schatten-KI. Unternehmen müssen Identitäten daher ganzheitlich steuern, um Innovation und Sicherheit in Einklang zu bringen.

 

Der dringende Beginn einer Post-Quantum-Welt wird defensive Strategien beschleunigen.

Während ein echter »Q-Day« – der Moment, in dem ein Quantencomputer die gesamte heutige Kryptografie brechen kann – möglicherweise noch Jahre entfernt ist, steht ein entscheidender Zwischendurchbruch bevor, der uns an die Grenze des Brechens von RSA-2048-Verschlüsselung bringt. Dieser Durchbruch ist kein sofortiger »Doomsday«, bestätigt jedoch, dass Nationalstaaten bereits heute in der Lage sind, die Public-Key-Kryptografie zu kompromittieren, auf der alle Maschinenidentitäten basieren. Die Phase unverbindlicher Zukunftsplanungen endet, da Unternehmen erkennen, dass ihre Daten – und die Maschinenidentitäten, die sie schützen – anfällig für »Harvest now, decrypt later«-Angriffe sind. Sobald diese Realität eintritt, ist mit einer Zunahme von Angriffen durch wenige, hochfähige staatliche Akteure zu rechnen. Diese konkrete Bedrohung zwingt Unternehmen dazu, Tests hinter sich zu lassen und sofort umfassende, robuste Abwehrstrategien umzusetzen.


Kevin Bocek, SVP Innovation, CyberArk

 

Autonome KI: Geschwindigkeit schlägt Sicherheit?

Im Jahr 2026 wird das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen ein zentrales Thema der Cybersicherheit sein. Die nicht-deterministische Natur von KI-Agenten, die Verbreitung von Maschinenidentitäten, verschwimmende Verantwortlichkeiten sowie der Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Sicherheit zwingen Unternehmen dazu, nicht nur technologisch, sondern auch in Governance und Risikomanagement zu innovieren. Der Erfolg hängt davon ab, Risiken frühzeitig zu erkennen und abzumildern, damit Produktivität und Innovation nicht auf Kosten von Sicherheit und Vertrauen gehen.

Unternehmen sehen sich mit einer wachsenden Zahl autonomer KI-Agenten konfrontiert, jeweils mit eigenen Berechtigungen, was die Komplexität der Identity Security erhöht und Privilegienrisiken verschärft. Verantwortung verwischt, wenn KI-Agenten Entscheidungen mit minimaler menschlicher Kontrolle treffen. Angreifer nutzen automatisierte Systeme aus, indem sie bösartige Prompts einbetten, um unbeabsichtigte Aktionen auszulösen. Der Drang nach Produktivität führt zu schneller Einführung von KI-Agenten, oft schneller als robuste Sicherheitsleitplanken entstehen – mit neuen Schwachstellen, Datenlecks und Störungen. Klassisches Privileged Access Management reicht nicht mehr aus; erforderlich sind kontinuierliche Überwachung und adaptive Risikomodelle.


Ariel Pisetzky, CIO, CyberArk

 

Der Aufstieg von »Shadow AI« und menschlich getriebenen Workarounds.

Mit der beschleunigten Einführung von KI greifen Mitarbeitende zunehmend auf nicht genehmigte KI-Tools und Workarounds zurück, um produktiver zu arbeiten oder Sicherheitsbarrieren zu umgehen. Dieses »Shadow AI«-Phänomen ähnelt dem früheren Shadow IT und schafft neue blinde -Flecken für Sicherheitsteams. Mitarbeitende nutzen unautorisierte KI-Assistenten oder Plugins, wobei sensible Daten offengelegt werden können. Sicherheitsteams haben Schwierigkeiten, diese Tools zu erkennen und zu kontrollieren – insbesondere, da KI immer benutzerfreundlicher wird. Parallel dazu verschärft sich der Wettbewerb um Cybersecurity-Fachkräfte mit KI-Expertise. Und wenn man sie nicht hat, ist man von anderen abhängig …


David Higgins, EMEA Field CTO, CyberArk

 

Mmmmh … Cookies! Angreifer fokussieren sich weiter auf Post-Authentication-Techniken.

2026 konzentrieren sich Angreifer verstärkt darauf, digitale »Schlüssel« zu stehlen, die Zugriff auf sensible Systeme ermöglichen. Bei menschlichen Nutzern sind dies Browser-Cookies, mit denen aktive Sitzungen übernommen und Passwörter sowie MFA umgangen werden können. Für Services und Maschinenidentitäten sind API-Keys und Access Tokens die entsprechenden Ziele. Gelangen diese in falsche Hände, erhalten Angreifer unautorisierten Zugriff auf kritische Systeme – oft unbemerkt. Dieser Perspektivwechsel hin zum gezielten Diebstahl von Zugangsdaten erhöht die Risiken für menschliche und maschinelle Identitäten gleichermaßen.

Entwickler im Fadenkreuz.

Angreifer nehmen gezielt das Vertrauen ins Visier, das Entwicklern entgegengebracht wird. Der Shai-Hulud-NPM-Wurm zeigte, wie kompromittierte Entwicklerzugänge zur Verbreitung von Schadsoftware genutzt wurden. 2026 wird die Zahl der KI-Agenten stark steigen, ebenso das Vertrauen in ihre Entwickler – ein attraktives Ziel für Angreifer. Low-/No-Code-Plattformen erhöhen die Zahl der »Builder« weiter und verdeutlichen, dass diese Technologien häufig noch nicht enterprise-tauglich sind.


Lavi Lazarovitz, VP Cyber Research, CyberArk

 

Fazit. Identity Security entwickelt sich 2026 vom rein technischen Thema zu einer strategischen Kernfrage. Maschinen, KI und Menschen agieren enger denn je – und teilen sich dieselben Angriffsflächen. Wer Vertrauen, Resilienz und Handlungsfähigkeit bewahren will, muss Identitäten ganzheitlich steuern, Risiken kontinuierlich bewerten und Governance neu denken. Nur so lassen sich Innovation und Sicherheit in Einklang bringen.

 


Illustration: © Muhamad Faris, GenAI | Dreamstime.com

 

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