Kulturwandel und neue Organisationsstrukturen prägen das Projektmanagement 2019

DevOps und »Sofortness« sind die Projektmanagement-Trends von morgen.

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Neue Arbeitsformen, Methoden und Technologien verändern die Arbeitswelt in Unternehmen sehr dynamisch. Die fortschreitende Digitalisierung, der soziodemografische Wandel und die wirtschaftlichen Anforderungen der Unternehmen haben auch die Projektarbeit in den zurückliegenden Monaten stark geprägt. Die Projektmanagement-Experten Dr. Andreas Tremel und Dr. Tiziano Panico haben diese Veränderungen analysiert und für das kommende Jahr folgende Trends abgeleitet.

 

  1. DevOps

Der DevOps-Ansatz stammt ursprünglich aus der Softwareentwicklung und wird als Unternehmenskultur mit bestimmten Prinzipien verstanden, die ein Unternehmen anstrebt, um Lösungen schneller auf den Markt zu bringen. Ziel ist es, dass verschiedene Bereiche (Entwicklung, Operations, Qualitätssicherung) effektiver und effizienter zusammenarbeiten, indem sie Lösungen in kürzeren Intervallen liefern. In kleinen Schritten gilt es, das Ergebnis bestmöglich auf die Bedürfnisse des Anwenders zuzuschneiden. Dieser Wandel hält nun auch in das Projektmanagement Einzug – ist aber weit mehr als nur eine logische Folge agiler Methoden wie Scrum und Kanban. Deshalb stellt sich die Frage, wie sich die einzelnen Systeme optimal nutzen lassen, um kontinuierlich besten Output zu erhalten und es muss definiert werden, welche Verhaltensänderungen nötig sind, damit diese neue Projektkultur mit Leben gefüllt wird.

 

  1. Automation und Interaktion

In der zunehmenden Prozessautomation lässt sich der Reifegrad der Digitalisierung von Unternehmen erkennen. Im Projektmanagement nimmt die Prozessautomatisierung ebenfalls zu, denn gerade bei verteilt arbeitenden Teams spielt die Interaktion zwischen den Projektmitgliedern eine wichtige Rolle, und hierbei können automatisierte Abläufe helfen. In dem Maße wie in und zwischen einzelnen Projekten immer mehr Daten aus unterschiedlichen, oft veränderlichen Systemen verarbeitet werden müssen, steigt der Bedarf nach standardisierten Anbindungen, die sich flexibel einrichten lassen.

Insbesondere für das Multiprojektmanagement ist es sehr hilfreich, wenn Informationen verschiedener Systeme über APIs ausgetauscht werden. Anbindungen über APIs verbessern den Informationsfluss und sorgen dafür, dass sich verschiedene Prozessketten integrieren lassen. Ein positiver Nebeneffekt entsteht dadurch, dass redundante Daten und das doppelte Einpflegen von Daten vermieden werden. Zum Beispiel arbeiten Projektmitarbeiter gemeinsam auf einer Plattform für die Planung, Aufgabenverteilung und das Fortschritts-Monitoring, wobei die Projekte selbst in ERP-Systemen wie SAP abgerechnet werden. Generell lösen sich die Grenzen weiter auf: Das Projektmanagement ist viel stärker integriert, Projektteilnehmer sind sowohl im Liniengeschäft als auch in agilen Teams tätig, und die genutzten Methodenansätze überlappen sich immer mehr in hybriden Ansätzen.

 

  1. Wissensaufbau

Informationen sind zweckorientiertes Wissen: Denn Wissen entsteht nur durch Informationen, die in einen Kontext gesetzt werden. Moderne Analysetechniken und künstliche Intelligenz spielen für den Wissensaufbau eine wichtige Rolle. Dieser ist unerlässlich, um in Zukunft mit weniger Personal komplexere Aufgaben managen zu können. Zusammenhänge verstehen, Abhängigkeiten erkennen und Prognosen zu wagen wird für einen Projektmanager immer schwieriger, weil die Projekte immer komplexer werden. KI kann unterstützend genutzt werden, um Daten so auszuwerten, dass sich Prognosen oder Diagnosen automatisch ableiten lassen, etwa hinsichtlich der Termintreue oder Risikobewertung von Projekten.

 

  1. »Sofortness«

Unter Sofortness versteht man das Bedürfnis, Informationen schnell und unmittelbar – am besten in Echtzeit – zu bekommen. Sofortness ist in vielen Märkten beobachtbar, in denen das Konsumverhalten die Spielregeln geändert hat. Alles sofort bekommen und nachvollziehen wollen. Dies führt dazu, dass sich auch Reporting-Prozesse grundlegend verändert haben: Anstelle heute nur eine zusammenfassende Rückschau zu erhalten, verlangen die Reportkonsumenten ein Echtzeit-Monitoring, um Projekte steuern zu können. Über eine Momentaufnahme des Ist-Zustandes lässt sich unmittelbar aufzeigen, ob ein Projekt auf dem richtigen Weg ist oder wo sich Probleme auftun und wie diese sich präventiv lösen lassen. Echtzeitsteuerung ist gefragt, um Innovationen besser treiben und die Verantwortlichen ad hoc informieren zu können. Damit wird Schnelligkeit zu einem immer wichtigeren Qualitätsmerkmal.

 

  1. Mehr tun, weniger planen

Während Transparenz und Flexibilität wichtiger werden, ist der Planungshorizont unschärfer geworden. So planen Unternehmen heutzutage auf längere Sicht nicht mehr so detailliert. Als Folge der Globalisierung und Digitalisierung sind internationale Marktanforderungen mittlerweile so kurzlebig, dass lange Planungsprozesse abwegig wären. Und im Zuge der »Sofortness« ist zu beobachten, dass sich die verschiedenen Projektphasen verändern und eine unterschiedliche Gewichtung erhalten. Jedoch sieht Agilität im Großkonzern etwas anders aus als im Mittelstand: Ein 100.000-Mann-Schiff lässt sich nicht innerhalb kurzer Zeit auf agil umstellen. Künftig wird man in Unternehmen noch mehr Prozesse sehen, die nach agilen Prinzipien funktionieren – also auf den nächsten internen oder den externen Kunden ausgerichtet sind. Dabei soll das Ineinanderwirken harmonisiert werden – besonders in der Projektarbeit.

 

  1. Plattformdenken

Unternehmen existieren nicht deswegen, weil sie etwas produzieren, sondern weil sie die Produktion oder Dienstleistung besser organisieren können. Diese Leitidee prägte auch die Plattformökonomien, die bei der Digitalisierung von Geschäftsmodellen immer weiter an Bedeutung gewinnen. Plattformen sind Ökosysteme, die über die Grenzen des(der) eigenen Unternehmens(-IT) hinausgehen und Kunden, Lieferanten, Partner und sogar Wettbewerber umfassen. Ihr Ziel ist es, die Wertschöpfung effizienter zu gestalten und den Zugang zu den Kunden umfassend bündeln zu können. Wer sich in diesen mehrschichtig verwobenen Netzen, die auch dritten Unternehmen, wie Dienstleistern, offenstehen, gut positioniert, kann vom Netzwerkeffekt profitieren. Für das Projektmanagement bedeutet das, dass sämtliche projektrelevanten Aufgaben, wie etwa der Dokumentenaustausch, die Kommunikation, die Steuerung, die praktische Umsetzung uvm. optimalerweise über eine zentrale Plattform erfolgen sollte.

 

  1. Mehr Coach, weniger Boss

Schließlich bringt der Generationenwechsel eine Veränderung der Unternehmenskultur mit sich: Unter den jüngeren Mitarbeitern ist die Work-Life-Balance noch weiter in den Vordergrund gerückt, Kommunikation findet auf Augenhöhe statt, Gestaltungsmöglichkeiten sind gefragt und Hierarchien verpönt. »Enabling«, also Aktivieren ist das Schlüsselwort für einen Führungsstil, bei dem es weniger darum geht, ein Projektteam an der kurzen Leine zu führen, sondern vielmehr ihm einen Aktionsradius zu geben. Dabei ist es auch zu akzeptieren, dass die Millennials, die mittlerweile 20 Prozent der Beschäftigten ausmachen [1], einige etablierte Formen der Datenhaltung und -bearbeitung für überholt ansehen und lieber moderne Kommunikationsformen, wie etwa Messenger-Dienste, nutzen.

 

[1] 2015 gehörten in Deutschland nach Daten des Statistischen Bundesamtes rund 22 Prozent der Gesamtbevölkerung und rund 20 Prozent der Arbeitskräfte zu den Geburtsjahrgängen 1980–1999

 

Dr. Andreas Tremel Gründer und Geschäftsführer, InLoox GmbH

 

 

 

 

Dr. Tiziano Panico, Gründer und Geschäftsführer, InLoox GmbH

 

 

 

 


 

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