Software Defined Networking (SDN) ergänzt klassische Netzwerke, statt sie komplett zu ersetzen

Neuer Anbietervergleich sieht langfristige Koexistenz von hardwarebasierten Netzwerken und SDN.

Der Markt für Software Defined Networking (SDN) wächst weiter rasant. Doch werden SD-Netzwerke die herkömmlichen Lösungen auf Basis von MPLS (Multi Protocol Label Switching) auch längerfristig nicht komplett ablösen, sondern eher ergänzen. Dies meldet der neue »ISG Provider Lens – Network – Software Defined Solutions & Services Germany 2019« von Information Services Group (ISG) [1]. Die ISG-Analysten sehen zudem unter den SDN-Providern neue Player am Markt, welche die klassischen Netzwerkanbieter herausfordern. Neben dem Servicemarkt für die SDN-Transformation untersuchte die ISG-Studie sechs weitere Marktsegmente mit insgesamt über 130 Anbietern in Deutschland.

»Die Vorteile von SDN liegen auf der Hand: größere Agilität, insgesamt geringere Kosten, besserer Kundenservice und eine größere Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern«, sagt Johanna von Geyr, Partner bei der ISG Information Services Group DACH. »Dennoch gehen wir nicht davon aus, dass die derzeit noch dominanten MPLS-Netzwerke komplett durch SDN ersetzt werden und dadurch verschwinden. Auf absehbare Zeit werden beide Netzwerk-Generationen nicht nur parallel im Betrieb sein, sondern werden sich gegenseitig ergänzen.«

Vor allem in neuen, sehr datenintensiven Geschäftsfeldern spielt den ISG-Analysten zufolge SDN in Kombination mit den MPLS-Netzwerken seine Stärken aus. So würden derzeit zahlreiche Unternehmen von Daten aus mobilen Anwendungen wie dem Internet of Things und Social Media-Plattformen geradezu überschwemmt. Diese Daten seien meistens nicht unternehmens- und zeitkritisch und könnten durch SD-Funktionen so geroutet werden, dass sie die bestehenden Kernsysteme und -netzwerke nicht überlasten. Auf diese Weise könnten SD-WANs (WAN, Wide Area Network) die traditionellen hardwarebasierten Netzwerke optimieren. Die ISG-Studie empfiehlt Unternehmen deshalb, genau zu prüfen, welche Netzwerke welche Aufgaben übernehmen sollen. Erst dann könnten sie zielgenau entscheiden, ob klassische Managed WANs, SD-WANs oder eine Kombination aus beidem die jeweils beste Wahl darstellt.

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Die ISG-Analysten weisen zudem darauf hin, dass die Nutzung von cloudbasierten Unternehmensanwendungen wie SAP HANA, Salesforce oder Office 365 sowie die Auslagerung von Applikationen auf Public-Cloud-Plattformen rasant zunehmen. Dies verlange ebenfalls einen dezentralisierten Zugang zu diesen öffentlichen Ressourcen, wie ihn SDN- und SD-WAN-Lösungen ermöglichen. Auch in diesem Fall führe SDN zu einer besseren Nutzerfahrung und einer Entlastung des Kernnetzes.

Neben den großen Telekommunikationsunternehmen und anderen Netzwerkdienstleistern besetzen laut ISG zunehmend auch klassische Systemhäuser den expandierenden SDN-Markt. »Die Anwender setzen mehr und mehr auf Anbieter, welche die gesamte Palette von SDN-Services anbieten – von der Beratung bis hin zu Implementierung und Betrieb«, sagt von Geyr. »Deshalb ist der SDN-Markt aktuell auch von zahlreichen Partnerprogrammen und Fusionen geprägt. Die Provider arbeiten vor allem daran, ihren Kunden ein komplettes SDN-Ökosystem aus Services, Spezialisten und Technologien bieten zu können.«

Der »ISG Provider Lens – Network – Software Defined Solutions & Services Germany 2019« untersuchte im Marktsegment »SDN Transformational Services« die Fähigkeiten von 24 Providern. Aktuelle Leader in diesem Markt sind Axians, Cisco, Computacenter, IBM, Orange Business Services, T-Systems und Vodafone.

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Managed WAN Services

Klassische hardwarebasierte WAN-Lösungen bieten der Studie zufolge zwar viele Vorteile bei der Vernetzung von Standorten. Sie sind aber ein teures Medium, wenn es um die Anbindung mobiler Geräte geht, die einen schnell wachsenden, meist nicht geschäftskritischen Datenverkehr erzeugen. Dies beeinträchtigt den reibungslosen Betrieb der traditionellen WAN-Dienste und Managed Services. Dadurch wird SDN immer wichtiger, allerdings mehr als eine zusätzliche Management- und Steuerungsschicht, die über den hardwarebasierten Netzwerken liegt. Die ISG-Analysten gehen davon aus, dass dieses Zusammenspiel in den kommenden zwei Jahren bis 2021 in den meisten Unternehmen Alltag sein wird.

 

Mobile Network Additional Services

5G-Mobilfunknetze oder drahtlose Systeme ergänzen mehr und mehr die Telekommunikationsstandards der vierten Generation (4G/LTE). Bis Ende 2025 sollen rund 73 Prozent der europäischen Bevölkerung mit 5G versorgt sein. Entsprechend rechnen die ISG-Analysten auch im Unternehmenseinsatz mit Lösungen und Verfahren, die in zunehmenden Maß auf Mobilität ausgerichtet sind. Dies könnten Einzellösungen sein oder Module, die in SD-WANs integriert oder auf diese angewiesen sind.

 

SD WAN Equipment & Service Suppliers (DIY)

Viele SD-WAN-Ausrüstungen und -Services lassen sich in Eigenregie betreiben, ohne auf Managed Services zurückgreifen zu müssen. ISG sieht diese Lösungen vor allem bei Unternehmen im Einsatz, die ihre bestehenden Netzwerke um eine zusätzliche SD-Managementschicht erweitern wollen. Ziel ist es hier, den Datenverkehr per SDN zu optimieren und in flüssigere Bahnen zu lenken. Entsprechend haben in diesem Marktsegment jene Anbieter die Nase vorn, die neben einer breiten Erfahrung mit SDN auch in der Welt der hardwarebasierten Netze zu Hause sind.

 

SDN Security Services

Ein großer Vorteil in SD-Netzwerken besteht darin, dass ein SD-WAN sichere Verbindungen über alle Transportwege hinweg bereitstellt. Unterschiedliche Security-Verfahren für unterschiedliche Transportwege oder -Provider gehören damit der Vergangenheit an. Die ISG-Studie stellte fest, dass die Anbieter dieses Marktsegments Sicherheit entsprechend als bereits im Netzwerk integrierte, softwaredefinierte und programmierbare Funktion bereitstellen. Eine weitere wichtige Rolle spielten zudem cloudbasierte Sicherheitslösungen, die ein skalierbares Security Management der dezentralen Internetzugänge ermöglichen.

 

SD Network Technologies (Core)

SDN-Virtualisierungen machen viele Aufgaben bei der Segmentierung herkömmlicher Netzwerke überflüssig, zum Beispiel geroutete Subnetze oder Firewall-Zugriffslisten (ACLs). SDN-basierte Netzwerke hingegen unterstützen unter anderem die beliebige Zuweisung von IP/MAC-Adressen und automatisieren die Netzwerkkonfiguration. Als wichtigste Provider in diesem Segment führt die ISG-Studie Anbieter von SDN- und NFV-(Network Function Virtualization-)Geräten und -Services auf, die entweder von Unternehmen direkt oder über Dienstleister bezogen werden.

 

SD Network Technologies (Mobile to Edge)

Das Netzwerkmanagement lässt sich weiter verbessern, wenn SD-Technologien nicht nur im Kern von Netzwerken greifen, sondern auch in den Umgebungssystemen und -geräten. Dazu zählen insbesondere die vorhandene Ausstattung beim Kunden (CPE, Customer Premises Equipment) mit den dazugehörigen WiFi-Netzwerken, Zugangspunkten (Access Points, APs), softwaredefinierten mobilen Netzwerken (SDMN) sowie softwaredefinierten lokalen Netzwerken (SD-LAN). Zu den in der ISG-Studie untersuchten Providern dieses Marktsegments gehören alle übergreifenden SD-LAN-Produkt- und Serviceanbieter sowie Dienstleister, die auf vCPE (Virtual Customer Premise Equipment) und SDMN spezialisiert sind.

 

[1] Der »ISG Provider Lens™ – Network – Software Defined Solutions & Services Germany 2019« ist für »ISG Insights™«-Abonnenten sowie für den sofortigen Einzelkauf auf dieser Website verfügbar: https://research.isg-one.com/reportaction/Quadrant-SDN-Germany-2019/Marketing.

 

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