Vom Trend in die Praxis: Chancen und Risiken des IoT

Das Internet of Things (IoT) und vor allem die Gestaltungsmöglichkeiten durch die Verbindung von Information Technology (IT) und Operational Technology (OT) beflügeln die Fantasie der Vorstände von Global Playern ebenso wie die von Start-up-Gründern. Nach einer Phase des Hypes lässt sich inzwischen eine wohltuende Ernsthaftigkeit am Markt beobachten. In der Industrie greift vernetzte Produktion um sich, Automobilhersteller nutzen IoT für neue Services und im Heimbereich werden immer mehr Endgeräte mittels IoT aufgewertet. Allerdings stellt das Internet der Dinge in der Praxis die Hersteller, die Politik und auch die Gesellschaft vor bisher oft ungelöste Herausforderungen.

 

Mehrwert – aber nicht zu jedem Preis

Ein Grund sind mangelnde rechtliche Standards: Geht es um die Verbindung physischer und virtueller Realitäten, scheint der Weg hin zu verbindlichen Regularien noch weit. Ein Beispiel verdeutlicht das: Automobilbauer verstehen den Pkw immer mehr als Serviceprodukt und gestalten dementsprechend neue Leistungen auf Basis von IoT. Für den Autofahrer bedeutet das vor allem Mehrwertdienste wie Infotainment oder Emergency-Assistenten. Die neuen Services sind intuitiv zu bedienen, stehen jedoch leider im krassen Gegensatz zur Komplexität der dahinterliegenden Vertragswerke. Kauft man heute ein Auto, bleibt einem nur, die mitgelieferten Software-Nutzungsverträge zu akzeptieren, denn ohne funktioniert das Auto nicht zu 100 %, beziehungsweise man bekommt es gar nicht erst ausgehändigt. Ob und wie der Kunde von den dahinterliegenden Verträgen zurücktreten kann ist zudem meist unklar oder noch gar nicht geregelt.

Auf dieser schwammigen Basis generiert das Internet der Dinge digitale Identitäten, hinter denen Bürger mit Recht auf Privatsphäre aber ohne Lobby stehen. Datenschützer sind gefordert, aufzuklären und Graubereiche juristisch aufzuarbeiten. Nur das kann Vertrauen schaffen für eine Gesellschaft, die ohnehin verunsichert ist, was das Internet der Dinge alles mit sich bringen mag.

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Schnell und sicher mit dezentraler Verarbeitung

Auf industrieller Seite bietet die fortschreitende Vernetzung mittels IoT den Unternehmen die Chance, die Laufzeiten ihrer Maschinen zu optimieren und das Miteinander derselben zu optimieren. Allerdings muss sich auch die Industrie der Risiken bewusst sein, denn Dritte erhalten fast zwangsläufig Zugriff auf zumindest einen Teil der erhobenen Daten: Diensteanbieter zur Erbringung der Serviceleistungen, staatliche Institutionen im Rahmen von Prüfpflichten und künftig auch Versicherer. Darüber hinaus müssen die Anlagen durch angepasste Security-Strategien gegen Cyberangriffe geschützt werden.

Das Internet der Dinge produziert aber nicht nur Sicherheitsherausforderungen, im Gegenteil, es kann auch zu mehr Sicherheit beitragen. So kann IoT-Technologie sehr gut genutzt werden, um Anlagen sicherer zu machen. Ein Beispiel könnte die Videoüberwachung eines Werksgeländes sein, die Mitarbeiter automatisch identifiziert und nur autorisierten Personen Zutritt gestattet. Für Hochsicherheitsbereiche kann die Finger-Vein-Technologie eingesetzt werden, die Venen von durchbluteten Fingern zur Identifizierung nutzt. Eine sehr interessante Technik, die auch in Geldautomaten zum Einsatz kommt und so Missbräuche drastisch reduziert.

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Aller Anfang ist schwer

Unternehmen, die Lösungen auf IoT basierend aufbauen wollen, stehen allerdings meist vor der Frage, wie sich die IoT-Daten in die entsprechenden Systeme (Big-Data-Analyse-, CRM- oder Produktionsplanungssystem) integrieren und anschließend verarbeiten lassen. Das Problem ist, dass IoT-Daten nicht einheitlich sind. Der Ansatz von Hitachi ist es daher, den gesamten Prozess von der Erzeugung der Daten bis zur Verwertung und Analyse in einem System abzubilden, das aus optimal aufeinander abgestimmten Komponenten besteht. Ein großer Vorteil liegt dabei darin, dass Hitachi als Industriekonzern viele Anlagen und Maschinen, die Daten erzeugen, selbst produziert und aus dem Effeff kennt. IT und OT (Operational Technology) sind hier aus einer Hand. Das ermöglicht es Firmen, sehr schnell funktionierende Lösung in der Breite auszubringen.

Unterstützt wird das Ganze durch Edge Computing, mit dem Unternehmen Rechenlast von ihren Rechenzentren abziehen können. Man installiert kleinere Micro-Grids nah an den Maschinen, die sich um alles vor Ort kümmern. Mit ihnen können die Maschinen miteinander kommunizieren und Entscheidungen unabhängig vom Rechenzentrum und der Cloud treffen. Auch hier kann Hitachi helfen, denn mit Lumada hat man ein Framework erarbeitet, das Daten auf Basis des Edge Computings verarbeitet, also eine maschinennahe Vor-Verarbeitung der Daten bietet.

 

Treiber für bessere Netze und mehr Sicherheit

Interessanterweise wird das Internet der Dinge wohl auch für eine bessere Netzabdeckung sorgen. Ein Grund: Wer möchte schon auf Assistenzsysteme im Auto verzichten, nur weil gerade keine Mobilfunkabdeckung vorliegt? In diesem Kontext eröffnet sich eine Herausforderung aber zugleich auch Chance für Netzbetreiber. Sie haben nun endlich einen kaufmännischen Grund, weiße Flecken außerhalb von Ballungsräumen abzubauen und größere Bandbreiten in die Fläche zu bringen. Je stärker sich das Internet der Dinge durchsetzt, um so größer wird dann allerdings auch der Druck auf Netzanbieter und Telcos sein, gemeinsam ein IoT-Datenprotokoll zu vereinbaren. Das Gute daran: Dies würde priorisierte Datenflüsse ermöglichen und der Bundesnetzagentur die Chance bieten, transparente Regularien zur Netzneutralität zu erarbeiten.

 

Neue Einsatzgebiete und Erfolgsgeschichten

Auch wenn der Netzausbau in Deutschland im weltweiten Vergleich noch hinten ansteht und es zahllose gesellschaftliche Herausforderungen gibt, das Internet der Dinge breitet sich auch bei uns bereits aus. Neben der Automobilindustrie und dem Maschinenbau profitiert so zum Beispiel auch schon das deutsche Baugewerbe. Bagger von Hitachi verfügen etwa über Sensoren, die Auskunft über den Standort geben, zurückgelegte Strecken mitteilen und helfen, transportierte Mengen zu tracken und abzurechnen. Der eigentliche Clou ist dabei »Predictive Maintenance«. Sensoren geben dem Eigentümer jederzeit Einblicke in den technischen Zustand und einzuhaltende Wartungsintervalle.

Die Beispiele machen deutlich, dass es viele Chancen gibt. Sowohl für die Industrie als auch den Verbraucher und den Gesetzgeber. Mehr Sicherheit und mehr Klarheit über die Grundlagen sind jedoch Voraussetzung, für das Wachstum des Internets der Dinge. Wenn Mehrwerte an Bedürfnissen von Kunden, Dienstleistern und Gesellschaft ausgerichtet werden, wird das Vertrauen auf allen Seiten wachsen und sich die Technologie in der Breite durchsetzen. Man darf gespannt sein, was für spannende Anwendungsfälle alles auf uns zukommen.

 

Jürgen Krebs, CTO EMEA Central Region, Hitachi Data Systems

 

Jürgen A. Krebs ist seit Juli 2004 bei Hitachi Data Systems (HDS) tätig und verantwortet seit 2016 das CTO Office für die Central Region. Mit Hilfe seiner umfangreichen Branchenerfahrung von mehr als 30 Jahren gestaltet er die strategische Ausrichtung von Hitachi Data Systems mit Fokus auf die Kernkompetenzen des Unternehmens. Der begeisterte Techniker beschäftigt sich in seiner Freizeit leidenschaftlich mit jeglicher Art von Elektronik, Motorenbearbeitung und dem Motocross.

https://www.hds.com/de-de/home.html

 

 

 

 


 

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