5G: Zehnkampf für das intelligente Netz

 

Der Mobile World Congress in Barcelona steht vor der Tür und ein Thema wird die Messe beherrschen: 5G. Dieses Kürzel für den neuen Kommunikationsstandard sorgt heute schon für viel Wirbel in unserer Industrie. Eines ist mir dabei ganz wichtig: Geschwindigkeit ist nicht alles bei 5G. Ich vergleiche das immer mit dem Zehnkampf: Der schnellste Sprinter ist nicht immer auch der beste Zehnkämpfer. Denn nur wer in allen Disziplinen punktet, ist am Ende erfolgreich. Dazu bedarf es eines perfekten Zusammenspiels verschiedener Fähigkeiten – und nicht zuletzt eines langen Atems. Und genau das ist auch bei 5G der Fall.

Was meine ich genau? 5G ist wesentlich vielseitiger als seine Vorgänger. Damit schaffen wir die Voraussetzung für eine vollständig vernetzte Gesellschaft. Neben Menschen werden dann Autos, Maschinen, Heizungen und selbst Mülleimer zu smarten Netzteilnehmern. Und es wird ein Netz der Netze voller Möglichkeiten. Denn jeder dieser Teilnehmer hat gänzlich individuelle Anforderungen an das Netz.

Und deshalb machen wir unsere Netzinfrastruktur intelligent. Und hierin liegt die eigentliche Innovation von 5G. Über Network Slicing schaffen wir eine Netzarchitektur, die für unterschiedlichste Anwendungen genau das Netz liefert, das der Netzteilnehmer – ob Mensch oder Maschine – benötigt. Sei es eine geringe Latenzzeit für robotische Anwendungen (oder auch für Gamer), eine besonders hohe Datenrate für HD-Streaming oder eine möglichst langlebige Schmalbandverbindung für die Kommunikation von Milliarden Sensoren untereinander (NarrowBand IoT).

Diese Zuweisung der maßgeschneiderten Netzcharakteristiken macht es möglich, die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu verbessern, weil Autos in einem Hundertstel Wimpernschlag auf mögliche Risikosituationen hingewiesen werden. Beim Blick auf das Konzertplakat kann ich über Virtual Reality direkt in der ersten Reihe stehen. Die Fahrradnavigation erscheint als Hologramm vor dem Lenker und wir können uns mit Leuten aus anderen Ländern problemlos unterhalten, weil die Technik die Simultanübersetzung regelt. Gleichzeitig senden abertausende Sensoren in der ganzen Stadt regelmäßig Statusmeldungen. Es geht also um viel mehr als Geschwindigkeit!

Dies sind Szenarien der nahen Zukunft. Doch was passiert danach? Welche Anwendungen nutzen wir dann? Früher hatte eine neue Technik gewisse charakteristische Merkmale – und danach musste sich alles, was damit arbeiten wollte, richten. 5G aber dreht den Spieß um. Die visionäre Anwendung gibt den Bedarf vor und das Netz muss flexibel reagieren. Welche Anwendungsszenarien auf Basis von 5G im Laufe der Zeit noch entstehen werden, können wir heute also kaum vorhersehen. Entscheidend ist: ein intelligentes Netz ist die Grundlage. Das Netz, das sich an visionäre Ideen anpasst.

Dass man ein solches Rennen nicht allein bestreiten kann, ist klar. Denn weltweite Konnektivität – die digitale Gesellschaft – kann nur dann Realität werden, wenn wir uns auf einen globalen Standard verständigen. Auf dem Weg zur Ziellinie im Jahr 2020 hat die Deutsche Telekom bereits in vielen Disziplinen gepunktet und diesen Standard gestaltet. Gemeinsam mit unserem Partner SK Telekom in Südkorea haben wir gerade erst den ersten interkontinentalen 5G-Test der Welt aufgebaut. Damit haben wir auf dem Weg zu 5G eine weitere Idee für den zukünftigen Standard demonstriert. Quasi ein superschlaues Roaming-Abkommen für global agierende Unternehmen.

Der Mobile World Congress ist für uns die Arena, um 5G weiter zu treiben. Das Ziel ist in Sichtweite – die digitale Gesellschaft.

 

Ein Beitrag von Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation, Deutsche Telekom.


 

Das ist 5G

»2G… 3G… 4G… bitte erwarten Sie jetzt nicht, dass ich nun in einem Atemzug auch 5G sage. Auch wenn dies sicherlich chronologisch und in gewisser Weise auch aus logischer Sicht korrekt wäre, unterscheidet sich die kommende Generation eines globalen Kommunikationsstandards von seinen Vorgängern in vielerlei Hinsicht.« Bruno Jacobfeuerborn, Chief Technology Officer (CTO) der Deutschen Telekom AG.

 

Bruno Jacobfeuerborn, Chief Technology Officer (CTO) der Deutschen Telekom AG.

»Wir haben bereits früh erkannt, dass es in der Branche unterschiedliche Auffassungen davon gibt, was 5G tatsächlich ist – daher existiert keine exakte allgemeingültige Definition. Aber genau diese aktuell herrschende Mehrdeutigkeit führt immer wieder zu wertvollen Diskussionen und fördert Innovation, damit eines Tages ein gemeinsamer globaler Standard entsteht.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen bei 4G sowie der rein technischen Evolution ist es nicht leicht, zu bestimmen, wo 4G enden und wo die nächste Generation beginnen wird. LTE Advanced ist nicht die letzte Station auf dem Weg zu 5G. Der Nachfolger – LTE Advanced Pro – zeigt sich in unseren Tests sehr vielversprechend. Die Deutsche Telekom ist mit Betreibern rund um den Globus im Gespräch. Viele teilen unsere Auffassung, dass 4G höchstwahrscheinlich als Bestandeil eines generischen 5G-Standards übernommen wird und somit den Grundstein für dessen Leistungsfähigkeit bildet, um die wesentlichen, vorwiegend auf den Nutzer ausgerichteten Anforderungen mobiler Breitbandverbindungen zu erfüllen.

4G ist technisch noch lange nicht ausgereizt, da kommt noch einiges auf uns zu. Erst vor Kurzem haben wir mit der Integration Cloud-basierter Funktionen begonnen. Diese Technologien werden sich in den nächsten vier Jahren entfalten. Vorhersagen zufolge werden die kommenden Entwicklungen bei 4G, gepaart mit Veränderungen im Regulierungsbereich und im Wettbewerbsumfeld, unser aktuelles Geschäftsmodell als Deutsche Telekom beleben. Sollte sich dies bewahrheiten, könnte das sogar bedeuten, dass 5G von einem anderen Geschäftsmodell ausgeht als dem aktuell gültigen.

Angeregt durch diese Diskussionen sowie durch die Kooperation in verschiedenen Initiativen und in der NGMN-Allianz (Next Generation Mobile Networks) nahm die Aufgabe zur Konzeption dieser nächsten Generation Gestalt an. 5G wird die branchenübergreifenden Herausforderungen 2020–2030 widerspiegeln, sowie die daraus resultierenden Anforderungen der Geschäftswelt an Datenaustausch und Kommunikation. 2016 beginnt die globale Initiative 3GPP mit der Definition der neuen Technologien für den Funkzugang sowie eines zugangsunabhängigen und hochflexiblen Kernnetzes. Ein solches ermöglicht den Betreibern, den vielfältigsten Erfordernissen des Marktes Rechnung zu tragen.

Um die genannten Anforderungen befriedigen zu können wurden drei Prioritäten bei der Entwicklung festgelegt: »Verbesserte mobile Breitbandverbindungen«, »Enormes aber sicheres Internet der Dinge (Internet of Things, IoT)« und »Ultrazuverlässige Verbindungen«. Unsere Privatkunden werden zwar auch von diesem neuen Standard profitieren, jedoch werden ihre Erfordernisse durch Technologien der Generation 4G weitgehend erfüllt. Viele der neuen 5G-Funktionen werden schwerpunktmäßig beispielsweise auf die Anforderungen der Maschinen- und vertikalen Industrie ausgelegt sein. Hierbei handelt es sich um einen grundlegenden Wandel bei der Art und Weise, wie wir unsere Geschäftskunden unterstützen und fördern. Alles in allem bietet 5G grob eine 1000-fach höhere Kapazität, eine 100-fach höhere Verbindungsdichte, eine 10-fach höhere Geschwindigkeit, eine 10-fach geringere Latenzzeit und 1,5-mal mehr Mobilität.

Es sind jedoch nicht diese Zahlen, die den Unterschied ausmachen – ausschlaggebendes Unterscheidungsmerkmal der 5G-Ära wird die Fähigkeit sein, virtuelle Netzabschnitte effizient und effektiv zu konzipieren und zu betreiben.«


 

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