Mobile Innovationen: Das Smartphone der Zukunft

Ein Jahrzehnt nach dem Durchbruch des Smartphones scheint die Zeit bahnbrechender Innovationen vorüber. Gibt es trotzdem noch neuartige Funktionen und Eigenschaften, die sich die Deutschen für ihr Smartphone der Zukunft wünschen? Dieser Frage ging eine repräsentative Studie im Auftrag der Lenovo Deutschland GmbH (Mobile Business Group) nach. Für sie wurden mehr als 2.000 Personen im Alter von über 18 Jahren durch YouGov befragt.

Wenig überraschend ganz oben auf der Wunschliste für das Smartphone der Zukunft stehen insbesondere Verbesserungen im Bereich Akkulaufzeit und Display- beziehungsweise Gehäusestabilität. Aber auch die Überwachung der Gesundheit, der Steuerung des Smart Home, die Navigation in Gebäuden sowie die Möglichkeit der Erweiterung oder Verbesserung der Funktionen des Smartphones über wechselbare Module hat viele Befürworter. Mathias Brandt

https://de.statista.com/infografik/8173/das-smartphone-der-zukunft


 

Die Opfer des Smartphone-Booms

2007 brachte Apple das erste iPhone auf den Markt und verhalf so dem Smartphone zum Durchbruch. Seitdem haben allein die Deutschen über 140 Millionen der Touchscreen-Telefone gekauft. Aber das Smartphone war von Anfang an mehr als nur ein Handy. Videos gucken, Musik hören, Fotos schießen, in einer fremden Stadt navigieren und im Internet surfen; das alles und noch viel mehr leisten die mobilen Alleskönner. Weniger rosig sieht es dagegen für all die Geräte aus, deren Funktionen das Smartphone in sich vereint. So wurden 2016 nur noch 0,9 Millionen MP3-Player verkauft. Im Erscheinungsjahr des ersten iPhones waren es noch rund acht Millionen. Ähnlich stark ist auch der Digitalkamera-Absatz zurückgegangen. Mathias Brandt

https://de.statista.com/infografik/1958/die-opfer-des-smartphone-booms/


 

Trends beim Smartphone: Das digitale Schweizer Taschenmesser

■  54 Millionen Deutsche nutzen ein Smartphone.
■  Umsatz stabil bei 10 Milliarden Euro.
Das Smartphone erschließt sich immer neue Zielgruppen. Heute nutzen 54 Millionen Deutsche ab 14 Jahren ein internetfähiges Mobiltelefon, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab [1]. Demnach stieg der Anteil im Vergleich zum Vorjahr um vier Punkte von 74 auf 78 Prozent. 2015 waren es noch rund zwei Drittel (65 Prozent). Seit 2012 hat sich der Nutzeranteil mehr als verdoppelt.

Das größte Wachstumspotenzial liegt bei den Senioren. In der Altersgruppe ab 65 Jahren stieg der Anteil der Smartphone-Nutzer innerhalb eines Jahres von 28 auf 39 Prozent. Kaum noch Steigerungsmöglichkeiten gibt es dagegen in den Gruppen der 14- bis 29-Jährigen (93 Prozent) und 30- bis 49-Jährigen (94 Prozent). Unter den 50- bis 64-Jährigene nutzen 85 Prozent ein Smartphone.

»Innerhalb nur eines Jahrzehnts ist das Smartphone von einem Nischenprodukt für Geschäftsleute und Technik-Nerds zu einem unverzichtbaren Begleiter im Alltag fast aller Menschen geworden. So schnell hat sich bislang keine andere Technologie verbreitet«, sagte Dr. Hannes Ametsreiter, Mitglied des Bitkom-Präsidiums, im Vorfeld des Mobile World Congress (MWC). Die weltgrößte Mobilfunkmesse findet vom 27. Februar bis 2. März in Barcelona statt. Im Fokus stehen Smartphone-Neuheiten, optimierte Anwendungen und die Weiterentwicklung des Mobilfunknetzes zum 5G-Standard mit höheren Bandbreiten und Kapazitäten.

Internet of Things als Wachstumstreiber

Wesentlicher Wachstumstreiber ist das Internet of Things, das etwa Unterhaltungselektronik, Haustechnik und Autos vernetzt und in dessen Mittelpunkt das Smartphone steht. Ametsreiter: »Zehn Jahre nach der Präsentation des ersten iPhones entwickelt sich das Smartphone zur mobilen Steuerungszentrale für das Internet of Things.« Viele Nutzer haben ihr Smartphone bereits mit anderen Alltagsgegenständen vernetzt – und die Bereitschaft dazu steigt. Mehr als jeder Dritte (36 Prozent) hat sein Smartphone schon einmal mit dem Auto verbunden, jeder Fünfte (19 Prozent) mit der Smartwatch und jeder Siebte (15 Prozent) mit Audio-Geräten. Vernetzt werden auch Fitnessarmband (13 Prozent), Spielekonsole, Smart-TV (jeweils 10 Prozent) und Haushaltsgeräte (8 Prozent). Und 46 Prozent können sich vorstellen, mit dem Smartphone künftig Haushaltsgeräte beziehungsweise die Haustechnik zu steuern.

Smartphones sind für große Mehrheit im Alltag unverzichtbar

Die Internetznutzung wird immer mobiler. Surften vergangenes Jahr erst 20 Prozent privat hauptsächlich mit dem Smartphone, sind es heute schon 30 Prozent. Die große Mehrheit der Nutzer will auf die Geräte nicht mehr verzichten. Acht von zehn (80 Prozent) sagen, Smartphones seien eine große Erleichterung im Alltag. Sieben von zehn (71 Prozent) können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Mehr als jeder Zweite (53 Prozent) gibt an, immer das neueste Modell zu kaufen.

Nachrichtenzentrale, Bank und Shopping-Mall für die Hosentasche

Auch wenn sich die Anwendungsfelder immer weiter ausdifferenzieren, schätzen die Nutzer vor allem die ursprüngliche Kernfunktion mobiler Telefone: 100 Prozent nutzen die Standardfunktion Telefonie. Danach folgen Foto- und Videokamera (90 Prozent) und Suchmaschine (79 Prozent). Rund zwei Drittel hören Musik (69 Prozent), lesen Nachrichten (69 Prozent), bewegen sich in sozialen Netzwerken (68 Prozent) und nutzen Navigations- und Kartendienste (64 Prozent). Darauf folgen Kurznachrichtendienste wie Telegram, Threema und WhatsApp (62 Prozent), Wecker (61 Prozent), SMS (58 Prozent) und E-Mails (53 Prozent). Knapp jeder Zweite nutzt Online-Banking (46 Prozent), Gesundheits-Apps (45 Prozent) und Online-Shopping (43 Prozent), gut jeder Fünfte Dating-Dienste (22 Prozent) und jeder Sechste eine Ticket-Funktion (17 Prozent). »Neben dem Telefonieren gehört es zum Standard, Bilder aufzunehmen, Kontakte zu pflegen und Informationen zu recherchieren. Das Smartphone ist für viele auch Bank und Shopping-Mall in der Hosentasche«, sagte Ametsreiter.

Jeder Zweite shoppt per Smartphone online

Viele Transaktionen im Internet werden mittlerweile per Smartphone abgewickelt. Jeder Zweite (51 Prozent), der auf seinem Gerät das Internet nutzt, war in den vergangenen 12 Monaten damit auch online shoppen, zum Beispiel Bekleidung. Ein gutes Viertel (28 Prozent) hat Spiele eingekauft. 22 Prozent buchten Flüge, Reisen oder Bahnfahrten. Jeder Fünfte (19 Prozent) kaufte Nachrichtentexte, 17 Prozent Musik und 13 Prozent Filme oder Videos. 7 Prozent haben mit dem Smartphone Tickets für den öffentlichen Nahverkehr erworben. Der Prozess des Buchens und Kaufens werde durch das Smartphone erheblich vereinfacht. Das generiere zusätzliches Wachstum, sagte Ametsreiter. »Das Smartphone ist ein wichtiger Teil der Wertschöpfung im Internet – und wird weiter an Bedeutung gewinnen.«

Umsatz stabilisiert sich auf hohem Niveau

Die Nachfrage nach Smartphones ist im vergangenen Jahr nach aktuellen Prognosen des European Information Technology Observatory (EITO) leicht zurückgegangen. 2016 wurden in Deutschland 25,1 Millionen Geräte verkauft. Das entspricht einem Rückgang von 4,4 Prozent im Vergleich zu 2015, als mit 26,2 Millionen der bisherige Spitzenwert erzielt wurde. Der Umsatz sank 2016 um 6 Prozent auf 10 Milliarden Euro. »In diesem Jahr stabilisiert sich der Smartphone-Markt auf hohem Niveau. Viele Verbraucher interessieren sich für die neuesten Modelle und sind bereit, dafür auch wieder mehr auszugeben«, sagte Ametsreiter. So wird für 2017 beim Umsatz wieder ein leichtes Plus von 1,5 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro erwartet, während die Stückzahlen nur noch geringfügig um 1,2 Prozent auf 24,8 Millionen verkaufte Geräte zurückgehen. Der Durchschnittspreis pro Smartphone steigt voraussichtlich um 3 Prozent von 397 Euro (2016) auf 408 Euro (2017).

Zwei Drittel haben ihr Smartphone im vergangenen Jahr gekauft

Der Bitkom-Umfrage zufolge besitzen zwei Drittel der Nutzer (63 Prozent) ein Smartphone, das nicht älter als ein Jahr ist. Weniger als ein Viertel (22 Prozent) besitzt ein Gerät im Alter von einem bis zwei Jahren und lediglich 12 Prozent haben ein älteres Smartphone. Die Verbraucher entscheiden sich bewusst für die jeweils neue Smartphone-Generation. Als Kaufmotiv gibt jeder Zweite (51 Prozent) an: »Ich wollte ein Gerät haben, das auf dem neuesten Stand der Technik ist.« Die wichtigsten Wünsche an das nächste Smartphone sind eine deutlich längere Akkulaufzeit (55 Prozent), mehr Speicherkapazität (42 Prozent) und eine Fotokamera mit besserer Qualität (30 Prozent).

Rasanter Anstieg des Datenvolumens

Mit der Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten nehmen auch die Anforderungen an die Mobilfunkinfrastruktur zu. Von 2011 bis 2015 hatte sich das über Mobilnetze übertragene Datenvolumen von 100 auf 591 Millionen Gigabyte nahezu versechsfacht. 2016 stieg das Volumen nach vorläufiger Prognose um knapp die Hälfte auf 860 Millionen Gigabyte. Für 2017 erwartet der Bitkom, dass sich dieses starke Wachstum fortsetzt und das Datenvolumen auf knapp 1,2 Milliarden Gigabyte anwächst. »Das Datenvolumen wird auch durch das Internet of Things weiter rasant ansteigen«, sagte Ametsreiter. »Die Mobilfunkbetreiber bereiten dafür den Aufbau der 5G-Netze vor. 5G ist nicht einfach nur schneller – es ist der Standard für das Internet of Things, die Industrie 4.0, Telemedizin und vernetztes Fahren. Die nächste Mobilfunkgeneration ermöglicht, dass deutlich mehr Geräte als bisher bei höheren Geschwindigkeiten und kürzeren Latenzzeiten online gehen können.«

Mobilfunkanbieter vernetzen immer häufiger Maschinen statt Menschen

Die zunehmende Kommunikation smarter Geräte untereinander erschließt der Mobilfunkindustrie einen neuen Wachstumsmarkt. Die Netzbetreiber verzeichnen eine steigende Nachfrage nach SIM-Karten für die Kommunikation im Internet of Things. Anbieterübergreifend nimmt dieser Anteil überproportional zu. Belief sich der Bestand an SIM-Karten der drei Netzbetreiber Telefónica, Telekom und Vodafone insgesamt Ende 2015 noch auf 113,8 Millionen, sind es heute 129,3 Millionen. »Das Internet of Things gewinnt immer mehr an Bedeutung. Schon bald werden Mobilfunkanbieter mehr Maschinen als Menschen vernetzen«, sagte Ametsreiter.

Trends auf dem Mobile World Congress

Auf dem Mobile World Congress (27. Februar bis 2. März) in Barcelona werden erwartungsgemäß zahlreiche Hersteller Smartphone-Neuheiten vorstellen. Der Trend geht zu schlankeren Geräten, leistungsfähigeren Prozessoren und schärferen Displays, weshalb Virtual-Reality-Inhalte künftig auch auf weniger hochpreisigen Geräten angewendet werden können. Im Fokus stehen außerdem Smartphone-Assistenten, die auf künstlicher Intelligenz basieren.

[1] Hinweis zur Methodik: Den Marktprognosen liegen Untersuchungen des European Information Technology Observatory (EITO) zugrunde. EITO liefert aktuelle Daten zu den weltweiten Märkten der Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. EITO ist ein Projekt der Bitkom Research GmbH in Zusammenarbeit mit den Marktforschungsinstituten IDC und GfK. Grundlage der Angaben zum Nutzeranteil und verhalten ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden im Januar und Februar 2017 1.011 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt, darunter 757 Smartphone-Nutzer. Die Angaben zum Datenvolumen beruhen auf Berichten der Bundesnetzagentur und der Mobilfunknetzbetreiber.

Jeder Dritte geht bevorzugt per Smartphone online

Jeder dritte Internetnutzer (30 Prozent) ist privat hauptsächlich mit dem Smartphone online. 2016 war es dagegen lediglich jeder Fünfte (20 Prozent). Damit ist der Anteil innerhalb eines Jahres um die Hälfte gestiegen, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.011 Bundesbürgern ab 14 Jahren zeigt [1].

Demnach sitzen immer weniger Onliner vor großen Bildschirmen. Der Anteil der Nutzer, die hauptsächlich mit dem Laptop im Internet sind, sank von 43 auf 35 Prozent. Für den Desktop-Computer fiel der Wert um 2 Punkte auf 14 Prozent. Jeder Fünfte (19 Prozent) nutzt ein Tablet, das sind geringfügig mehr als im Vorjahr (18 Prozent). »Das Internet wird immer mobiler. In Kürze wird das Smartphone auch den Laptop als meist genutzten Internetzugang ablösen«, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Bei vielen Online-Anwendungen ist das Smartphone bereits heute die erste Wahl. Für knapp zwei Drittel der Internetnutzer (63 Prozent) ist es das bevorzugte Gerät, um Nachrichten zu lesen, zum Beispiel im Browser oder per App. Dahinter folgen Laptop (43 Prozent), Desktop-Computer (28 Prozent) und Tablet (21 Prozent). Sechs von zehn (60 Prozent) nutzen das Smartphone, um Musik zu hören. Deutlich weniger populär sind Laptop (32 Prozent), Desktop-Computer (25 Prozent) und Tablet (17 Prozent). 58 Prozent bewegen sich mit dem Smartphone in sozialen Netzwerken, Laptop (39 Prozent), Tablet (35 Prozent) und Desktop-Computer (28 Prozent) finden sich auf den Rängen dahinter. Und mehr als die Hälfte (56 Prozent) greift zum Smartphone, um sich per Navigation beziehungsweise digitalem Stadtplan zurechtzufinden. Seltener zum Einsatz kommen Tablet (30 Prozent), Laptop (22 Prozent) und Desktop-Computer (12 Prozent). Rohleder: »Mobile first gilt heute mehr denn je. Immer mehr neue Dienste werden gar nicht erst für den Desktop entwickelt, sondern ausschließlich zur mobilen Nutzung.«

Welchen Stellenwert hat das Smartphone im Leben der Deutschen? Wie entwickeln sich die Marktzahlen? Und welche Rolle spielt das Smartphone im Internet of Things? Im Vorfeld des Mobile World Congress in Barcelona (27. Februar bis 2. März 2017) präsentiert der Bitkom die ausführlichen Ergebnisse der Studie zur Smartphone-Nutzung sowie aktuelle Konjunkturdaten und Trends.

[1] Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.011 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt, darunter 836 Internetnutzer. Die Fragestellungen lauteten: »Mit welchem der folgenden Geräte nutzen Sie das Internet privat hauptsächlich?« und »Auf welchen Geräten nutzen Sie die folgenden ausgewählten Online-Dienste?«

 

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