
Illustration Absmeier foto magnific
Management Summary
- Nicht-menschliche Identitäten und KI-Agenten wachsen rasant – klassische IAM-Modelle stoßen damit an ihre operativen und sicherheitstechnischen Grenzen.
- Unternehmen müssen Berechtigungen für Bots, Services und agentenbasierte KI konsequent nach denselben strengen Regeln steuern wie für menschliche Nutzer.
- Zero Trust und Just-in-Time-Access werden zur Pflicht, um Zugriffe granular, zeitlich begrenzt und nachvollziehbar abzusichern.
- SSO-fähige Systeme, automatisiertes Lifecycle-Management und kontinuierliches Monitoring sind zentrale Voraussetzungen für skalierbare Kontrolle.
- Für CTOs und CISOs gilt: Wer KI-Agenten produktiv einsetzen will, muss deren Identitäten, Rechte und Verhalten jetzt aktiv governieren – nicht erst nach dem ersten Sicherheitsvorfall.
Unternehmen benötigen dringend einen Zero-Trust-Ansatz und Just-in-Time-Zugriff beim Identity und Access Management (IAM). Denn die nächste Generation agentenbasierter KI erschafft bereits ihre eigenen Agenten.
Nicht-menschliche Identitäten
In einem typischen Unternehmen übertrifft die Zahl nicht-menschlicher Identitäten (NHIs) die der menschlichen Nutzer schätzungsweise in einem Verhältnis von mindestens 50:1 [1].
Zu den NHIs zählen:
- Cloud-Workloads
- RPA-Bots
- Mikroservices, die API-Schlüssel oder OAuth-Token bei der Kommunikation nutzen
- Skripte, die sich in sensible Datenbanken einloggen
- KI-Agenten.
Schätzungen zufolge stieg das Verhältnis von NHIs zu menschlichen Anwendern im Allgemeinen, im letzten Jahr auf 144:1 [2]. Der Grund: Es kommen inzwischen deutlich mehr KI-Agenten zum Einsatz. CISOs kennen die Risiken verwaister Konten bereits [3]. Ihnen ist klar, dass solche Berechtigungen automatisch widerrufen werden sollten, sobald NHIs ihre Aufgaben erledigt haben.
Die nächste Generation von Agenten verwalten
Ein aktueller Artikel in der Enterprise Times beleuchtet die Problematik: KI erschafft inzwischen ihre eigenen Agenten [4]. Hatte die erste Generation agentenbasierter KI noch die gleichen Rechte und Berechtigungen inne wie ihre menschlichen Schöpfer, so erschafft die KI nun ihre Agenten selbst. Diese Agenten benötigen ihrerseits Zugriffsrechte, um ihre Aufgaben zu erfüllen und auf Daten zuzugreifen.
Für CTOs und CISOs wirft das drei zentrale Fragen auf:
- Wer oder was kontrolliert die Vergabe von Rechten und Berechtigungen für KI-Agenten, die auf Unternehmensdaten zugreifen?
- Sind die bestehenden IT-Sicherheitsmaßnahmen in der Lage, die Berechtigungsüberschreitung durch KI-erstellte Agenten schnell genug zu erkennen und auf diese Situation zu reagieren?
- Sind die Systeme für das Identity Access Management (IAM) und das Privileged Access Management (PAM) in der Lage zu skalieren, um den massiven Anstieg von Authentifizierungs- und Zugriffsanfragen überhaupt zu bewältigen?
Zugriff zeitlich begrenzen
Der Kuppinger Cole Leadership Compass for Non-Human Identities bewertet, wie gut Anbieter ihre Kunden bei der Erkennung, Inventarisierung und dem Lebenszyklusmanagement von NHIs unterstützen [5]. Der Bericht hebt besonders hervor, dass PAM-Tools sich weiterentwickeln müssen, um API-Schlüssel, Dienstkonten und KI-Agenten angemessen zu verwalten. So erfordere die wachsende Zahl maschineller Identitäten in den diversen Unternehmensumgebungen einen Just-in-Time-Ansatz beim Zugriffsmanagement.
Single Sign-on spezifizieren
Single Sign-on (SSO) ist in Unternehmensumgebungen fest etabliert und macht die Bereitstellung von separaten Konten für jedes einzelne System überflüssig. SSO bietet Administratoren einen einheitlichen Mechanismus, um die Rollen, Rechte und den Zugriff jeder Identität auf Anwendungen, Systeme und Konfigurationen zu verwalten. Statt die Rolle und Berechtigungsstufe für jede Identität statisch festzulegen, verknüpfen sie diese mit einer einzigen Session und gewähren sie für die entsprechende Laufzeit. Ist die Session beendet, werden alle Berechtigungen entzogen.
Allerdings unterstützen etliche Unternehmenssysteme SSO auf der Gegenseite bislang nicht. In der Praxis gibt es zahlreiche Beispiele bei denen Administratoren den Zugriff weiterhin statisch gewähren müssen. Das Problem bei diesem Ansatz ist die notwendige Synchronisation aller Identitäten und Zugriffe an verschiedenen Orten. Wächst der Technologie-Stack, wird es sehr viel schwieriger, den Überblick zu behalten, worauf jeder und alles zugreifen kann. Eine der grundlegenden Regeln für einen CTO sollte es deshalb sein, Anwendungen zu bevorzugen, die Single Sign-on unterstützen.
IAM unterschiedslos anwenden
Das Sicherheitsrisiko erhöht sich mit der Verbreitung von Anmeldedaten. Maschinelle Identitäten sollten nicht unkontrolliert im System verbleiben. Die goldene Regel lautet: Wenden Sie für KI-Agenten und andere Maschinenidentitäten dieselben strengen Regeln an wie für ihre menschlichen Anwender. Dies gilt für das Zuweisen von Berechtigungen und die Kontrolle der Nutzer gleichermaßen.
Zero Trust umsetzen
Der Übergang von Zero Trust in der Theorie zu Zero Trust in der Praxis erfordert ein Umdenken. Vertrauen Sie niemals dem Ursprung einer Anfrage, sondern der Authentifizierung, die der Anfragende sendet. Führen Sie für jede neue Anfrage eine erneute Authentifizierung durch, selbst wenn sie von derselben Identität zu kommen scheint. Identität und Zugriff sollte man auf jeder Ebene überprüfen, einschließlich interner API-Aufrufe.
In einer noch stärker SaaS- und API-getriebenen Welt, in der alles über das öffentliche Internet zugänglich ist, spricht einiges dafür, Zero Trust zukünftig von Anfang an in die Systeme zu integrieren.
Risiken beim MCP-Server managen
Das Model Context Protocol (MCP) von Anthropic bietet eine Standardmethode zur Verbindung von KI-Agenten mit Datenquellen. Das beschleunigt die Arbeitsabläufe erheblich. Dennoch wusste die Person, die den MCP-Server geschrieben hat, nicht zwangsläufig, welcher KI-Bot sich mit einem System verbinden wird, um die benötigten Daten abzurufen.
Wie also erkennt man, wie KI-Agenten auf Daten zugreifen und sich durch Unternehmenssysteme bewegen? Dazu braucht man ein robustes und begrenztes System zur privilegierten Rechteverwaltung für Bot-Identitäten. Dieses Berechtigungsmanagement muss granular, automatisiert und auf jedes einzelne System sowie jede einzelne Anfrage, zugeschnitten sein.
Verhalten überwachen
Die wachsende Zahl von KI-generierten Identitäten macht die Anwendung eines Zero-Trust-Ansatzes und die Einführung einer Just-in-Time-Zugriffsverwaltung unumgänglich.
Zero-Trust-Prinzipien müssen über die reine Verwaltung von Zugriffen auf Unternehmensnetze und Anwendungen hinausgehen und zusätzlich den agentenbasierten Zugriff auf diese Daten regeln. Sollte ein Nutzer oder eine maschinelle Entität zu einer ungewöhnlichen Zeit oder von einem verdächtigen Ort aus auf eine Datenquelle zugreifen, ist das ein Warnsignal. Hier ist die KI das leistungsstärkste Werkzeug, um anhand der Logs zu sehen, welche Identitäten auf welche Daten zugreifen, um jedes Verhalten nachzuverfolgen und zu überprüfen, was in den betroffenen Systemen geschieht [6].
Sicherheit vereinfachen
Sicherheit hat die höchste Akzeptanz, wenn sie den normalen Arbeitsablauf und die Produktivität nicht beeinträchtigt. Dieses Prinzip sollte auch für das Identity und Access Management gelten: IAM sollte einfach zu nutzen und leicht zu integrieren sein und dabei zuverlässig funktionieren. Wenn Identitäts- und Zugriffskontrollen zu aufwendig sind, greifen Anwender gerne auf unsichere Praktiken zurück. Sie lassen beispielsweise sensible Anwendungen einfach geöffnet. Benutzer mit erweiterten Berechtigungen nutzen diese vielleicht, um Kontrollen gänzlich zu umgehen. Dasselbe Prinzip der Einfachheit gilt auch für die Integration mehrerer Identity-und-Access-Management-Tools in eine einzige Identity Fabric. Ihre Aufgabe ist es, Governance-Aufgaben für ein IT-Sicherheitsteams einfacher und überschaubarer zu gestalten.
Der Wildwuchs bei KI Anmeldedaten
Angesichts der laufenden Entwicklungen sollten wir den Kopf nicht in den Sand stecken. Agentenbasierte KI ist Realität – ihre Aktivitäten müssen verwaltet, nachverfolgt und überprüft werden. Moderne Rahmenwerke wie NIST CSF 2.0, NIST SP 800-53, PCI DSS und ISO 27001:2022 schreiben bereits vor, die Anmeldedaten zu rotieren, ein Lebenszyklusmanagement von Identitäten einzuführen, das Prinzip der minimalen Rechtevergabe zu beherzigen sowie Berechtigungen kontinuierlich zu überwachsen. Sie werden nach getaner Arbeit automatisch widerrufen.
KI-Agenten absichern – jetzt
Die notwenigen Strategien, Werkzeuge, Identity Fabrics und Frameworks stehen jetzt schon zur Verfügung. Zero Trust schützt nicht nur den Netzwerkzugriff, sondern steuert auch den Zugriff auf Datenquellen durch KI-Agenten [7]. Firmen sollten die an Bots vergebenen Rechte und Zugriffe genauer prüfen und auf einen spezifischen Satz segmentierter Daten beschränken.
Fazit: Alle Identitäten, ob Mikroservices, RPAs oder KI-generierte Agenten, sollten demselben strengen Lifecycle unterliegen und regelmäßig rotieren, wie das bei den menschlichen Identitäten der Fall ist. SSO, Zero Trust und Just-in-Time-Zugriffsmanagement, gepaart mit einer verhaltensbasierten Steuerung und Prüfung, sind taugliche Strategien.
Gihan Munasinghe, CTO bei One Identity
Gihan Munasinghe ist seit 2026 Chief Technology Officer (CTO) von One Identity und verantwortet die globale Technologie‑ und Engineering‑Strategie des Unternehmens. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Aufbau skalierbarer, kundenorientierter Softwareplattformen und leitete zuvor bei Smartsheet große internationale Engineering‑Organisationen. Als ehemaliger Mitgründer und CTO von Converse.AI bringt er tiefes Know‑how in SaaS‑Architekturen, Identity Security, Cloud‑Engineering und der Modernisierung komplexer Legacy‑Systeme ein.
[1] https://www.oneidentity.com/learn/what-are-non-human-identities-in-cybersecurity.aspx
[2] https://lp.entro.security/nhi-secrets-risk-report-h1-2025
[3] https://www.verizon.com/business/resources/Tbd1/reports/2025-dbir-data-breach-investigations-report.pdf
[4] https://www.enterprisetimes.co.uk/2026/02/05/how-do-we-solve-the-challenge-of-agentic-ai/
[5] https://www.kuppingercole.com/research/lc80974/non-human-identity-management
[6] https://www.oneidentity.com/community/blogs/b/identity-governance-administration/posts/introducing-one-identity-manager-10-0
[7] https://www.oneidentity.com/community/blogs/b/one-identity/posts/the-new-normal-of-remote-work-and-the-need-for-zero-trust
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