Gebrauchte Software im Unternehmen – Mehr Sicherheit durch Blockchain?

Im Zusammenhang mit dem Einsatz gebrauchter Softwarelizenzen in Unternehmen taucht ein Buzzwort immer häufiger auf: Die Blockchain. Ob die Verschlüsselungstechnologie bei Lizenzen vom Zweitmarkt ebenso sicher greift wie beim Handel virtueller Währungen, beleuchtet der Software-Reseller VENDOSOFT.

Die Frage nach der Sicherheit bei Kauf und Verkauf bereits genutzter Computerprogramme ist so alt wie der Handel mit gebrauchten Lizenzen selbst. Seit 2012 der Europäische Gerichtshof und 2013 der Deutsche Bundesgerichtshof die Weiterveräußerung europaweit legalisierten, schwelt eine Diskussion darum, wie Mehrfachverkäufe ein und derselben Softwarelizenz verhindert werden können. Faktisch ist es tatsächlich so, dass ein Softwarehändler Nutzungsrechte für mehr Lizenzen weitergeben könnte als er erworben hat. Allerdings würde dies einen Straftatbestand darstellen. Kein seriöser, am Fortbestand seines Geschäftes interessierter Händler würde ein solches Risiko eingehen. 

Den Anschein unantastbarer Seriosität soll, wie es scheint, nun die Blockchain vermitteln. Was sich in Bitcoin und Krypto Trading bewährt hat, so die These, muss sich doch auf den Gebrauchtsoftware-Markt übertragen lassen. Seit geraumer Zeit geben deshalb verschiedene Gebrauchtsoftware-Händler werbewirksam zu Protokoll, das Blockchain-Verfahren mache ihren Handel mit den Lizenzen aus zweiter Hand sicherer, transparenter und durchgängig nachvollziehbar.

Ist das Blockchain-Verfahren auf gebrauchte Software übertragbar? Ob dem tatsächlich so ist, bezweifelt der Software-Reseller VENDOSOFT, der zu den führenden Anbietern von Microsoft- und Adobe-Lizenzen am Zweitmarkt zählt. Dennoch setzte sich das Management Board intensiv mit der neuen Technologie auseinander. 

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»Wir haben uns dem Thema intensiv gewidmet, weil wir unseren Kunden Sicherheit auf höchstem Standard versprechen«, sagt Geschäftsführer Björn Orth und ließ die bisherigen Prozesse auf den Prüfstand stellen. Ziel war es herauszufinden, ob die Blockchain mehr Sicherheit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit bieten kann als das bisherige Prüfverfahren. Bis dato werden sämtliche Ankäufe der VENDOSOFT GmbH durch einen Wirtschaftsprüfer verifiziert. Dieser bestätigt die Rechtmäßigkeit der Lieferkette sowie die vollständige Rechteübertragung auf den neuen Käufer. 

Nach eingehenden Recherchen und Gesprächen mit Blockchain-Experten fällt die Erkenntnis anders aus, als es die Berichterstattungen in der aktuellen Medienlandschaft vermuten lassen. 

Richtig ist, dass sich mit Hilfe des Kryptoverfahrens theoretisch nachvollziehen ließe, ob Softwarelizenzen – wie vorgeschrieben – tatsächlich nur vom jeweiligen Rechteinhaber verwendet werden und nicht von mehreren Nutzern gleichzeitig. Diese Informationen sind jedoch nur so verlässlich wie die Quelle, die sie in die Blockchain einspeist.

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Nonsense in – Nonsense out. Nehmen wir als Beispiel eine gebrauchte Office-2016-Volumenlizenz von Microsoft. Zum Zeitpunkt ihres allerersten Erscheinens war das Blockchain-Verfahren im Gebrauchtsoftware-Markt noch gänzlich unbekannt. Kauft ein Softwarehändler sie heute, drei Jahre später, auf, prüft er deren Dokumentation – beispielsweise die Veräußerung durch den ersten und weitere Besitzer. Er wird jedoch nirgends kryptografisch abgesicherte Verkettungen über den Werdegang dieser Lizenz finden. Ganz einfach, weil es die Blockchain bisher nicht gab.

Das ist nur logisch. Und dennoch kursieren auf dem Markt für gebrauchte Computerprogramme Aussagen, die das Gegenteil suggerieren. Die darauf setzen, dass die aus dem Handel mit Krypto-Währungen gehypte Blockchain eine Sicherheit vorspielt, die diese Technologie im Umfeld gebrauchter Software so (noch) nicht leisten kann.

Manch ein Reseller wirbt mit Kundenportalen, die auf Blockchain basieren. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle prüfe die Konformität der gehandelten Lizenzen und bescheinige diese innerhalb eines sogenannten Smart Contracts. Die Ausgabe der darin enthaltenen Lizenzen, so heißt es, werde mithilfe der Blockchain eindeutig identifiziert.

Die Experten von VENDOSOFT gingen der Frage nach, wer diese unabhängige Zertifizierungsstelle sein könnte. Fündig wurden sie auf Webseiten der Blockchain-propagierenden Gebrauchtsoftware-Händler. Dort wird beispielsweise ein von der IHK Köln bestellter und vereidigter Sachverständiger mit den Worten zitiert: »Ein seriöser Gebrauchtsoftwarehändler kann sehr gut die Rolle einer LOB-Bescheinigungsstelle ausfüllen.« (Anmerkung d. Redaktion: LOB = Transferverfahren License on Blockchain)

Was nichts anderes bedeutet, als dass jeder Reseller selbst definieren kann, was in die Blockchain seiner gebrauchten Lizenzen geschrieben wird! Ab diesem Moment sind die Informationen tatsächlich nicht mehr korrumpierbar und liefern Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Für VENDOSOFT-Chef Björn Orth steht allerdings fest: »Füttert man die Blockchain mit Nonsense, so kommt Nonsense heraus.« Nur ist das für den Laien nicht unbedingt nachvollziehbar. Sein Fazit: Stand heute liefert die Blockchain keine unabhängige Kontrolle, Transparenz oder zusätzliche Transaktionssicherheit. 

Gebrauchte Software im Unternehmen – eine Vertrauensfrage? Bleibt es damit eine Vertrauensfrage, Lizenzen vom Zweitmarkt zu erwerben? »Nein«, bekräftigt Orth und erklärt, dass Kunden beim Kauf von Unternehmenssoftware sicher sein müssen, ein Herstelleraudit zu bestehen. Kommt es zur Plausibilitätsprüfung, ist der Nachweis zu erbringen, dass die Übertragung der Nutzungsrechte rechtskräftig vollzogen wurde und die Software nicht mehrfach im Einsatz ist. »Dies dokumentieren für uns offiziell anerkannte Zertifizierungsstellen«, verrät der Software-Experte. Gemeint sind unabhängige Wirtschaftsprüfer. Sie bestätigen die lückenlose Dokumentation und rechtmäßige Übertragung der Lizenzen vom Vorbesitzer auf die VENDOSOFT GmbH und weiter auf den neuen Lizenzinhaber. Damit bedient sich VENDOSOFT derselben Verfahren wie Microsoft, deren Audits ebenfalls von Wirtschaftsprüfern durchgeführt werden. Björn Orth stellt die provokante Frage, wem sie wohl mehr Glauben schenken – ihrer eigenen Zunft oder einer Blockchain, deren Inhalt keine lückenlose Historie darstellt, sondern die von jedem Gebrauchtsoftware-Händler selbst definierten Informationen?


Mehr zum Thema Blockchain im Gebrauchtsoftware-Handel unter:
www.vendosoft.de/blockchain

 

VENDOSOFT ist Spezialist für den Kauf und Verkauf neuer und gebrauchter Software. Unternehmen erhalten bei dem oberbayerischen Reseller rechtsgültige und herstellerkonforme Volumenlizenzen von Microsoft und Adobe. Von unabhängigen Wirtschaftsprüfern verifiziert.
Mehr als 3500 Kunden nehmen im Zuge ihrer IT-Investitionen den Service der von Microsoft zertifizierten VENDOSOFT-Mitarbeiter in Anspruch: eine kostenoptimierte Lizenzberatung, die Einsparungen von 50 % bis 70 % gegenüber dem Neupreis für Software ermöglicht.

 

Illustration: © Iurii Motov /shutterstock.com

 

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