Künstliche Intelligenz in der Finanzabteilung: Vom Hype zur Wertschöpfung

foto freepik und Blackline (c)

Ein Kommentar von Ralph Weiss, Geo VP Central Europe BlackLine

 

Die Diskussion um den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Finanzabteilung ist in vollem Gange. Doch während laut Deloitte 63 Prozent der Finanzverantwortlichen bereits KI-Lösungen nutzen, berichten nur 21 Prozent von klar messbaren Erfolgen [1]. Die Ursache liegt weniger in der Technologie selbst, sondern vielmehr in ihrer Anwendung. Eine neue Generation autonomer KI-Agenten – wie BlackLine Verity – zeigt nun, wie der Schritt von einfacher Automatisierung zu intelligenter, datengetriebener Entscheidungsunterstützung gelingt.

 

Die Kluft zwischen KI-Einführung und Wertrealisierung

Die Diskrepanz zwischen hoher Adoptionsrate und geringer wahrgenommener Wertschöpfung stellt Finanz- und Rechnungsteams vor Herausforderungen. Viele Unternehmen investierten in KI mit hohen Erwartungen, sehen sich jedoch mit enttäuschenden Ergebnissen konfrontiert. Die Gründe sind oft die darunter liegende Datenbasis die Beschränkung auf einfache Aufgabenautomatisierung statt auf die Transformation komplexer End-to-End-Prozesse. Sicher ist, dass traditionelle KI- und RPA-Lösungen (Robotic Process Automation) ihre Berechtigung haben. Sie automatisieren repetitive, regelbasierte Aufgaben, scheitern jedoch an der Komplexität moderner Finanzprozesse. Echte strategische Vorteile aus der KI entstehen erst durch Lösungen, die eigenständig analysieren, entscheiden und handeln können.

 

Der nächste Evolutionsschritt: Autonome KI-Agenten

Hier setzen autonome KI-Agenten an. Diese intelligenten Systeme sind in der Lage, komplexe Finanzaufgaben mit minimaler menschlicher Intervention zu planen, zu analysieren und auszuführen. Während RPA-Lösungen als »Taschenrechner« fungieren, agieren KI-Agenten wie virtuelle Finanzanalysten: Sie interpretieren Daten, erkennen Anomalien und leiten Handlungsempfehlungen für die Finanzprofis ab.

Durch den Einsatz von spezifischen Large Language Models (LLMs) und maschinellem Lernen gehen diese Agenten weit über einfache Automatisierung hinaus. Sie verstehen Kontexte, steuern mehrstufige Prozesse und lernen kontinuierlich aus neuen Informationen. Ihre Fähigkeiten umfassen beispielsweise eine Echtzeit-Datenanalyse mit proaktiver Anomalieerkennung, prädiktive Prognosen inklusive dynamischer Szenariomodellierung oder die Entscheidungsunterstützung innerhalb definierter Parameter. Zusammengefasst erweitern sie die Fähigkeiten des gesamten Finanzteams.

 

Konkrete Anwendungsfelder

KI-Agenten können bereits heute konkret messbare Mehrwerte schaffen. Die zwei typische Szenarien verdeutlichen, welche Anwendungsoptionen besonders geeignet sind:

 

Finanzplanung & Analyse (FP&A)

Von statischen Berichten zu dynamischen Prognosen

KI-Agenten wie der BlackLine Verity Summarizer ermöglichen den Übergang von periodischen Berichten zu einem kontinuierlichen, datengetriebenen Forecasting:

  • Dynamische Prognosen: Echtzeitdaten aus dem gesamten Unternehmen werden verarbeitet, um Prognosen laufend für eine agile Szenarioplanung zu aktualisieren.
  • Automatisierte Abweichungsanalysen: Tools wie Verity Flux identifizieren nicht nur Budgetabweichungen, sondern analysieren deren Ursachen und liefern narrative Erklärungen.

 

Working-Capital-Optimierung

Lösungen wie Verity Forecast verbessern die Cashflow-Prognose und das Forderungsmanagement:

  • Intelligente Liquiditätsplanung durch Analyse von Zahlungsverhalten und Saisonality.
  • Optimierung von Forderungen und Verbindlichkeiten von der Vorhersage verspäteter Zahlungen bis zur Nutzung von Skonti.

 

Strategische Empfehlungen für echte Wertschöpfung aus Investitionen in die KI

Um die Lücke zwischen der reinen Einführung der KI und einer realen Wertschöpfung zu schließen, sollten CFOs und Finanzverantwortliche die folgenden drei Aspekte beachten:

  1. KI-Einsatz mit Fokus auf klare Use Cases: KI-Projekte sollten mit einem spezifischen, hochwirksamen Anwendungsfall beginnen, bei dem der ROI schnell messbar ist.
  2. Technologiepartner mit Branchenexpertise wählen: Lösungen mit KI-Unterstützung sollten maßgeschneidert für die Komplexität der Finanzfunktion sein und sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren lassen.
  3. Skalierung durch Pilotprojekte: Erfolge in überschaubare Projekte dienen als Blaupause, um Akzeptanz und Momentum für eine breitere Einführung zu schaffen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen und dem positiven Erfahrungsschatz lässt sich die künstliche Intelligenz mit hohen Erfolgschancen auf komplexere Prozesse skalieren.

 

[1] https://www.deloitte.com/us/en/insights/topics/leadership/finance-trends-leadership.html

 

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