
Illustration Absmeier foto freepik
Nur eine Handvoll großer Datenlecks haben das Cybersicherheitsjahr 2025 geprägt – sie überstrahlten mit ihrem Ausmaß und ihren Folgen tausende kleinere Vorfälle bei weitem. Die Expertenteams von NordPass und Nord Stellar haben die bedeutendsten Datenpannen und -lecks zusammengetragen, die sie beobachtet haben.
Hier sind die fünf größten Datenlecks – gemessen an der Anzahl der offengelegten Zugangsdaten aus einer einzigen Quelle:
Under Armour
Im November 2025 wurde die globale Sportbekleidungsmarke Under Armour von der Ransomware-Gruppe Everest angegriffen. Die Angreifer behaupteten, Hunderte Gigabyte an Daten gestohlen zu haben, und versuchten, das Unternehmen zu erpressen. Nachdem der Erpressungsversuch scheiterte, veröffentlichte die Gruppe ein umfangreiches Paket mit über 191 Millionen Datensätzen und 72,7 Millionen E-Mail-Adressen. Dabei wurden auch die Geburtsdaten, Informationen zum Geschlecht, Namen, Geolokalisierungsdaten und die Kaufhistorie der Kunden offengelegt.
Prosper Marketplace
Das bekannte US-amerikanische Peer-to-Peer-Kreditunternehmen Prosper Marketplace gab am 1. September 2025 ein Datenleck bekannt, nachdem es unbefugte Aktivitäten festgestellt hatte. Bei einer anschließenden Untersuchung wurde festgestellt, dass sich ein unautorisierter Dritter zwischen Juni und August 2025 Zugang zu den Datenbanken des Unternehmens verschafft und Daten gestohlen hatte. Die Identität des Angreifers wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Eine unbefugte Abfrage der Datenbanken von Prosper legte 17,6 Millionen Konten offen und umfasste neben den E-Mail-Adressen der Kunden auch Namen, Anschriften, IP-Adressen, Geburtsdaten, behördliche Identifikationsdaten, den Beschäftigungsstatus, Einkommensdaten, Kreditinformationen und weitere Details.
Vietnam Airlines
Im vergangenen Sommer, im Juni 2025, veröffentlichten Bedrohungsakteure einen 64 GB umfassenden Datensatz mit mehr als 7,3 Millionen E-Mail-Adressen von Kunden der Vietnam Airlines. Zusammen mit diesen Daten wurden physische Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten, Informationen zum Geschlecht, Namen, Nationalitäten und Benutzernamen veröffentlicht. Das Datenleck bei der nationalen Fluggesellschaft Vietnams, Vietnam Airlines, basierte auf einer Sicherheitslücke in der von Salesforce bereitgestellten CRM-Plattform (Customer Relationship Management) eines Drittanbieters. Der Angriff wurde von einem Hacker-Kollektiv namens »Scattered LAPSUS$ Hunters« durchgeführt. Der Angriff auf die Fluggesellschaft gehörte zu einer umfassenderen Kampagne. Dabei hatte die Gruppe nach eigenen Angaben 39 verschiedene Unternehmen angegriffen.
Das Pass’Sport-Programm
Im Dezember 2025 wurde in einem Hacker-Forum eine Datenbank des französischen Programms Pass’Sport veröffentlicht. Die staatliche Initiative Pass’Sport gewährt jungen Menschen einen jährlichen Unterstützungszuschuss bei den Kosten für die Mitgliedschaft in einem Sportverein. Die Angreifer bezeichneten das Datenleck als »Weihnachtsgeschenk« und als Vergeltungsmaßnahme gegen die französischen Behörden für die Verhaftung von Hackern, die mit Gruppen wie ShinyHunters und IntelBroker in Verbindung stehen. Die gestohlene Datenbank enthielt 6,5 Millionen E-Mail-Adressen und betraf etwa 3,5 Millionen Haushalte. Die kompromittierten Daten umfassten zudem Namen, Angaben zum Geschlecht, Telefonnummern und Adressen.
Bouygues Telecom
Anfang August 2025 bestätigte der drittgrößte Mobilfunkanbieter Frankreichs, Bouygues Telecom, Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein. Das Unternehmen schrieb den Angriff keiner bestimmten Person oder Gruppe zu, später bekannte sich jedoch ein Bedrohungsakteur in einem Cyberkriminalitätsforum zu dem Angriff und teilte die gestohlene Datenbank kostenlos. Der Angreifer hatte Zugriff auf die persönlichen Daten von 6,4 Millionen Kunden erlangt, und auch Anschriften, Geburtsdaten, Namen und Telefonnummern wurden dabei offengelegt.

All diese Vorfälle veranschaulichen die große Bandbreite an Betroffenen und verdeutlichen, dass aktuelle Datenlecks oft weit mehr als nur E-Mail-Adressen preisgeben.
Laut Untersuchungen von NordPass und NordStellar enthielten 90 % der Lecks E-Mail-Adressen, 32 % legten Anmeldedaten offen und 12,3 % umfassten sensible behördliche Identifikationsdaten wie Sozialversicherungsnummern. In geografischer Hinsicht waren die Vereinigten Staaten und Indien Hauptziele, während im Hinblick auf Branchen Technologie, Bildung und E-Commerce am stärksten von den Vorfällen betroffen waren.
Ausblick: Was 2026 zu erwarten ist
Die Expertenteams weisen darauf hin, dass die Zahl der geleakten Datenbanken im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 36,9 % zurückgegangen ist. Dieser Rückgang der öffentlich sichtbaren Datenbanklecks liegt jedoch vermutlich an einer umfassenderen Veränderung der Taktiken von Bedrohungsakteuren und nicht an einem Rückgang der Aktivitäten.
»Wir gehen davon aus, dass Kriminelle auf Infostealer-Malware, Phishing und Erpressung durch Ransomware setzen, um Anmeldedaten zu stehlen und zu verkaufen. Die zunehmende Beliebtheit von LLMs wird beim Thema Cyberkriminalität für Fortschritte sorgen, genau wie es in anderen Bereichen bereits der Fall war. Mithilfe von KI-Tools können Angreifer bessere Phishing-E-Mails verfassen, Stimmen klonen und Deepfakes sowie Malware entwickeln. Zudem nutzen sie agentenbasierte Software, um Prozesse zu automatisieren oder Schwachstellen schneller zu entdecken. Unternehmen und Privatpersonen sollten also wachsam bleiben und ihre Sicherheitsmaßnahmen auf dem aktuellsten Stand halten. Die wichtigsten Methoden gegen diese Bedrohungen sind weiterhin strenge Passwortrichtlinien, Multi-Faktor-Authentifizierung und regelmäßige Software-Updates«, erklärt Karolis Arbaciauskas, Head of Product bei NordPass.
Er ergänzt, dass die zentrale Herausforderung im Jahr 2026 das großflächige Identitätsmanagement sein wird. Unternehmen, die Datenkonzentration verringern, Zugriffskontrollen verschärfen und Erkennungs‑ sowie Reaktionszeiten verkürzen, werden besser aufgestellt sein, um den Schaden bei Sicherheitsvorfällen zu begrenzen. Die Fähigkeit, Datenoffenlegung einzudämmen – nicht nur zu verhindern – wird zunehmend zum entscheidenden Maß für Resilienz.
[1] Dieser Bericht ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen NordPass und NordStellar. Der Datensatz enthält öffentlich zugängliche geleakte Datenbanken, die von NordStellar zwischen 2023 und 2025 entdeckt wurden. Jeder Eintrag wurde mithilfe einer KI-gestützten Klassifizierungspipeline (nexos.ai) verarbeitet, welche die verfügbaren Metadaten zu Datenlecks analysierte – darunter Ursprungsdomains, Top-Level-Domains, Beschreibungen, referenzierte Organisationen und Datensatzinhalte –, um die Branche, die geografische Zuordnung und den Organisationstyp (öffentlich oder privat) zu bestimmen.
Datenlecks wurden als »länderspezifisch« kategorisiert, wenn die verfügbaren Metadaten auf eine primäre Länderzugehörigkeit hinwiesen. In allen anderen Fällen wurden sie als »global« oder »unbekannt« markiert. NordStellar extrahierte aus den 3.031 im Jahr 2025 erfassten Datenlecks die Anzahl an gemeldeten E-Mail-Adressen und dokumentierte das Vorhandensein weiterer Datentypen, darunter Telefonnummern, Anmeldedaten (Klartext- oder gehashte Passwörter, API-Schlüssel), behördliche Identifikationsdaten und Finanzdaten. Die Gesamtzahl der E-Mail-Adressen spiegelt aggregierte Kontodatensätze wider und kann gemischte Kontotypen enthalten (z. B. Kunden-, Mitarbeiter-, Verwaltungs- oder Benutzerkonten), da eine genaue Unterscheidung nicht möglich war. Für diese Studie wurden keine personenbezogenen Daten herangezogen oder gekauft.
https://nordpass.com/de/blog/leaked-databases/
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