Drei IT-Trends für 2026

Illustration Absmeier foto freepik ki

Die Digitalisierung transformiert unsere Arbeitswelt und Wirtschaft im schnellen Tempo. Allerdings kann aktuell niemand mit Sicherheit sagen, in welcher Weise sich die neuen Technologien auf unsere Geschäftsmodelle und Betriebsabläufe auswirken.

 

Laut Aussagen führender IT- und Digitalisierungs-Experten lassen sich jedoch verschiedene Trends beobachten:

  • KI-gestützte, datengetriebene Systeme gewinnen weiterhin massiv an Bedeutung und transformieren beispielsweise reaktive Lieferketten-Netzwerke in intelligente Ökosysteme.
  • Der Einfluss von ESG-Themen auf die Geschäftsstrategie wird deutlich zunehmen, nicht zuletzt, weil Konzerne und Großunternehmen ab 2026 ihre ESG-Aktivitäten nachweisen müssen.
  • Veraltete und hochkomplexe IT-Strukturen bremsen in vielen Unternehmen noch immer den produktiven Einsatz von KI. Um Prozesse und Menschen zusammenzuführen und den Menschen bewusst im Mittelpunkt der Transformation zu halten, muss IT strategisch im C-Level verankert werden.

Die folgenden Statements von Blue Yonder, GBTEC und Conivsta geben einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

 

 

Simon Bowes, European Corporate Vice-President for Manufacturing Industry Strategie, Blue Yonder

KI macht aus reaktiven Lieferketten-Netzwerken intelligente Ökosysteme

»2026 wird künstliche Intelligenz endgültig als fester Bestandteil in die globale Lieferkettenstrategie der Fertigungsindustrie integriert sein. Nach Jahren zunehmender Störungen durch Kriege, Terrorismus, Naturkatastrophen oder Handelskonflikte, wie die jüngst eskalierten Zollerhöhungen, erkennen immer mehr Unternehmen, dass Resilienz in den aktuell unsicheren Zeiten mehr bedeutet, als Unterbrechungen und Ausfällen zu widerstehen. Um erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen zusätzlich Systeme einsetzen, die in der Lage sind, selbstständig zu lernen, sich an Veränderungen anzupassen und vorausschauend zu handeln.

Laut der ›Supply Chain Compass‹-Studie von Blue Yonder sind 74 Prozent der führenden Unternehmen der Ansicht, dass KI die Betriebsabläufe verändert. In einem nächsten Schritt müssen sämtliche Daten in ein einheitliches, strukturiertes Format gebracht und die einzelnen Prozesse so miteinander vernetzt werden, dass Teams auf Basis von KI-gestützten Erkenntnissen selbstständig handeln können.

Mithilfe prädiktiver KI können Hersteller Nachfrageschwankungen oder Lieferengpässe Tage oder sogar Wochen im Voraus erkennen. Zudem erleichtert generative und agentenbasierte KI den Umgang mit Informationen. Lagerverwalter oder Disponenten müssen nicht mehr ihre Dashboards aufwändig nach Informationen durchsuchen. Stattdessen fassen intelligente Agenten die Wochenaktivitäten zusammen, kennzeichnen Lieferanten mit schwacher Performance und schlagen Lösungen vor. Die Zusammenarbeit von Mensch und KI verwandelt das, was einst eine administrative Tätigkeit war, in einen strategischen Entscheidungsprozess, der jedoch ein fundiertes Supply-Chain-Know-how voraussetzt. Ohne diese integrierten Kenntnisse wird es für Unternehmen sehr mühsam sein, KI-Tools so zu trainieren, dass sie präzise Empfehlungen abgeben können.

Durch die anhaltenden Disruptionen suchen Unternehmen nach den kürzesten und sichersten Lieferwegen, sodass sich Nearshoring und Friendshoring zunehmend als zentrale Strategien für resiliente Lieferketten im Mainstream etablieren. KI unterstützt die Regionalisierung und modelliert auf Basis einer automatisierten, fortlaufenden Szenarioplanung Lösungsoptionen für Kosten, Vorlaufzeit und Risiko.

2026 werden nicht Unternehmen mit den längsten Lieferketten erfolgreich sein, sondern diejenigen, die dank KI intelligent agieren und Erkenntnisse schnell und in großem Umfang umsetzen können.«

 

 

Gregor Greinke, CEO GBTEC Software AG

GRC: Strategischer Motor für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit

»Ab 2026 wird GRC-Management (Governance, Risk and Compliance) nicht mehr nur als Schutzmechanismus gesehen werden, sondern als strategischer Motor für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Um die neuen regulatorischen Vorgaben konsequent einzuhalten, müssen Unternehmen ihre Maßnahmen mit konkreten KPIs verknüpfen, die Compliance einen messbaren Mehrwert zuordnen. Automatisierte Workflows ermöglichen, anstelle der bisherigen manuellen Audits, eine kontinuierliche Compliance-Überwachung, die Abweichungen in Echtzeit erkennen kann.

Der Einfluss von ESG-Faktoren (Umwelt-, Soziales- und Governance) auf die Geschäftsstrategie von Unternehmen wird rasant an Bedeutung gewinnen. Ab 2026 müssen Konzerne und Großunternehmen nachweisen, dass sie ESG-Themen sowohl im Risikomanagement als auch in der Governance-Struktur und strategischen Ausrichtung fest verankert haben. Das Business Continuity Management wird dann ein breiteres Risikospektrum abdecken und auch Extremwetterevents oder Cyberangriffe auf Zulieferer umfassen.

Schon heute stoßen Unternehmen mit isolierten GRC-Prozessen schnell an ihre Grenzen. Da die einzelnen Risikobereiche immer stärker zusammenwachsen, sind auch die Risiken zunehmend miteinander verzahnt, was zu Doppelarbeiten, unklaren Zuständigkeiten oder widersprüchlichen Bewertungen führen kann. Management-Plattformen mit integrierten Lösungen, die das gesamte Spektrum von GRC abdecken, gewinnen daher an Bedeutung, besonders in stark regulierten Branchen wie Finanzen, Energie oder im Gesundheitswesen.

Um Abläufe zu beschleunigen und Fehler zu reduzieren, spielen intelligente Automatisierung und Simulation eine zunehmend wichtige Rolle. Künstliche Intelligenz wird dabei verstärkt für vorausschauende Risiko- und Chancenanalysen eingesetzt oder zur Optimierung von Risiko-Prozessen. In diesem Zusammenhang wird sich AI Governance zu einer eigenständigen Disziplin entwickeln, die Organisationen klare Richtlinien, ethische Leitlinien und wirksame Kontrollmechanismen vorgibt, um KI verantwortungsvoll und im Einklang mit Gesetzen einzusetzen.«

 

 

Martin Hinz, CEO und Mitbegründer von Convista

Digitalisierung wird zentraler – Mensch bleibt im Mittelpunkt

»Künstliche Intelligenz ist in Unternehmen angekommen, doch viele Projekte bleiben im Pilotstadium: Nur etwa 5 Prozent schaffen einen echten Return on Invest und werden produktiv eingesetzt. Die Erkenntnis daraus: KI muss zielgerichtet dort eingesetzt werden, wo sie Effizienz schafft – nicht als Selbstzweck. Unternehmen prüfen zunehmend, welche Anwendungsfälle tatsächliche Vorteile bringen. In der Kundenbetreuung etwa sollten Unternehmen genau prüfen. Bei einfachen Produkten wie einer Kfz-Versicherung oder einfachen Retail-Produkten, kann KI-basierte Kommunikation einen großen Nutzen stiften. Bei komplexen und emotional sensiblen Themen – etwa Berufsunfähigkeit oder Lebensversicherung – bleibt der Bedarf an persönlicher Beratung hoch. Ebenso bei komplexen Produkten im B2B – wie dem Maschinen- und Anlagenbau – hat KI in der Kundenkommunikation ihre Grenzen. Hybride Modelle gewinnen an Bedeutung: KI entlastet Service und Vertrieb in den Prozessen, während der direkte menschliche Kontakt Vertrauen schafft.

Automatisierung gewinnt ebenfalls an Fahrt. KI wird mit Robotic Process Automation (RPA) und Workflow-Management-Systemen fallbasiert kombiniert, um Prozesse zu optimieren und manuelle Routinen abzulösen. Der Automatisierungsgrad bei Versicherungen und Banken entwickelt sich aufgrund der digitalisierten Produktwelt bereits gut, wird aber vor allem durch die veralteten, sehr komplexen IT-Strukturen abgebremst. Vor allem Industrieunternehmen, etwa in Chemie, Pharma, Automotive sowie im Maschinen- und Anlagenbau, verfügen über großes Potenzial. Das gilt insbesondere für Logistikprozesse, die vorausschauende Instandhaltung und die Materialbeschaffung.

Ein entscheidender Treiber wird die steigende Datenintegration sein. Erst die Verbindung von Kunden-, Unternehmens- und Marktdaten ermöglicht evidenzbasierte Entscheidungen und zuverlässige Prognosen. Dafür sind moderne Technologien wie Cloud, IoT und KI auf nahtlosen Datenfluss angewiesen. Damit rückt die IT ins C-Level: Sie ist Enabler neuer Geschäftsmodelle und zentral für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit.

Doch technologische Transformation gelingt nur mit gutem Change Management. Projekte scheitern selten an der Technik, sondern an der fehlenden Integration der Mitarbeitenden. Transparente Kommunikation und professionelle Change-Begleitung erhöhen die Erfolgsquote deutlich – gerade für den Mittelstand.«

 

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