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Wie viele Menschen arbeiten trotz Rente weiter?

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Management Summary

Die Daten zeigen deutliche Unterschiede beim Weiterarbeiten nach Rentenbeginn in Europa: Im Durchschnitt bleibt rund ein Fünftel der Rentnerinnen und Rentner unter 70 in den ersten sechs Monaten nach Renteneintritt erwerbstätig, mit besonders hohen Quoten in Nordeuropa und den baltischen Staaten, während Deutschland mit 14,3 Prozent nur leicht über dem unteren europäischen Bereich liegt. Als zentrale Treiber gelten institutionelle Anreize, flexible Regelungen und steuerliche Attraktivität, während starre Systeme und unvorteilhafte Rahmenbedingungen die Weiterarbeit bremsen. Für Deutschland bedeutet dies: Längeres Arbeiten im Alter kann zwar helfen, Fachkräfteengpässe abzufedern und zusätzliche Beiträge zu generieren, wird die strukturellen Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rentenversicherung angesichts des demografischen Wandels aber nicht allein lösen. Die DIW-Ergebnisse unterstreichen zugleich, dass insbesondere Gesundheit, Qualifikation und flexible Beschäftigungsmodelle entscheidend dafür sind, das Potenzial älterer Erwerbstätiger besser zu nutzen.

 

Weiterarbeit im europäischen Vergleich

In Europa arbeiten im Schnitt etwa ein Fünftel der Rentner unter 70 Jahren in den ersten sechs Monaten nach Rentenbeginn weiter. Wie die Statista-Infografik mit Daten des OECD-Reports Pensions at a Glance (PDF-Download [1]) zeigt, gibt es dabei ein auffälliges Nord-Süd-Gefälle: Über 40 Prozent der Rentner in den baltischen Staaten und Norwegen sowie rund ein Drittel in Finnland, Island und Schweden tun dies. Am anderen Ende des Spektrums kombinieren in Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Slowenien und Spanien nur etwa ein Zehntel der Rentner oder weniger ihre Rente mit einer Erwerbstätigkeit. Deutschland liegt mit einem Anteil von 14,3 Prozent nur wenig darüber.

 

Warum es ein Nord-Süd-Gefälle gibt

Die OECD benennt mehrere strukturelle Gründe für das erwähnte Nord-Süd-Gefälle. So seien viele Rentensysteme in Nordeuropa stärker beitragsorientiert und eine längere Arbeitszeit führt hier zuverlässig zu spürbar mehr Rente. Zudem gäbe es hier im Schnitt weniger finanzielle Abschläge für Weiterarbeit und das Kombinieren von Arbeit und Rente sei vergleichsweise unkompliziert und zudem auch steuerlich attraktiv. In Südeuropa hingegen seien die Rentensysteme meist stärker staatsfinanziert und hätten starre Regeln. Arbeiten nach Rentenbeginn sei steuerlich und/oder rechtlich unattraktiv oder führe zu Rentenkürzungen. Generell sei der frühere Renteneintritt historisch fest verankert.

 

Finanzielle Motive und soziale Gründe

Die Beweggründe für ein Weiterarbeiten nach dem Renteneintritt sind laut OECD sehr unterschiedlich: Die Mehrheit der Erwerbstätigen in den baltischen Staaten gibt finanzielle Gründe an, während in Norwegen die Mehrheit angibt, aus Freude an der Arbeit weiterzuarbeiten. In Finnland und Schweden sind die Beweggründe vielfältiger, insbesondere in Schweden, wo ein Viertel der Erwerbstätigen angibt, dies vor allem zu tun, um sozial integriert zu bleiben – ein deutlich höherer Anteil als in jedem anderen europäischen Land.

 

Kann längeres Arbeiten die Rentenkasse entlasten?

Könnte eine längere Arbeitszeit über das Regelaltersalter hinaus die Finanzierungslücke der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland verringern? Vermutlich nicht vollständig, denn der demographische Wandel (sinkende Geburtenzahlen, alternde Bevölkerung, längere Lebenserwartung) ist so stark, dass er – selbst bei steigender Erwerbstätigkeit im Ruhestand – eine enorme Belastung für das Umlage‑Rentensystem darstellt. Die Beiträge, die ältere Erwerbstätige zahlen, würden allein wahrscheinlich nicht ausreichen, um die deutlich steigenden Rentenausgaben langfristig auszugleichen. Als Voraussetzung braucht es flexible Teilzeitmodelle und altersgerechte Arbeitsplätze. Zudem muss sich die kulturelle Akzeptanz wandeln, denn in Deutschland gilt Arbeit nach Rentenbeginn noch nicht als Norm.

 

DIW-Studie: Potenzial älterer Erwerbstätiger

Eine neue DIW-Studie ergänzt die OECD-Daten. Danach sind nach Erreichen der Regelaltersgrenze sind noch sieben Prozent der Älteren erwerbstätig – mit durchschnittlich 19 Wochenstunden. Je besser die gesundheitliche Verfassung und je höher das Ausbildungsniveau, desto größer sei die Erwerbsbeteiligung im Alter. Die DIW-Experten weisen daraufhin, dass Ältere schon heute teilweise den zunehmenden Fachkräftemangel lindern würden. Es sollte daher verstärkt darauf hingearbeitet werden, dass ein höherer Anteil von Erwerbstätigen jenseits der Regelarbeitsgrenze im Arbeitsmarkt bleibt. Gesundheitsfördernde Maßnahmen, Fort- und Weiterbildung auch in höherem Alter oder Reformmaßnahmen im Steuer- und Sozialrecht könnten dies begünstigen.

Matthias Janson

https://de.statista.com/infografik/35532/anteil-der-menschen-die-in-den-ersten-6-monaten-nach-bezug-der-ersten-altersrente-weiterarbeiten/?lid=ji8fwki60z97

 

[1] https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2025/11/pensions-at-a-glance-2025_76510fe4/e40274c1-en.pdf

 

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