Human-centric als neue Strategie für Business-Software

Humera positioniert sich mit einem human-centric Ansatz als Vorreiter einer neuen Generation von Business-Software: KI und Low Code verlagern Customizing und Prozessautomatisierung aus der IT in die Fachbereiche. Das senkt Abhängigkeiten von externen Beratern, verkürzt Anpassungszyklen und erhöht die Fähigkeit von Unternehmen, Prozesse schneller, flexibler und kosteneffizienter an veränderte Anforderungen anzupassen. Für Anbieter wird diese Entwicklung zum strategischen Härtetest, denn nur technologisch integrierte Plattformen können KI durchgängig, sicher und compliance-konform nutzbar machen.

  • Strategische Relevanz: Business-Software wird vom starren System zur anpassbaren Plattform, die sich an reale Prozesse und Nutzerbedürfnisse anpasst.
  • Operativer Nutzen: Fachbereiche können Workflows und Regeln zunehmend selbst gestalten, wodurch Time-to-Value und Prozessqualität steigen.
  • Automatisierungspotenzial: KI ermöglicht die Übersetzung natürlicher Sprache in Prozesslogik und schafft Transparenz in Entscheidungen und Freigaben.
  • Wirtschaftlicher Effekt: Weniger externer Customizing-Aufwand reduziert Kosten und erhöht die Skalierbarkeit individueller Prozessmodelle.
  • Marktausblick: Anbieter mit fragmentierter Alt-Architektur geraten unter Druck; Wettbewerbsvorteile entstehen durch integrierte, sichere und compliance-fähige Suites.

 

 

KI verändert grundlegend, wie Business-Software für ihre Kunden Mehrwert generiert. Wir sprachen mit Markus Schindler, dem frischgebackenen CTO des HR-Softwareanbieters humera, der mit Low Code und KI neue Wege für Self-Customization und die Automatisierung von Geschäftsprozessen geht.

 

Herr Schindler, was ist heute bei der Entwicklung von Business-Software anders als noch vor ein paar Jahren?

Markus Schindler: Früher war Anwendungssoftware wie ERP-Systeme oder HR-Lösungen von enormer technischer und fachlicher Komplexität geprägt – und zeigte dies auch nach außen. Für das Customizing solcher Lösungen brauchten Kunden hochspezialisierte Systemberater, die sie teuer vom Hersteller oder dessen Partnern einkaufen mussten. So konnten Kunden notwendige Änderungen in der Regel kaum selbst vornehmen und waren häufig in Prozessen gefangen, die ihren individuellen Abläufen nur unzureichend entsprachen. Mit Galgenhumor wurden solche Systeme als »digitale Betonfüße« bezeichnet, weil sie hinderlich und mitunter sogar riskant waren.

Das führte zu einem erheblichen Mangel an Flexibilität und Agilität, der in der heutigen Geschäftswelt nicht mehr hinnehmbar ist. Durch Konzepte und Technologien wie insbesondere Low Code sowie die breite Verfügbarkeit leistungsfähiger KI ist moderne Business-Software heute von grundlegend anderer Natur.

 

Was muss sich ein Anwender unter diesen neuen Möglichkeiten vorstellen?

Markus Schindler: Wir nennen diesen neuen Ansatz human-centric. Im Kern bedeutet das: Nicht Menschen und Organisationen passen sich der Software an, sondern umgekehrt. Konkret heißt das, dass Kunden selbst in der Lage sein müssen, Abläufe in ihrer Business-Software ohne tiefes technisches Know-how zu gestalten. Das ist notwendig, weil viele Prozesse heute nicht mehr nach Schema F ablaufen. Stattdessen müssen immer mehr individuelle Anforderungen berücksichtigt werden, während sich Prozesse immer schneller verändern. Einfache Anpassbarkeit ist damit zur zentralen Eigenschaft moderner Business-Software geworden.

 

Die Idee von Low Code und Self-Customization ist ja nicht neu. Wieso kommt durch den Einsatz von KI nun der Durchbruch?

Markus Schindler: KI und Low Code verstärken sich gegenseitig. Die KI übersetzt Anweisungen in natürlicher Sprache in abstrakte, logische Abläufe – und senkt so die Einstiegshürde für die Erstellung eigener Workflows drastisch. Anwenderinnen und Anwender müssen nicht mehr in Programmiersprachen oder If-then-else-Regeln denken, sondern können ihre Abläufe und Entscheidungswege in natürlicher Sprache formulieren. Die KI setzt dies in Programmlogik um.

Umgekehrt bieten Low-Code-Plattformen die ideale Automatisierungsumgebung für die Ausführung dieser Logik. So befruchten sich beide Technologien gegenseitig: Die KI übersetzt die Anforderungen in ausführbare Anweisungen und die Low-Code-Plattform sorgt für deren sichere, performante und konsistente Umsetzung.

 

Was bedeutet das konkret? Können Sie uns ein Beispiel anhand der humera HR Suite nennen?

Markus Schindler: Sehr gerne. Wenn beispielsweise ein Beschäftigter der Personalabteilung den Onboarding-Prozess neuer Mitarbeitender automatisieren möchte, kann er dies eigenständig – ohne IT-Unterstützung – entwerfen und umsetzen. Dazu legt er einen neuen Workflow an und beschreibt den gewünschten Ablauf anhand typischer Bausteine wie Aufgaben, Checklisten, Genehmigungen oder Ereignissen. Gegliedert wird der Prozess durch Meilensteine.

Notwendige Datenpunkte wie Vorname, Nachname, Eintrittsdatum oder Rolle können aus einem unternehmensweiten Katalog übernommen oder neu definiert werden. Die eigentliche Logik formuliert der Anwender in natürlicher Sprache. Die KI übernimmt im Hintergrund die Umsetzung in Programmlogik. Zusätzlich unterstützt sie bei Detailaufgaben, etwa bei der Übersetzung von Feldnamen und Hilfetexten in andere Sprachen oder bei der weitgehend automatisierten Gestaltung von Eingabemasken.

Das gesamte Vorgehen – von der Idee bis zur Inbetriebnahme – kann vollständig ohne Eingriff der IT oder externer Consultants erfolgen. Diesen Prozess haben wir auch in einem Video aufbereitet, das wir gerne bereitstellen.

Kurz gesagt: Teures Customizing durch externe Berater gehört der Vergangenheit an. In der Ära der human-centric Business-Software übernehmen Kunden diese Aufgaben selbst – schneller, flexibler und kosteneffizienter.

 

Gut, die Anpassung von Lösungen ist damit deutlich einfacher – aber was ist mit den Prozessen selbst? Welche Möglichkeiten zur Automatisierung bietet KI hier?

Markus Schindler: Auch hier gibt es viele Möglichkeiten. Bleiben wir beim Beispiel Onboarding: Entscheidungen im Prozess können automatisiert getroffen werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. So kann etwa die Einstellung eines neuen Mitarbeitenden automatisch genehmigt werden, wenn dessen Gehalt unter 60.000 Euro liegt, die geplante Stelle im Budget vorgesehen und als Arbeitsort die Unternehmenszentrale festgelegt ist. Andernfalls erfolgt eine Freigabe manuell durch den zuständigen Personalmanager. Auch solche Regeln formuliert der Prozessdesigner in natürlicher Sprache und die KI setzt sie vollständig um. Viele bislang manuellen Entscheidungen lassen sich so automatisieren. Ein wesentlicher Vorteil: Der gesamte Entscheidungsprozess wird dabei sauber dokumentiert und ist für Berechtigte transparent einsehbar. Die mühsame Suche in E-Mails oder Aktennotizen entfällt.

Ein weiteres Beispiel ist der Dialog zwischen Managern und HR: Über einen Chatbot können Manager Fragen stellen – beispielsweise zum Status eines Vorgangs oder zu spezifischen Regelungen. Der HR-Chatbot antwortet auf Basis der zentral gepflegten Daten innerhalb der HR-Suite.

Für viele Prozesse bringt unsere humera HR Suite out of the box vorgefertigte Best Practices inklusive passender Automatisierungen bereits mit. Der größte Mehrwert entsteht jedoch in der individuellen Ausgestaltung durch die Kunden selbst.

 

Das klingt nach einem echtem Paradigmenwechsel. Was bedeutet diese Umstellung für Sie als Softwarehersteller?

Markus Schindler: Vor allem eine Menge Arbeit. In der humera HR Suite haben wir KI-Unterstützung durchgängig in alle Module integriert. Das klingt einfach, ist aber für Softwarehersteller ein enormes Unterfangen und kann nur gelingen, wenn die Architektur und Technologie der Lösung solche Erweiterungen quer durch alle Funktionen überhaupt unterstützen. Hier profitieren wir von unserer integrierten Suite, in der alle Module nahtlos ineinandergreifen. Mit einem Sammelsurium angeflanschter Einzellösungen wäre diese technologische Transformation nicht umsetzbar. Gleichzeitig müssen wir uns intensiv mit den Möglichkeiten der KI auseinandersetzen und sicherstellen, dass sie für unsere Kunden verantwortungsvoll nutzbar ist. Gerade im HR-Bereich sind Datenschutz, Compliance und Sicherheit von zentraler Bedeutung.

Ich persönlich gehe davon aus, dass einige Anbieter – insbesondere solche mit veralteter Technologiebasis – diesen Wandel nicht bewältigen werden. Der Markt für Business-Software im Allgemeinen und HR-Lösungen im Speziellen wird sich deutlich verändern. Die Zukunft gehört Anbietern, für die human-centric nicht nur ein Marketing-Buzzword ist, sondern Teil ihrer technologischen DNA.

 

Interviewpartner:

Markus Schindler, CTO, humera www.humera.de und

Bernd Hoeck, freier Journalist und IT-Experte

 

 

 

 

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