Cloud-Management: Multi-Cloud statt Vendor-Lock-in

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Im Zuge ihrer Digitalisierungsvorhaben treiben viele Unternehmen den Ausbau ihrer Cloud-Umgebungen voran. manage it sprach mit Achim Krombach, Solution Architekt beim US-amerikanischen Cloud Service Provider CenturyLink, welche Fallstricke bei der Migration in komplexe Hybrid- und Multi-Cloud-Infrastrukturen lauern – und was Cloud-Application-Management-Plattformen dazu beitragen können, um sich davor zu schützen.

 

Cloud Services wie Microsoft Office 365, Web-Conferencing über Cisco Webex oder die Anmietung zusätzlicher Rechenleistung von Amazon Web Services (AWS) sind für Mitarbeiter und IT-Abteilungen in vielen Unternehmen heute längst Alltag. Würden Sie das so unterschreiben?

In der Tat, die Implementierung eines weiteren oder mehrerer Cloud-Dienste ist heute Business-as-usual in den Unternehmen. Dabei macht es fast keinen Unterschied mehr, ob wir von KMU oder Konzerneinheiten sprechen oder in welcher Branche wir uns umsehen. Die Cloud-Philosophie ist nicht nur in der Denke, sondern auch in der betrieblichen Praxis der Unternehmen angekommen. Aus guten Gründen. Die Argumentationskette für den IT-Verantwortlichen ist schlüssig. Ich kann Services, die ich benötige, sehr schnell und günstig beziehen und bei Bedarf jederzeit skalieren. Das macht mich enorm flexibel und ich gehe keine finanziellen Risiken ein, was das Vorhalten sowohl personeller wie auch infrastruktureller IT-Ressourcen betrifft. Oder etwas pointierter gesagt: Warum für die Bereitstellung kostenträchtiger innerbetrieblicher Ressourcen, die mich noch dazu langfristig binden, in eine langwierige und aufreibende Budget-Bütt gehen, wenn mir der Cloud-Markt die benötigten Services flexibler und mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis bereithält? Wenig spricht dafür. Ein perfekter Nährboden also für die Proliferation der Cloud-Anwendungen.

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Wie weit sehen Sie diese Proliferation bis heute vorangeschritten und worin sehen Sie derzeit zentrale Herausforderungen für die Unternehmen in ihrer Cloud-Strategie?

Achim Krombach, Solution Architekt beim US-amerikanischen Cloud Service Provider CenturyLink

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Das Tempo, das wir bei der Cloud-Migration beobachten, würde ich generell als hoch bewerten. Von KMU bis Enterprise sehen wir, dass Cloud-Implementierungen unter strategischer Perspektive forciert und tendenziell eher mit steigender Schlagzahl vorangetrieben werden. Viele IT-Abteilungen starteten, wenn wir zurückblicken, zunächst mit einfachen Single Vendor Clouds und Private Clouds. Im Zuge gewachsener Anforderungen und der zunehmenden Anzahl an Cloud-Apps stoßen diese jedoch mehr und mehr an ihre Grenzen. Der naheliegende nächste Schritt ist es also, die Cloud-Umgebung weiter aufzubohren. Entweder, indem zusätzliche Private-Cloud-Ressourcen aufgebaut oder indem Public Clouds eines anderen Anbieters hinzugefügt werden. Damit stehen die Unternehmen zugleich vor der Herausforderung, ihre vorhandenen Private und Single Vendor Clouds in leistungsfähigere, aber auch komplexere Hybrid- und Multi-Cloud-Infrastrukturen zu überführen. Je nach Migrationsansatz entstehen so hoch skalierbare und flexible Hybrid- oder Multi-Clouds, die den Unternehmen eine Reihe von Vorteilen erschließen. Konkret: IT-Teams können damit für jede benötigte Anwendung die am besten geeignete Cloud wählen. Sie öffnen ihren Cloud-Ansatz für künftige Erweiterungen ihrer Cloud-Infrastruktur und steuern der Gefahr der Abhängigkeit von einem Cloud-Provider gezielt gegen. On-Top spricht natürlich auch das betriebswirtschaftliche kleine Einmaleins für die Hybrid- beziehungsweise Multi-Cloud-Variante: Sie können jederzeit Preise und SLA vergleichen und stets den günstigsten Anbieter wählen, sammeln Erfahrungen mit verschiedenen Provider-Modellen und können darüber belastbare Best Practices für die Zukunft entwickeln. Sie dürfen an so eine Aufgabe natürlich nicht blauäugig herangehen und sollten die Komplexität eines solchen Migrationsprojektes niemals unterschätzen. Fallstricke lauern genügend.

 

Wo sehen Sie diese Fallstricke?

Generell gilt: Mit jeder weiteren Cloud, mit jeder weiteren Cloud-Applikation wird es schwieriger, den Überblick und die Kontrolle zu behalten. Das gilt sowohl mit Blick auf die Kosten wie auch hinsichtlich der Anzahl und des Mehrwertes der Cloud-Anwendungen. Mit jeder zusätzlichen App, jedem neuen Account und weiteren Policy steigt zwangsläufig auch der administrative Aufwand. Damit nimmt auch das Risiko zu, dass Transparenz und Kontrolle verloren gehen. In der Folge kommt es schneller zu Fehlern in der Konfiguration oder zu Sicherheitslücken. Schlimmstenfalls sind dadurch Compliance und Sicherheit der Daten in der Cloud gefährdet. Unternehmen sind daher gut beraten, sich vor dem Wechsel auf eine Hybrid- oder Multi-Cloud-Umgebung gegen diese Gefahren umfassend zu wappnen. Wir empfehlen, dazu frühzeitig einen erfahrenen Partner mit ins Boot zu nehmen und aufsetzend auf dessen Expertise gemeinsam mit ihm eine durchgängige Management-Plattform zu implementieren. Über eine solche in enger gemeinsamer Abstimmung konzipierte und umgesetzte Plattform lassen sich dann alle aktuellen und künftigen Cloud-Instanzen zentralisiert verwalten. Damit gelingt es, ein langfristig tragfähiges Fundament zu legen, um die im Zuge der Cloud-Migration erzielbaren Effizienz- und Produktivitätssteigerungen auch nachhaltig zu realisieren.

 

Welche Schlüsselfunktionen muss aus Ihrer Sicht eine derartige Cloud-Management-Plattform erfüllen?

Ich sehe an erster Stelle die Kernfunktion, die Anwendungen in den multiplen Clouds über deren gesamten Lifecycle zu verwalten. Die Plattform muss dafür die angebundenen Clouds und Cloud-Anwendungen automatisch identifizieren und in einer übergreifend einheitlichen, sprich: in einer ganzheitlichen Managementoberfläche mit Echtzeit-Dashboards bündeln. Das Unternehmen erhält dadurch die Möglichkeit, kritische Business-Anwendungen über verschiedene Cloud-Plattformen hinweg effizient zu konfigurieren, automatisiert zu aktualisieren und bedarfsgerecht zu skalieren. Es kann dies unabhängig davon bewerkstelligen, über welche physikalische oder Cloud-basierte Infrastruktur die Anwendungen im Einzelfall bereitgestellt werden.

Eine so aufgesetzte Cloud-Application-Management-Lösung bietet aber auch noch weitere Ansatzpunkte, um Performance, Auslastung und Abrechnung der Hybrid- oder Multi-Cloud zu überwachen und zu optimieren. Einheitliche Dashboards für AWS, Azure und weitere Cloud-Lösungen vereinfachen es den Verantwortlichen, den Überblick über die Workloads und die auflaufenden Kosten zu behalten. Aussagekräftige Langzeit-Reports zur Cloud-Nutzung lassen sich quasi in Sekundenschnelle generieren. Diese Daten liefern wiederum belastbares Material für die Entwicklung von Best Practices und die Festlegung angemessener Kostengrenzen. Durch das Plus an Transparenz haben die Kunden in der Multi-Cloud-Infrastruktur dazu die Möglichkeit, vergleichbare Services quasi per Mausklick beim jeweils günstigsten Anbieter zu beziehen. Auch das Billing-on-behalf lässt sich komfortabel konsolidieren. Das Unternehmen erhält am Monatsende eine einzige, Vendor-übergreifende Rechnung. Und, worüber wir noch gar nicht gesprochen haben, sind die damit verbundenen, im Regelfall doch ganz erheblichen Arbeitsentlastungen in der Administration der IT-Infrastruktur.

 

Können Sie dies präzisieren, haben Sie spezielle Beispiele vor Augen?

Nehmen wir das Beispiel Deployment und Konfiguration. Die Bündelung der Public und Private Clouds in einer einheitlichen Cloud-Management-Oberfläche eröffnet Unternehmen die Perspektive, ihre Einrichtung neuer Clouds in weiten Teilen zu automatisieren. So lässt sich etwa die Bereitstellung von zusätzlichen virtuellen Maschinen, Web-Services und Rollen sehr ökonomisch über Templates automatisieren. Auch in den Bereichen Policy-Enforcement, Monitoring und Compliance-Auditing lassen sich viele Abläufe automatisch abwickeln. Die Cloud-Application-Management-Plattform dient hier als Enabler, den Administrationsaufwand zurückzufahren. Oder, weiteres Beispiel, denken Sie an die Einbindung von Managed Services. Eine integrierte Cloud-Management-Plattform liefert dem Unternehmen ein einfach handhabbares und praktisches Self-Service-Portal, das sich hervorragend für die Einbindung von Managed Services des Providers eignet. Unternehmen können dadurch zahlreiche Routineaufgaben wie Monitoring, Patching, Konfiguration oder Remote-Troubleshooting der klassischen IaaS- als auch modernen PaaS-Cloud-Services mit wenigen Klicks an das externe Team ihres Partners auslagern. Dies entlastet nicht nur dauerhaft die eigenen Fachkräfte. Es erlaubt in der Regel auch eine Verbesserung der Servicequalität. Die Rechnung dahinter ist einfach: Zertifizierte Spezialisten im 24/7 besetzten Operating Center des Hosting-Partners können in vielen Bereichen einen Service-Level bereitstellen, der für das Inhouse-Team mit Bordmitteln kaum leistbar ist. Zusammengefasst möchte ich sagen, Unternehmen sollten ruhig mehr Cloud wagen. Gerade Hybrid- und Multi-Cloud-Modelle eröffnen dabei Unternehmen enorme Chancen, vorhandene Cloud-Infrastrukturen auf einen neuen Level zu heben. Durch die Einbindung verschiedener Cloud-Provider vermeiden sie, sich von einem Anbieter abhängig zu machen. Konkurrenz belebt das Geschäft und Dienste, die das Unternehmen benötigt, unterliegen in einem Hybrid- oder Multi-Cloud-Modell ständig einem gesunden Wettbewerb. Diese kompetitive Komponente – kombiniert mit Preistransparenz – gibt Unternehmen den Hebel an die Hand, sich jederzeit marktgerechte attraktive Konditionen zu sichern. Dabei empfiehlt es sich, wie schon gesagt, mit Blick auf die höhere Komplexität der Infrastruktur frühzeitig erfahrene Partner ins Boot zu holen, um gemeinsam die erforderlichen Tools für ein effizientes Cloud-Management zu implementieren. Nur so lässt sich vom ersten Tag an das volle Potenzial von Azure, AWS und Co. ausschöpfen, ohne Abstriche bei Transparenz, Compliance oder Sicherheit in Kauf nehmen zu müssen.

 

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