Zerstört RPA Arbeitsplätze? Vom Trugschluss der Automatisierungstücken  

Bereits seit der Erfindung der Dampfmaschine und der dadurch ausgelösten Industrialisierung diskutieren Menschen über die Auswirkungen der Automatisierung auf den Arbeitsmarkt. Schon damals erleichterten Maschinen die Arbeit des Menschen und sorgten für mehr Effizienz bei der Produktion, schürten aber gleichzeitig die Angst, Beruf und damit auch Einkommen zu verlieren.

»Durch die zunehmende Automatisierung von Prozessen sowie den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz kommt nun erneut die Sorge auf, dass Maschinen langfristig den Menschen ersetzen und aus dem Berufsleben verdrängen«, erklärt Alexander Steiner, Chief Solution Architect der meta:proc GmbH. Laut einer Studie aus dem Jahr 2019 [1] befindet sich Robotic Process Automation (RPA) auf dem Vormarsch: Elf Prozent der befragten Unternehmen setzten RPA bereits in großem Umfang ein, während weitere 27 Prozent die Technologie zur Automatisierung von einzelnen Anwendungsbereichen implementierten. Zudem gaben 59 Prozent der Studienteilnehmer an, in den Jahren 2019 und 2020 gezielt in diesen Bereich investieren zu wollen. »Dieser Einschnitt geht einem gewaltigen Wandel auf dem Arbeitsmarkt voraus«, so Steiner. Entgegen der einhelligen Meinung lässt sich allerdings weniger eine Gefährdung von Arbeitsplätzen, sondern eher eine große Nachfrage nach qualifiziertem Personal prognostizieren.

 

Anzeige

Stellenabbau als Ziel ungeeignet

Hat sich die Befürchtung von damals, RPA sei ein Jobkiller, seit der aktiven Umstellung bewahrheitet? »Nur in den wenigsten Fällen«, weiß Steiner. »Und zwar immer genau dann, wenn Unternehmen Robotic Process Automation offensiv zum Stellenabbau nutzten. Diese Strategie erweist sich allerdings als nicht empfehlenswert, denn sie läuft auf einen Verlust der gesamten Belegschaft hinaus – auch von jenen, deren Arbeit von Bots profitiert.« Aufgrund des vorherrschenden Fachkräftemangels müssen deutsche Firmen bei Kündigungen sehr bedacht agieren. Eher noch versuchen sie ihr Personal von repetitiven Aufgaben zu befreien und es auf seine Kernkompetenzen zu fokussieren. 61,5 Prozent der Unternehmen, die RPA bereits in ihre Arbeitsabläufe integriert haben, geben als Grund die Optimierung und Standardisierung bestehender Ist-Prozesse an – Verbesserungen erhoffen sie sich vor allem in den Bereichen Umsatz, Kosteneffizienz und Kundenzufriedenheit. Die Hoffnung auf Stellenabbau befindet sich nicht unter den Nennungen [2].

Angesichts neuster Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erscheint dieser auch überhaupt nicht möglich: Im ganzen Jahr 2019 leistete die Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland mehr als 1,9 Milliarden Überstunden [3]. »Dieses durch Arbeitsplatzstreichung entstehende Vakuum könnte auch Automation nicht auffangen«, warnt Steiner. Zudem sieht das Forschungsinstitut ISG den Sourcing-Markt auf Rekordhöhe [4] – ein weiteres Risikoszenario für Unternehmen, die durch hohe Kündigungszahlen mittelfristig das Know-how für sehr komplexe Abläufe in den ausgelagerten Bereichen nach und nach verlieren würden. Dadurch entstehen Brüche in Prozessketten, die ihnen die Arbeit in den Kernbereichen erschweren.

Anzeige

 

Bot und Mensch in Kooperation

Trotz RPA mangelt es in deutschen Unternehmen nicht an Beschäftigung. Bereits in der Vergangenheit zeigte sich, dass Arbeitnehmer eine Verdrängung durch Bots nicht fürchten müssen. Als die große Welle der Automatisierung hauptsächlich über die Industrie kam, verschlankten sich ganze Fertigungslinien unter den kritischen Augen der Angestellten. Doch nach 30 Jahren Automatisierung müssen alle Parteien feststellen: Es gibt in Deutschland mehr Jobs als jemals zuvor [5]. »Durch RPA heben Unternehmer ihr Leistungsniveau nach oben und um dieses langfristig zu halten, benötigen sie wiederum mehr Personal«, so der Chief Solution Architect von meta:proc. Da sich die Arbeitsweise dennoch stark verändert, einfache Aufgaben wegfallen und somit allen Mitarbeitern mehr Spielraum zur Verfügung steht, gilt es eine saubere Perspektive aufzuzeigen. »Vorausschauendes Change Management stellt sich dabei als Schlüssel zum Erfolg heraus«, führt Steiner aus. »Transparenz und eine klare Kommunikation gegenüber der Belegschaft helfen Ängste abzubauen und die gesamte Firma in ein Boot zu holen.« Mit dieser Form der Zusammenarbeit zwischen Robotic Process Automation und der unverzichtbaren menschlichen Komponente gelingt eine deutliche Steigerung der Kunden-, aber auch Mitarbeiterzufriedenheit.

 

Gegen die öde Routine

Immer häufiger fallen auch in mittelständischen Unternehmen große Mengen an digitalen Daten an, die das menschliche Gehirn nicht mehr verarbeiten kann. Ein Bot allerdings zeigt sich fähig, auch diese Massen in einen Kontext zu bringen, zu verarbeiten und verständlich auszugeben. Langfristig stößt er an seine Grenzen, sobald eine Aufgabe Kreativität und Flexibilität erfordert. »Es wird immer Bereiche geben, in denen RPA trotz künstlicher Intelligenz an ihre Grenzen stößt«, weiß der Automatisierungsexperte. »Trotzdem sorgt sie für eine Verbesserung in diesen Domänen, indem sie Kapazitäten für das Personal freischaufelt. Bots übernehmen die zeitaufwendigen Routineaufgaben und der Mensch kann sein volles Potenzial auf sein Spezialgebiet konzentrieren.« So lässt sich festhalten, dass Robotic Process Automation keine Jobs eliminiert, sondern stattdessen neue Herausforderungen in anspruchsvollen Themengebieten schafft – was qualifiziertes Personal noch wichtiger macht als je zuvor.

www.metaproc.com
[1] Robotic Process Automation: Sonderanalyse zur Lünendonk-Studie »Der Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland«; 2019
[2] IDG Studie: »Process Mining & RPA«; 2019
[3] Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Durchschnittliche Arbeitszeit und ihre Komponenten in Deutschland, 2020
[4] ISG Index™: Outsourcing-Markt stieg in der EMEA-Region im ersten Quartal um fast 4 %, 2020
[5] Statistisches Bundesamt: GENESIS-Online Datenbank; 2020

 

318 Artikel zu „RPA Automatisierung“

RPA senkt Gesundheitskosten: Prozessautomatisierung verschafft mehr Zeit für medizinische Betreuung

Bis 2020 wird es mehr Menschen über 65 als Kinder unter 5 Jahre geben. Das bedeutet, dass auch die Zahl der Menschen, die medizinische Hilfe benötigen, steigt. Um diesem demografischen Trend Rechnung zu tragen und eine angemessene medizinische Versorgung zu gewährleisten, wird auch die Gesundheitsbranche ihre Ressourcen effizienter einsetzen müssen. Mit Hilfe der Robotic-Process-Automation-Lösung werden…

Augen auf bei der RPA-Anbieterauswahl: Sechs Tipps für erfolgreichen Start ins Automatisierungsprojekt

Deutscher RPA-Experte verrät, warum der passende Anbieter über Erfolg oder Misserfolg der Robotic Process Automation entscheidet.   Damit die digitale Transformation im Unternehmen ihre volle Schlagkraft entfalten kann, sollte das Thema RPA in den Fokus rücken. Hierbei kommt der RPA-Anbieterauswahl besondere Bedeutung zu. Diese Empfehlung gibt Another Monday allen IT-Leitern und Firmen, die ein Prozessautomatisierungsprojekt…

Robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA): Nachfrage zieht bis 2020 kräftig an

IT-Abteilungen treiben das Thema besonders stark. Top-Anwendungsbereiche: Einkauf, Logistik und Kundenbetreuung. Hemmnisse: Sicherheitsbedenken und organisatorische Widerstände.   Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen ISG Information Services Group hat den Markt für Robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA) in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. 248 repräsentativ ausgewählte Unternehmen äußerten sich zur aktuellen und zukünftigen Nutzung von RPA-Technologien in der DACH-Region.…

Vier RPA-Mythen: So entfesseln Unternehmen die Magie der intelligenten Prozessautomatisierung

Robotic Process Automation (RPA) ist keine Zauberei, aber dennoch magisch. Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag von Another Monday hat in diesem Zusammenhang herausgefunden, dass zwar rund die Hälfte der befragten Mitarbeiter von deutschen Großunternehmen das Thema RPA kennt. Allerdings haben erst zwölf Prozent bereits Geschäftsprozesse durch Softwareroboter umgesetzt. Laut »ISG Automation Index« wollen bis 2019…

Warum RPA allein zu wenig ist

Die jüngsten Erfahrungen haben gezeigt: Für intelligente und agile Automatisierung von Geschäftsprozessen braucht es mehr als RPA. Viele Unternehmen haben inzwischen RPA implementiert und diese Technologie erweist sich als gute Lösung zur Optimierung von Routineabläufen. Sie ist ein hilfreiches Element, um einfache, sich wiederholende Aufgaben vor allem im Zusammenhang mit Altsystemen oder Dokumenten zu automatisieren.…

Unternehmen möchten RPA implementieren – Mitarbeiter oftmals besorgt bezüglich ihrer Qualifikation

53 Prozent der deutschen Unternehmen möchten in diesem Jahr Robotic Process Automation (RPA) implementieren, wie die aktuelle Studie »The Future of Work Is Still Being Written, But Who Is Holding the Pen?« des RPA-Anbieters UiPath, durchgeführt von Forrester Consulting, zeigt [1]. Weitere 36 Prozent der befragten Organisationen in Deutschland möchten bestehende RPA-Projekte ausbauen. Die Studie…

RPA als Business-Enabler in Corona-Zeiten

Das Corona-Virus hat die Wirtschaft fest im Griff. Unternehmen, ganze Branchen stellen den Betrieb ein. Wirtschaftsexperten diskutieren bereits, ob die Wirtschaft mit einer kurzen und heftigen Rezession, mit einem anhaltenden Abschwung oder gar mit einem Kollaps rechnen muss. Wie immer im Leben gibt es zwei Möglichkeiten, als Unternehmen mit den Auswirkungen einer derartigen Krise umzugehen.…

So wichtig ist das P in RPA

Viele RPA-Projekte bringen nicht den gewünschten Erfolg. Ein Hauptgrund ist die Vernachlässigung des »P« in RPA.   Wichtigste Ziele beim Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) sind die Zeit- und Kosteneinsparung, die Reduzierung manueller Tätigkeiten und die Qualitätssteigerung. Doch der erwünschte Erfolg bleibt bei vielen Unternehmen aus. Was sind die Gründe? Ein Kardinalfehler besteht in…

Künstliche Intelligenz und Automatisierung: Ohne Menschen geht es trotzdem nicht

Studie: Automatisierung und KI im Rechnungswesen und Controlling – was erwarten mittelständische Unternehmen?   Automatisierung und künstliche Intelligenz (KI) revolutionieren den kaufmännischen Bereich. Prozesse, Aufgaben und Rollenbilder – alles ist im Wandel. Welche Auswirkungen hat das für den Mittelstand und Organisationen? Antworten und Denkanstöße auf diese Frage liefert die Studie »Wer wollen wir sein –…

Automatisierung von Finanzprozessen: Vom Buzzword zur Realität

Der Markt für Software zur Automatisierung von Finanzprozessen entwickelt sich rasant. Sieben Zukunftsprognosen. Netflix, Spotify, Apples Siri und Amazons Alexa – im Privatleben sind künstliche Intelligenz, Machine Learning und On-Demand-Dienste fast schon zu einem festen Bestandteil geworden. Unternehmen können und wollen sich keine Unsicherheiten durch unreife Technik erlauben. Folge: Der Einsatz neuer Technologien im B2B-Bereich…

Rezession: RPA macht Unternehmen krisensicherer

Eine klare Aussage, wann eine Rezession tatsächlich stattfindet, kann seriös kaum getroffen werden. Aber allein der Gedanke an eine schwächelnde Konjunktur treibt dem einen oder anderen Geschäftsführer Schweißperlen auf die Stirn. Denn ein Konjunkturrückgang hat direkte Konsequenzen für die Unternehmen, vom kleinen und mittelständischen Betrieb bis zum Großkonzern. Der spürbare Nachfragerückgang zwingt viele Unternehmen, Geld…

Whitepaper Sicheres Management: Vom Outsourcing zur Automatisierung

Compliance muss im Zeitalter der Digitalisierung neu definiert werden.     Die Digitalisierung ist im Betriebsalltag der Unternehmen angekommen. Zahlreiche Verwaltungs- und Geschäftsprozesse lassen sich inzwischen digitalisieren und automatisieren. Weniger Aufwand, kürzere Bearbeitungszeiten, höhere Qualität und niedrigere Kosten können beispielsweise mit Robot Process Automation (RPA) und dem Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) erzielt werden. Doch neben…

Automatisierung von Prozessen ist eines der wichtigsten Investitionsthemen in Unternehmen

Robotic Process Automation für die systemübergreifende Automatisierung hat bereits hohen Durchdringungsgrad. RPA-Tools verbessern Prozessqualität und -geschwindigkeit und sparen Kosten ein. Kombination mit KI bietet zusätzliches Optimierungspotenzial.   Bei den Unternehmen steht sie seit Jahren an der Spitze der wichtigsten Investitionsthemen: die Automatisierung von Prozessen. Die Suche nach neuen Möglichkeiten, Geschäfts- und IT-Prozesse effizienter, schneller, kostengünstiger…

»Brot und Butter«-Geschäft RPA

  Alexander Steiner, Chief Solution Architect bei der meta:proc GmbH, über den Einsatz von Robotic Process Automation und die Erweiterungsmöglichkeiten durch künstliche Intelligenz: Herr Steiner, wie lässt sich Robotic Process Automation, kurz RPA, definieren? »Jeder Experte definiert RPA anders. Ganz allgemein gesagt, bezeichnet RPA eigentlich nichts anderes als eine Software, die einen zuvor händisch ausgeführten…

Robotic Process Automation: Drei Irrtümer gefährden RPA-Erfolg

Etliche Unternehmen implementieren derzeit RPA-Lösungen, der Erfolg bleibt aber vielfach aus. Gründe sind oft falsche Erwartungen und grundlegende Fehleinschätzungen. Bereits seit geraumer Zeit gibt es einen regelrechten Hype um RPA (Robotic Process Automation). Die viel zitierten Vorteile wie einfache, schnelle Bereitstellung und Entlastung der Mitarbeiter von Routinetätigkeiten haben dazu geführt, dass viele Unternehmen RPA-Lösungen implementieren.…

Wer hat Angst vor RPA?

Deutschland ist in weiten Teilen immer noch eine RPA-Wüste: Anwender haben Vorurteile, Projekte scheitern. Mit dem richtigen methodischen Ansatz steht aber einer erfolgreichen RPA-Implementierung nichts im Wege, meint Business-Transformation-Spezialist Signavio. Untersuchungen zeigen, dass RPA-Lösungen (Robotic Process Automation) in Deutschland nur zögerlich eingeführt werden: Vermeintlich fehlt der Bedarf, es mangelt an Know-how, die Datenintegration gestaltet sich…

Automatisierte Migrationsverfahren mittels Robotic Process Automation: Datenmigration leicht gemacht mit RPA

Datenmigration kann als das Übertragen von Daten von einem System oder einer Datenbank in ein anderes definiert werden. Die Auslöser für Datenmigrationsprojekte reichen von der Stilllegung von Altsystemen, über eine System-/Infrastrukturkonsolidierung bis hin zu Upgrades für die Unternehmensressourcenplanung (ERP). Geschäftsszenarien, die eine Datenmigration erfordern, sind in erster Linie Fusionen oder Übernahmen, bei denen ältere IT-Systeme…

RPA in Unternehmen: Mein Kollege, der Bot

Mal eben die Rechnungen schnell einscannen, Lieferbelege kontrollieren oder Zahlungseingänge überwachen: Stetig wiederkehrende Aufgaben, wie das Abgleichen von Listen und andere monoton wiederholte Büroaufgaben, gehören auch im 21. Jahrhundert noch häufig zum Arbeitsalltag vieler Unternehmen und ihrer Mitarbeiter. Dabei bindet dies neben Arbeitskraft und Personalkosten auch Motivation der Mitarbeiter. Schließlich möchten sie sich auf die…