Überlastung der IT-Security-Teams – Automatisierung als Antwort auf den Fachkräftemangel

Verantwortliche für die IT-Sicherheit eines Unternehmens sehen sich häufig mit einer personellen Unterbesetzung ihrer Security-Abteilungen konfrontiert – und dies nicht nur kurz-, sondern ohne Aussicht auf Besserung mittelfristig. Ein möglicher Ausweg: automatisierte Workflows zur deutlichen Entlastung der IT-Security-Teams.

Schlagzeilen der einschlägigen Wirtschafts- und Fachpresse bringen es auf den Punkt. Für Unternehmen in der exponentiell expandierenden Digitalwirtschaft ist es eine der großen Herausforderungen, sowohl das richtige Personal als auch die richtige Anzahl von Mitarbeitern zu finden. 

Besonders kritisch trifft der Fachkräftemangel den Bereich IT-Sicherheit. Denn nicht nur die IT-Wirtschaft boomt, sondern auch die »Branchen« Datendiebstahl, Erpressung und Sabotage. Hinzu kommt für die IT-Security-Teams die Aufgabe, eine IT-Infrastruktur via Updates, Patches und Erweiterungen funktional zu halten. Diese wird aufgrund von Cloud-Services, Mobilgeräte oder IoT zunehmend komplexer. Die Folgen sind häufig überlange Reaktionszeiten auf Vorfälle, die eine Gefahr für das Unternehmen darstellen.

Ein Ausweg aus diesem Personalnotstand ist nicht in Sicht: Laut dem aktuellen Cybersecurity Jobs Report1 der New York Times wird es bis 2021 weltweit 3,5 Millionen unbesetzte Arbeitsplätze im Segment der Cybersecurity geben [1]. Einer Studie des Ponemon Institutes nach sind 58 Prozent der CISOs davon überzeugt, dass sich das Problem, über kein geeignetes Personal für die IT-Sicherheit zu verfügen, verschlimmern wird [2]. 

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Mehr Effizienz durch SOAR. Heute haben viele Unternehmen in unterschiedlichste Sicherheitstechnologien investiert, die tagtäglich Tausende, wenn nicht Zehntausende von Warnungen und Alarmen auslösen. Deren Adressaten in den Sicherheitsteams müssen nun bestimmen, welche dieser Warnungen richtig und damit wichtig oder aber falsch positiv sind und welche Präferenzen zugeordnet werden sollen. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, muss der Analyst hierzu die verschiedenen Datensilos der einzelnen Sicherheitslösungen aus dem Security Information and Event Management (SIEM) zusammenführen. Durch dieses organisatorische Prozedere werden immense Personalressourcen gebunden, die dann an anderer Stelle fehlen. Hier stellt sich die Frage: Wie können Mitarbeiter der IT-Sicherheit insoweit entlastet werden, dass sie sich auf komplexe Vorfälle, die Kompetenz und Kreativität erfordern, konzentrieren können?

Um diesen Workflow zu beschleunigen, bieten Lösungen zur Sicherheitsorchestrierung, Automatisierung und Reaktion (Security Orchestration, Automation and Response; SOAR) eine pragmatische Unterstützung, denn SOAR-Services integrieren sich in eine breite Palette interner und externer Anwendungen und kombinieren Informationen über Sicherheitsbedrohungen aus den unterschiedlichsten Quellen. Eine SOAR-Lösung ist verknüpft mit den Sicherheitssystemen wie etwa einem SIEM und nimmt deren Meldungen auf, die anschließend in vordefinierten Prozessen (Playbooks) verarbeitet werden. 

Auf dieser Basis unterstützen SOAR-Technologien die Automatisierung und Orchestrierung von Abläufen, Prozessen, Richtlinienumsetzung sowie dem Berichtswesen. Damit werden die Einordnung von Bedrohungen sowie deren Untersuchung und die darauffolgenden Reaktionen beschleunigt. 

Insbesondere kleinere Teams profitieren durch SOAR von einer deutlichen Entlastung, denn neben der Möglichkeit der halbautomatisierten, bestätigungsgesteuerten Reaktionen gibt es auch die Option, in Playbooks zu definieren, wie vollständig automatisiert verfahren werden soll. Gerade die Möglichkeit, grundlegende Aufgaben wie etwa die Deaktivierung eines Benutzerkontos oder die Isolation eines Hosts zu automatisieren, kann die Stunden oder Tage einsparen, an denen eine Bedrohung in der IT-Umgebung normalerweise aktiv ist. Die Automatisierung ist also eine entscheidende Basis dafür, die Zeit für die Untersuchung und Reaktion auf eine Bedrohung zu verkürzen.

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Dabei ist es wichtig, dass die SOAR-Plattform über eine Testumgebung verfügt, um die Aktionen und Scripts zu testen, die für die Automatisierung benötigt werden, bevor sie in der Produktivumgebung Anwendung finden. Bei halbautomatisierten Workflows ist weiterhin darauf zu achten, dass die Lösung Funktionen bietet, um Genehmigungen für eine Aktion auch von mehreren Personen abteilungsübergreifend einzufordern.

Automatisierung von Sicherheits-Workflows. Für jede Art von Bedrohungen lassen sich via SOAR Abläufe oder auch automatisierte Playbooks definieren, die von der Untersuchung über die Festlegung von Reaktionen bis hin zu Praktiken zur Wiederherstellung nach einem Vorfall reichen können. Mögliche Anwendungsfälle für eine Automatisierung von Sicherheits-Workflows in den aktuellen komplex en Systemumgebungen verdeutlichen die Entlastung durch SOAR:

  • Endpunkt-Quarantäne: Wird ein Netzwerkzugang identifiziert, an dem sich ein verdächtiges Gerät befindet, erfolgt die Deaktivierung des Anschlusses und/oder des Geräts automatisch.
  • Benutzer sperren: Wurde ein Konto vermutlich kompromittiert, wird der Zugriff auf das Konto des Benutzers unabhängig vom verwendeten Gerät automatisiert unterbunden.
  • Konsolidierte Daten: Bei der Untersuchung eines potenziellen Malware-Vorfalls werden die forensischen Daten verdächtiger Endpunkte aus unterschiedlichen Quellen ohne manuellen Eingriff zusammengeführt und bereitgestellt.
  • Netzwerkzugriff sperren: Im Falle von Datenexfiltration kann ein Security-Team durch die Aktualisierung der Zugriffssteuerungsliste der Firewalls die Verbindung aufheben.
  • Vorgänge abbrechen: Nicht bekannte oder auf einer Negativliste eingetragene Vorgänge auf kritischen Geräten werden automatisiert unterbunden.

Diese Beispiele vermitteln einen Eindruck darüber, inwieweit SOAR dazu beitragen kann, IT-Security-Teams zu entlasten sowie Bedrohungen schneller zu erkennen und darauf zu reagieren. Denn durch verstärkte Effizienz, Integrationen und Automatisierung optimiert SOAR die Reaktion auf Sicherheitsvorfälle, verringert die Arbeitsbelastung und vereinfacht die Abläufe. Manuelle Aufgaben werden reduziert und die Konsistenz erhöht.



Rob Pronk, Regional Director
Central, Northern & Eastern Europe
bei LogRhythm

 

[1] https://www.nytimes.com/2018/11/07/business/the-mad-dash-to-find-a-cybersecurity-force.html
[2] https://www.raytheon.com/sites/default/files/2018-02/2018_Global_Cyber_Megatrends.pdf

 

Illustration: © vs148/shutterstock.com

 

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